Sind Quoten Scheiße?

Zunächst zum Titel dieses Beitrags: Ja, ich finde Quoten scheiße, weil sie grundlegende Probleme nicht beseitigen, die Kategorien von Heteronormierten Geschlecht verfestigen, ebenso wie Ungerechtigkeit und Ausgrenzung gegenüber allen, die nicht Heteronormierter „Mann“ oder Heteronormierte „Frau“ [1] sein wollen.[3]

Ich werde aber, trotz allem, immer die Anhänger von Quoten unterstützen.

Ich unterstütze die Einführung von Quoten, weil sie meine Stellung als Queer in dieser Gesellschaft nicht verschlechtern, aber „Frauen“ größere Gestaltungsmöglichkeiten eröffnet. Dies beinhaltet die Chance auf eine positive Veränderung für mich. Der Status Quo tut das nicht.

Festzustellen ist, dass es bei der Politik der Gleichstellung innerhalb der Piratenpartei, offensichtlich, ein politisches Problem gibt. Ich meine jetzt nicht jenes pseudo Problem, das als Geschwätz vom „Postgender“ sein der Piratenpartei daherkommt.

„Postgender“ ist nicht, wie oft in der Piratenpartei gedacht, die Verneinung der Differenz von „Mann“ und „Frau“, sondern die Überwindung derselben. [4]

…Schwule Mädchen – Sondereinheit “

Das Politische Problem will ich am Folgenden deutlich machen, was ich dem Antragsportal des LV Bayern entnommen habe. [5]

Plattitüde zur Quote 1:

…Wir stehen Frauenquoten grundsätzlich skeptisch gegenüber und halten sie für kein geeignetes Mittel, das Zusammenleben der Geschlechter in unserer Gesellschaft zu gestalten. “

Richtig ist, dass die Quote keine geeignetes Mittel ist, Zusammenleben der Geschlechter in unserer Gesellschaft zu gestalten. Das will sie auch gar nicht. Sie will einzig die Dominanz des einen Geschlechts über das andere beenden. Die Frage ist jedoch auch, ob die Herrschende Realität, in der „Frauen“ die Hälfte des Himmels (und der Erde) Vorenthalten wird, ein geeignetes Zusammenleben der Geschlechter zu gestalten? Der Beantwortung dieser Frage weichen die Quoten Gegner übrigens immer aus und erklären sie „für in dieser Frage nicht relevant.“

Die Quote hat im Übrigen nichts mit zusammenleben zu tun. Sie Organisiert Gesellschaftliche Teilhabe, nicht zusammenleben. Selbst wenn ich annehme, das Quoten Einfluss darauf haben, wie „Lebewesen miteinander existieren“, [6] warum ist die bestehende Art, der quotierten vorzuziehen?

Plattitüde zur Quote 2:

…In unserem Grundsatzprogramm bekennen wir uns zur Vielfalt der Lebensstile und zur freien Entscheidung jedes Menschen für den selbstgewählten Lebensentwurf und die von ihm gewünschte Form des Zusammenlebens.

Eine Gesellschaft, in der wesentliche Teile des gesellschaftlichen Lebens durch Quoten gelenkt werden, würde diese freie Entscheidung deutlich einschränken.“

Das Bekenntnis zum Grundsatzprogramm ist schön, hier aber schlicht bekloppt und deplatziert.

Quoten stören nämlich nur eine Form von Lebensstiel und eine Form Lebensentwurf aber absolut keine Form des Zusammenlebens.

Sie stören jenen Lebensstiel, der beinhaltet, dass „Frauen“ dem „Manne“ untertan sind, der darum die Herrschaft des „Mannes“ über die „Frau“ als Lebensentwurf beinhaltet. Die Quote beinhaltet übrigens keinerlei Normierung des Zusammenlebens. [6]

Prosaisch auch der letzte Satz, in dem behauptet wird, das Quoten irgendeine Form von freier „Entscheidung deutlich einschränken“.

Hier ist mir nicht klar, welche. Wenn Gleichberechtigung herrschte, wäre alles in dieser Gesellschaft, für das das eine wie das andere Geschlecht Interesse zeigte, sowieso, mahl mehr, mal weniger Quotiert. Auch ohne Formale Quote.

Wenn Gesellschaft und Kultur nicht strukturell an der sozialen Kategorie „Mann“ ausgerichtet wären, so gäbe es schon längst Wahlfreiheit. Wenn nicht die Stabilisierung der Gesellschaftlichen Privilegien der sozialen Kategorie „Mann“ betrieben würde, wäre eine Diskussion um Quote gar nicht nötig.

Ach ja: Quoten schränken niemanden ein. Nun kann es sein, das unter „Einschränkung“ verstanden wird, das die Bevorzugung von „Männern“ durch die Praxis, dass „Frauen“ bei gleicher Qualifikation einen Job nicht bekommen, abgeschafft wird eine „Einschränkung“ von „Männern“ sei.

…Schwule Mädchen – Kampfeinsatz “

Plattitüde zur Quote3:

…Anstatt gleiche Lebensentwürfe vorzugeben, wollen wir Chancengleichheit herstellen, die dem Individuum eine möglichst freie Entscheidung ermöglicht; nicht nur Chancengleichheit von Frauen im Vergleich zu Männern, sondern nachhaltige Chancengleichheit für alle Menschen und in Bezug auf alle Merkmale, aufgrund derer Diskriminierung stattfindet.“

Den Eindruck zu erwecken, dass durch die Quote „gleiche Lebensentwürfe“ vorgegeben werden ist in sich schon eine durch nichts auch nur zu belegende Schräge These. Belassen wir es bei dieser Feststellung.

Das weitere unterbietet diese Eingangsthese jedoch noch.

Klar wollen wir nicht „nur Chancengleichheit von „Frauen“ im Vergleich zu „Männern“, sondern nachhaltige Chancengleichheit für alle Menschen und in Bezug auf alle Merkmale, aufgrund derer Diskriminierung stattfindet.“

Was sagt das für oder wider die Quote aus? Nimmt die Quote einem Queer die Chance auf einen Job, wenn er gleich einem Hetero „Mann“ Qualifiziert ist? Ne, sicher nicht. Nimmt es einer PoC die Chance auf einen Job, wenn sie gleich dem Mitteleuropäischen Weißeuropäer Qualifiziert ist? Nein, sicher nicht, den sie erhöht ihre Chance noch. Mit der Chancengleichheit von Minderheiten gegenüber der Heteronormativen Mehrheit hat die Quote nichts zu tun. Sie tangiert sie nicht. Sie benachteiligt die schon benachteiligten „Männer“ nicht, und sie bevorzugt unter Umständen die heute benachteiligten „Frauen“ ein wenig. So wath?

Ein Mensch, der aufgrund Homophober Vorurteile heute keine Job bekommt, kann nicht dadurch diskriminiert werden, dass das, was er nicht kriege, eine andere aufgrund einer Quote bekommt.

Ich finde es im Übrigen immer wieder erheitern, wenn Menschen bei dem Versuch, Geschlechterverhältnisse zu zementieren ihr Herz für andere Minderheiten entdecken. Das ist Ähnlich glaubwürdig wie der Versuch eines Metzgers, Vegetarier als Kronzeugen gegen die Forderung von Veganern zu Nutzen.

Plattitüde zur Quote 4:

Unterschiedliche Präferenzen für bestimmte Ausbildungen, Studiengänge, Berufe und Positionen sind zu akzeptieren, soweit sie nicht auf unterschiedliche Chancen zurückzuführen sind. Bei der Vergabe von Stellen und Aufgaben sollen Menschen nach Persönlichkeit und Fähigkeiten ausgewählt werden, nicht auf Grund ihres Geschlechts.“

Und darum will man an einem System festhslten, das „Männer“ fördert, weil sie „Männer“ sind? Und wir sind gegen Quoten, weil „Frauen“ sich da nicht so verhalten? Merkwürdig, ich dachte, wir wären gegen das bilden von Seilschaften? Und warum werfen Menschen, die gegen Quoten sind dies Menschen vor, die von Quoten Profitieren? Nun, das Fördern von „Männern“ von „Männern“ sind gesellschaftlich akzeptierte Positionen. Wenn „Frauen“ daraus ausbrechen muss das ja böse sein. Ich bin nach dem lesen verwirrt, die Autoren aber müssen beim Schreiben unser Drogen Programm gelebt haben.

Ich freue mich, wenn beim Kampf gegen die Quote Licht in das Dunkel der abseitigen Argumente kommt. Wer schreibt: „Bei der Vergabe von Stellen und Aufgaben sollen Menschen nach Persönlichkeit und Fähigkeiten ausgewählt werden, nicht auf Grund ihres Geschlechts.“ hat genau verstanden, worum es bei der Quote geht. Um nichts, als die Vorherrschende Praxis, bei der „Männer“ bei Bewerbungen bevorzugt werden, zu beseitigen.

Um nicht mehr, aber auch nicht weniger. Und wer das für richtig hält, sollte dann auch nicht gegen die Quote sein.

Es wird immer davon geredet, dass „Quoten diskriminieren“. Die Behauptung Quoten diskriminieren ist so Absurd wie die, die postulierte Gleichstellung Diskriminiere. Quoten Realisieren nur, das „Frauen“ sowieso den Anspruch auf absolute Gleichheit mit „Männern“ haben. Die Realisierung von Gleichheit wiederum bedeutet, das „Frauen“, bei gleicher Qualifikation Anspruch auf 50% von jeden Job, jedem Amt und Mandat haben. Wer meint, das das Reduzieren der, wie selbstverständlich angenommenen „Männlichen“ Dominanz auf den „Männern“ sowieso nur zustehenden Teil von allem Diskriminierung ist, der hat keine Ahnung von Diskriminierung. Und das die Tatsache, das „Männer“ auf Macht und Einfluss verzichten müssen kann die Graben nicht vertiefen, den der hier behaupteten steigenden Unzufriedenheit der einen Gruppe steht eine steigende Zufriedenheit der anderen Gruppe gegenüber.

Die Argumente gegen Quoten, die man in Bayern als Teil des Antrags gleich mit beschließen lassen will, sind welche, die mich dazu bringen würden, für die Quote zu stimmen.

Nach dem durcharbeiten des Beitrags bin ich gewillt, meine Augen mit Salzsäure auszuwaschen und mein Hirn mit Stahlwolle auszukratzen. Ein wenig dümmer bin ich auch geworden.

Ich muss auch sagen: ich würde hier immer gegen den Antrag, diese in Bits und Bytes geronnene Zementierung „ Männlicher“  Vormachtstellung stimmen.
Zwischenüberschriften aus Fettes Brot- „Schwule Mädchen“ aus http://www.youtube.com/watch?v=da1CmJIDub

[1] Ich bin mir bewusst, dass ich im Folgenden sehr Essentialisierend [2] über Geschlechterverhältnisse schreibe und mich Ausschließlich im Rahmen des zwei geschlechtlichen Systeme bewege. Dennoch ist für mich der Abbau von Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern das Ziel verbunden, dass die Kategorien „Mann“ und „Frau“ Irgendwann bedeutungslos werden.

[2]http://de.wikipedia.org/wiki/Essentialismus

[3] siehe hirzu.http://antjeschrupp.com/2010/10/31/deutschland-im-quotenfieber/

[4] https://kpeterl.wordpress.com/2012/10/22/keine-frau-nirgends

[5] http://wiki.piratenpartei.de/BY:Landesparteitag_2012.2/Antragsfabrik/Entscheidungsfreiheit_statt_Frauenquoten

[6] Das Zusammenleben ist die Art und Weise, in der Lebewesen miteinander existieren, sofern sie in Beziehung zueinander stehen. http://de.wikipedia.org/wiki/Zusammenleben

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