Refugeecamp und Spontane Organisation

Seit Freitag, den 26. Oktober habe ich, das Gefühl, ich bin in einer anderen Piratenpartei als noch als noch am Donnerstag, den 25. Oktober.

Ich habe das Gefühl, ich bin in einer Partei, in der es sich mehr denn je lohnt, mitzumachen.

Versuchen wir mal nachzuvollziehen, was in den letzten Tagen abgegangen ist.

Waren es am 20. Oktober, dem Tag des Starts des ersten Refugeecamps in FFM, noch wenige Menschen in der Piratenpartei, die Flüchtlinge unterstützten, so wurden es mit jedem Tag mehr.

Es gab in der Piratenpartei immer mehr Menschen, die erkannt haben, das das, was die Protestierenden Flüchtlinge wollten, Kompatibel mit dem wollen der Piratenpartei ist.

Diese Menschen haben versucht, Öffentlichkeit zu erzeugen. Innerhalb der Piratenpartei ist ihnen das schritt für Schritt gelungen, aber sie Konten die Herzen und den Verstand der Masse der Mitglieder der Piratenpartei, geschweige den der Bürger der BRD, nicht gewinnen.

Der Punkt, an dem eine Änderung eintrat, war die Nacht vom 25. auf den 26. Oktober, als den Flüchtlingen trotz der niedrigen Temperaturen Schlafsäcke, Isomatten und selbst Rettungsdecken weggenommen wurden.

Hier war der Punkt, an dem immer mehr Mitglieder der Piratenpartei, egal ob in Berlin, in FFM oder sonst wo gesagt haben: genug.

Wir haben unsere Laptops, Smartphones, iPads usw. zur Hand genommen und das getan, was wir immer tun: Mails schreiben, Twittern usw. Wir Haben unsere mittel eingesetzt, um Etwas zu tun.

Getrieben von Hilflosigkeit ob des Unrechts und dem Wissen, das wir das unrecht bekämpfen können, haben wir gehandelt.

…Gehör ich hier denn noch dazu oder bin ich längst schon draußen?“

In Berlin haben Piratenpartei Abgeordnete in der Nacht vom 26. Auf den 27. Oktober angefangen, durch ihre Präsenz den Flüchtlingen ein minimales Maß an Schutz vor weiteren Schikanen zu bieten. Bundesweite wurden auf allen wegen Versucht, für die Flüchtlinge Öffentlichkeit zu schaffen.

Menschen in der Piratenpartei, egal woher, nutzten all unsere Technischen Möglichkeiten, um klar zu mache, das die Frierenden Flüchtlinge in den drei Refugeecamps nicht alleine sind. Es ist uns gelungen, mit unglaublicher Energie, Fleiß, Beharrungsvermögen bei gleichzeitigem Respekt vor den Flüchtlingen, die Tür zu öffnen und ein wenig Öffentlichkeit herzustellen.

Und hier ist wieder eine Besonderheit: keiner der Beteiligten hat ernsthaft daran gedacht, sich des Refugeecamps zu bemächtigen und es für Parteizwecke zu missbrauchen. Die Menschen, die vor Ort wirken haben gezeigt, Solidarität geht ohne Parteifahnen.

Der Respekt vor den Hungerstreikenden hat das Handeln der Menschen aus der Piratenpartei vor Ort als das Repräsentiert, was es ist: Authentisch.

…zeit nimmt sich den nächsten Flug. Hab versucht ihr nachzulaufen.“

Mal unabhängig von alle dem ist aber auch Innerparteilich etwas geschehen: Wir arbeiten intensiv zusammen, jeder tut in dem Schwarm das, was er tun kann. Die Menschen vor Ort, egal ob in Frankfurt oder in Berlin, kamen und kommen zu den Refugeecamps um heißes Wasser, Essen, Kleidung und anders abzuliefern. Sie halten Transparente, Tragen Taschen, informieren, streamen das geschehen ins Netz, auf das die Welt sieht, was passiert.

Andere nutzen ihre Popularität im Netz, um Hilfe zu Organisieren. Wieder andere versuchen, Anwaltliche und Medizinische Hilfe zu Organisieren. Und was das Tollste an alle dem ist: Über all das, was uns sonst trennt, wird mal nicht geredet. Es wird gehandelt, weil alle beteiligten, egal woher sie Kommen und was sie sonst für Positionen vertreten oder zueinander stehen, das Ziel, die Unterstützung der Refugeecamps, wichtig ist.

Das Authentischste war dann die heutige Aktion tits4humanrights, [1] mit der die 5 Beteiligten der Presse in der BRD eine Spiegel Vorgehalten haben und gleichzeitig das Ansinnen der Flüchtlinge in den Refugeecamps transportiert haben. Und die Aktionen und Aktivitäten gehen weiter. Kölner Piraten wollen jetzt dazu beitragen, das Frankfurter Refugeecamp in den Medien Focus zu schieben.

…Bin doch gestern erst geborn und seit kurzem kann ich geh’n.“

Warum ich so ausführlich über all dies schreibe? Nun, weil aus der gesamt Aktion meines Erachtens nach wertvolle Rückschlüsse für die Zukunft zu ziehen sind.

Das wichtigste für mich ist: wir können zusammen handeln, unsere Energie auf inhaltliches Fokussieren. Wir sind dazu in der Lage, Streit und Auseinandersetzung hinten anzustellen, wenn das Feuer der Leidenschaft für ein Thema entzündet wurde.

Wir schaffen es, als kleinste Demokratische Parlaments Partei in der BRD ein über unsere eigene Bedeutung hinausgehende Wirkung zu erzielen, wenn wir das wollen. Wir erlangen über unsere exzellente Nutzung von Technik zum Erzeugen von Gegenöffentlichkeit ein ungeheurere Wirkungsbreite.

Wir schaffen es, unabhängig von Formalen Strukturen, Zusammenarbeit zu Organisieren. Sicherlich nicht so diszipliniert wie die Bezahlten Klebekolonnen der im Bundestag vertretenen Parteien. Aber mit deutlich mehr Energie und Spaß.

Wir sind dazu in der Lage, Leidenschaftlich für die Rechte andere einzutreten und uns und unseren Ego zurückzunehmen. Wir wollen Inhalte Unterstützen, wenn sie wichtig sind, ohne uns in den Vordergrund zu stellen.

…Hab mein Gleichgewicht verlor’n, doch kann trotzdem grade stehn.“

Das alles zeigt, dass wir können wenn wir wollen.

Wir können die Wahl Rocken, wenn es uns gelingt, die Inhalte des Wahlprogramms mit so viel Feuer wie die Sache der Flüchtlinge bei den drei Refugeecamps zu Unterstützen.

Wenn es uns gelingt, uns auf ein gemeinsames Wahlprogramm zu einigen, indem sich sowohl die Gruppe A als auch die Gruppe B wiederfindet, werden wir dieser Republik zeigen was es heißt, die Piratenpartei zu unterschätzen.

Wenn es uns gelingt, diesen Armseligen, nicht an Inhalten, sondern an Persönlichen aufgehängten Kleinkrieg um den BuVo zu beenden, werden wir dazu in der Lage sein, mit einem Feuerwerk an Kreativität und Elan in den Bundestag einzuziehen.

Ich würde es gerne sehen.

Zwischenüberschriften aus Rosenstolz-„Ich bin ich (Wir sind wir)“ http://www.myvideo.de/watch/6349983/Rosenstolz_Ich_bin_ich_Wir_sind_wir_Live_in_Muenchen_Olympiahalle_05_12_08

[1] http://tits4humanrights.wordpress.com/

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