Antifeministische Freunde der Vorhaut

In der Debatte über Beschneidung von Jungen tummeln sich viele Teilnehmer. Antisemiten, Antimuslime, Menschenfeinde aller Art verpesten die Diskussion mit Beiträgen, die die Welt nicht braucht. Diese Beiträge haben nur eines zum Ziel, das Objekt ihrer Obsession, den Juden, den Muslim, die Religion und anderes in den Mittelpunkt der Diskussion zu stellen.

Die Beschneidung ist dabei Mittel zum Zweck, die Vorhaut aber ansonsten nicht weiter von Interesse.

…Erst wenn es zu Ende ist, sehen wir, dass es keine Ziele gibt“

Das bisher krankeste Beispiel der Nutzung der Beschneidung zum Transport von Eigeninteressen ist jedoch der Beitrag „Beschneidung: Ignoranz und Sexismus“ [1], der die Beschneidungsdebatte aus einer, dem Antifeminismus/Maskulinismus [2] nahestehenden Sichtweise aufgreift.

Gut, Irre gibt es wie gesagt viele.

Widerliche an diesem Beitrag ist, das die Relativierung der Leiden von Mädchen zur Erhöhung des männlichen Schmerzes bei der Beschneidung dient. [3]

Oder, wie Antifeministen sagen, bei der „Vorhautamputation“.

Das in dem Beitrag bewusst antisemitische stereotyp, wie das Bild von den Reichen Juden, die mit ihrem Geld Meinungen unterdrücken und beeinflussen, einbezieht, macht ihn letztendlich nur unerträglicher als er schon ist.

Mit großen Worten und einer Anklage, laut herausgeschrien, startet der Kampf um die Männliche Deutungshoheit in der Beschneidungsfrage.

So kommt es zur Tabuisierung jeglichen Vergleichs von weiblicher und männlicher Genitalverstümmelung. Dieses Tabu ist sexistisch aus Ignoranz, und damit der eigentliche Skandal dieser Debatte.“

…und dass so vieles, das wir tun, Zeitverschwendung ist.“

Wie Mensch auf den Blödsinn kommt, dass „die Tabuisierung jeglichen Vergleichs von weiblicher und männlicher Genitalverstümmelung “ eine „stereotype Merkmalszuschreibung“ [9] ist, erschließt sich mir nicht.

Macht nichts, dem Autor auch nicht. Beim lesen stellt sich schlicht heraus, das er denkt, Sexismus habe was mit Sexualität zu tun, nicht mit Geschlecht.

Um deutlich zu machen, dass die Unterscheidung der Weiblichen Genitalverstümmelung von der männlichen Beschneidung keine sein darf, wir zuerst ein „Feminist“ zitiert, der äußert „die männliche Genitalverstümmelung als feministisches Anliegen zu begreifen, insofern der Feminismus keine Bewegung gegen Männer, sondern eine Menschenrechtsbewegung gegen Sexismus ist.“

 Ein „Feminist“, der auch nur in Erwägung zieht, das „der“ Feminismus jemals eine Bewegung gegen Männer gewesen sei oder sein könne, hat vom Gegenstand seiner Begierde soviel Ahnung wie Schweine vom Fliegen.

„Feministin“ oder „Feminismus“ sind keine eingetragenen Warenzeichen, jeder der es möchte darf sich so nennen, auch z.B. Joseph Aloisius Ratzinger. Hier merkt man es.[4]

 

…Erst wenn das Ende kommt, werden uns die Fehler klar,“

 

Um nochmals kurz darzustellen, was hier verglichen wird, eine kurze Darstellung des Gegenstandes der Überlegungen, der Genitalverstümmlung die auf drei verschiedenen Arten durchgeführt werden kann:

Die Sunna. Es handelt sich hierbei um eine eher seltene Form der Weiblichen Beschneidung, bei der die Vorhaut der Klitoris eingestochen, eingeritzt oder entfernt wird. Diese Form ist als Einzige mit der Beschneidung der männlichen Vorhaut vergleichbar.

Bei der Exzision wird die Klitoris teilweise oder komplett amputiert. Auch die inneren Schamlippen werden zu mehr oder weniger großen Teilen verstümmelt.

Die dritte Art der Genitalverstümmelung ist die grausamste und zugleich die am häufigsten verwendete – die Infibulation. Wird eine Frau infibuliert bedeutet das die komplette Entfernung der inneren und äußeren Schamlippen und der Klitoris. Die so verbliebene Wunde wird in den meisten Fällen mit Akaziendornen zusammengesteckt, in den übrigen Fällen wird sie zugenäht. Es wird lediglich eine kleine Öffnung gelassen, so dass Urin und Menstruationsblut austreten können. Diese Öffnung ist häufig nicht größer als ein Streichholzkopf.

…Was willst du behalten außer Deiner Erinnerung?“

Eine gesonderte Rolle spielt die Defibulation. Denn im Laufe des Lebens einer beschnittenen Frau muss die Öffnung aus verschiedenen Gründen wieder „geöffnet“ werden. So zum Beispiel bei der Geburt eines Kindes, vor dem Geschlechtsverkehr oder wenn Komplikationen aufgetreten sind. Nach diesem Eingriff werden die Frauen aber immer wieder reinfibuliert, also wieder „geschlossen“.

Die Gründe einer Defibulation lässt die Vorstellung zu, dass sie zum regelmäßigen Geschehen wird, da ja dieser Eingriff nicht nur einmal im Leben einer Frau vorgenommen werden muss. Eine Beschneidung wird nie unter sterilen Voraussetzungen getätigt, geschweige denn mit „normalen“ Hilfsmitteln. Messer, Scheren, Rasierklingen und Glasscherben sind die „Werkzeuge“ die gebraucht werden. [6]

In dem Beitrag geht man mit solchen Informationen so um: verharmlosend und relativierend. „Zwar ist die Infibulation, also das Vernähen der Vagina nach der Entfernung der äußeren Klitoris und der Schamlippen, dramatischer als die Knabenbeschneidung, aber es gibt auch Formen, die nachweislich „harmloser“ sind, z.B. die Entfernung der Klitorisvorhaut oder das bloße Einstechen oder Einritzen derselben.“ [7]

Unausgesprochen wird hier die Behauptung aufgestellt, dass die Beschneidung der Exzision vergleichbar ist, also der teilweisen oder kompletten Amputation der Klitoris unter häufiger Einbeziehung der Verstümmelung der inneren Schamlippen.

Nach dieser Banalisierung des bösen geht es zusammenhangslos weiter mit der Erschaffung von Sätzen des blöden. So steht in dem Text plötzlich „Die Ungleichbehandlung von Kindern allein aufgrund des Geschlechts ist ein klarer Fall von Sexismus.“. Da verfällt man ins Grübeln, aber einzig, weil Mensch nicht weiß, ob Lautes lachen oder stilles weinen hier die richtige Reaktion wäre.

Und: die Ungleichbehandlung von Kindern aufgrund des Geschlechts ist schlicht nichts als ein fall von Diskriminierung und hat mit Sexismus so wenig zu tun wie die Sonne mit dem Mond. Muss man wissen, wissen auch die wenigsten.

…Sie wird das Allerletzte sein, was du noch geben kannst.“

Im fortlaufenden wird Sinn gesucht wo keiner ist, so wenn geschrieben wird, das „Wir erwarten normalerweise, dass die Frontlinie des Feminismus zwischen den Geschlechtern verläuft. Aber in diesem Fall ist der Mann ein Säugling oder ein Kind, und er ist kein Feind.“

Dieser Satz, in seinem Schlichten Irrsinn und seinem Versuch, eine Aussage über etwas zu treffen, was nicht verstanden, aber abgelehnt wird („Feminismus“) offenbart einmal mehr, das es den Autor schlicht um das Predigen von Antifeminismus geht.

Erstens verläuft im Feminismus [8] die Frontlinie nicht zwischen den Geschlechtern, sondern es geht, generell um die Beseitigung patriarchaler Herrschaftsverhältnisse. Teile der sich als FemimnistINen begreifenden Menschen sehen sowohl das biologische Geschlecht (sex) als auch das soziale Geschlecht (gender) als gesellschaftliche Konstrukte, und lehnen deshalb Geschlecht als Klassifikationseinheit ab.

Mit der Richtigstellung des ersten Satzes als dumm sprech hat sich der zweite Satz als Unsinn und nicht zu beachten erledigt.

Nun, der Beitrag, um den es geht strotzt in vielen Bereichen vor purer Selbstüberschätzung und dem Aufblasen der eigenen Bedeutung, dass aber immer noch eine Schippe drauf geht beweist der Autor einem Abschnitt, in dem er den Kampf der Moralbegriffe darstellt.

Hier vermischt der Autor Fröhlich Antisemitismus und Antifeminismus zu einem Unappetitlichen, Widerlichen Brei.

Den Auftakt Bildet die Deklaration der Unvereinbarkeit von Moderne und Religion. „Die Frontlinie verläuft zwischen denjenigen, die in den Menschenrechten eine ärgerliche und zu überwindende Ablenkung vom göttlichen Gesetz sehen, und denjenigen, die eben genau in diesen Menschenrechten die epochale Überwindung eines jahrtausendealten Kollektivismus sehen, die Befreiung des Individuums vom Zwang durch Kollektiv, Volk, Sippe und Religion.“

Mann hätte denjenigen, die die allgemeine Deklaration der Menschenrechte verfasst habe, mitteilen sollen, dass dies die „Befreiung des Individuums vom Zwang durch Kollektiv, Volk, Sippe und Religion“ bedeutet.

…Erst wenn wir das Ende sehen, beginnen wir zu verstehen,“

Durch sinnentleertes zitieren wird nun versucht, einen Gegensatz zwischen dem Zentralrat der Juden und Kämpfern gegen die Weibliche Genitalverstümmelung zu konstruieren.

Da wir aus einer Stellungnahme des Zentralrats der Satz „Es sollte nicht übersehen werden, dass die Beschneidung einer Frau nicht auf religiösen Gründen basiert, sondern auf kulturellen Traditionen und Mythen.“ Herausgerissen und, auf Kindergartenniveau dekonstruiert.

Natürlich wird nicht der ganze Absatz zitiert, den unser Antifeminist kann nicht ertragen, das Frauen als Opfer männlicher Gewalt dargestellt werden, noch dazu von Juden.

Der ganze Absatz lautet „Die Beschneidung von Frauen hingegen ist ein Instrument der Unterdrückung, die mit massiven körperlichen und seelischen Schäden und der Einschränkung sexueller Empfindsamkeit verbunden ist. Es sollte nicht übersehen werden, dass die Beschneidung einer Frau nicht auf religiösen Gründen basiert, sondern auf kulturellen Traditionen und Mythen.“

Was passiert hier, wo liegt der Unterschied zum zitierten einzelnen Bestandteil?

Genitalverstümmelung wird in einen Gesellschaftlichen Kontext eingebunden, der die Momente von patriarchaler gewallt impliziert und so seiner rein kulturellen Bedeutung entkleidet. Durch den ersten Satz wird der zweite Satz auch lesbar als „Egal ob Genitalverstümmelung Religiös oder kulturell begründet wird, sie impliziert Unterdrückung und ist abzulehnen“.

Auf der Basis nur des zweiten Teils kann versucht werden, Gegensätze zu konstruieren wo keine sind, z.B. den, das der Zentralrat Genitalverstümmelung befürworten würde, wenn sie den religiös motiviert wäre. In Kenntnis des Ersten Teils entlarvt sich dies als das, was es ist: billige, blöde Effekthascherei.

…worum es eigentlich für uns im Leben geht.“

An dieser Stelle beende ich die Darstellung der Positionen der Antifeministischen Freunde der Männlichen Vorhaut, da im letzten Teil des Beitrages üble Antisemitische Vorurteile, wie die von den Reichen Juden, die die Menschen kontrollieren ihre Auferstehung feiern.

Eine Auseinandersetzung der Umdeutung der Männlichen Beschneidung zu einem Akt der Erhebung des Mannes über die Frau, über die Bedeutung von Unreinheit im Judentum, über Reines und unreines Blut will ich mir sparen.

Das in dem Beitrag bewusst antisemitische stereotype in seine Argumentation einbezieht, macht ihn letztendlich nur unerträglicher als er schon ist.

Das schönste ist aber, Sätze wie diesen zu lesen“„Wollen Sie, dass wir Probleme mit den Juden bekommen?“ Das ist vielleicht ein pragmatisch gültiges Argument, und es ist selbst nicht sexistisch, aber dafür ist es antisemitisch“. Da wird Antisemitisches Geschwätz als Antisemitisch dargestellt, um es dann trotzdem zu benutzen. So Sinnbefreit wie vieles in diesem Beitrag ist auch die Anmerkung, das die Antisemitische Gülle, die man lustvoll gleich zweifach zitiert, nicht sexistisch sei.

Nur soviel noch: Jemand, der über 600 Worte und fast 4000 Zeichen mit der Beschreibung des der Deutung der Beschneidung im Judentum Wirkt letztendlich nur noch peinlich, wenn er schreibt „Frühere Beschneidungsgegner waren tatsächlich meist Antisemiten, und die Kinder waren ihnen egal. “

…Wenn vor uns das Ende liegt und wir alleine sind,“

Damit hat er Recht, es stellt sich nur die frage, warum werden ihre Ideen dann ausführlichst rezipiert?

Nun, weil er zur Umdeutung aller Antisemitischen stimmen in der gegenwärtigen Diskussion ansetzt, die da lautet „Die aktuelle Opposition gegen die Beschneidung ist nicht antisemitisch.“

Seine Beweise: Das Kölner Urteil richtet sich gegen Muslime und Islamisten stehen in dieser Debatte mit den orthodoxen Juden auf der gleichen Seite.

Wie Blöde ist dass den? Das wäre so, als würde ich behauten:,die tatsche, das Alle Rechtsradikalen Parteien der BRD ein Verbot der Beschneidung von Jungen fordern macht alle Menschen die ein ein Benachteiligungsverbot fordern, zu Nazis. So ein Schluss ist Blödsinn und inhaltlich unhaltbar, Das gilt auch für das mit dem Antisemitismus.

…erkennen wir für uns das Glück, das wir sonst nie sehen.“

Ein Fazit für mich ist hier: ich lehne Genitalverstümmelung als Verbrechen ab, ebenso wie ich die Beschneidung von Jungen verurteile. Ich setze beides nicht gleich, weil es nicht gleichzusetzen ist. Ich bin mir sicher, das die Beschneidung von Jungen Spätfolgen zeitigt. Die Spätfolgen bei den meisten Mädchen sind aber vom Wesen her anders als die von Jungen, die Beschnitten wurden, und darum nicht vergleichbar. Das leiden beider Gruppen ist ähnlich, aber nicht wesensgleich. In der Anerkenntnis dieser Differenz liegt aber nicht, wie von den Antifeministen behautet, eine Diskriminierung einer Gruppe sondern die schlichte Beschreibung der Realität.

Zwischenüberschriften aus Die Toten Hosen – „Am Ende“ http://www.youtube.com/watch?v=4XxtZ59YvXY

[1] Beschneidung: Ignoranz und Sexismushttps://evidentist.wordpress.com/2012/09/11/beschneidung-ignoranz-und-sexismus/

[2] Ich bezeichne hier das, was auch Maskulinismus ist, als Antifeminismus, Maskulinismus immer auch Antifeminismus enthält, Antifeminismus aber nicht zwangsläufig Maskulinistisch ist.

[3] interessant ist in diesem Fall auch, dass eine solcher Diskursansatz über Beschneidung Menschen in der Piratenpartei vertreten wird.

[4] http://www.thewholenetwork.org/4/category/questioning%20circumcisionism/1.html

[6] http://frauenrechte.de/online/images/downloads/fgm/EU-StudieFGM.pdf

[7] http://pro-kinderrechte.de/faq/#7

[8] Ich bin mir der Tatsache wohl bewusst, das es „den Feminismus“ nicht gibt, aber das hier auszuführen, wäre Rahmen sprengend.

[9] http://de.wikipedia.org/wiki/Sexismus

Advertisements
Explore posts in the same categories: Antifeminismus, Piraten

Schlagwörter: ,

You can comment below, or link to this permanent URL from your own site.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: