Jeden Tag einen schlechter Antrag, Tag 6: PA633 – Beschneidung, Piercing, Tattoos…

Wie am 05. November angekündigt, werde ich bis zum 23. November Jeden Tag einen schlechten Antrag besprechen. Heute ist es

PA633 – Beschneidung, Piercing, Tattoos, Kinder- und Jugendschutz

Worum geht es?

Diesmal keine Zusammenfassung, der Antrag ist so kurz und schlicht, da erübrigt sich jede Zusammenfassung. Hier der Text: „Medizinisch nicht indizierte Eingriffe in die körperliche Unversehrtheit von Minderjährigen wie Beschneidung, Stechen von Tattoos, Anbringen von Piercings oder Ohrlochstechen stellen Verstöße gegen die Menschenrechte, die UN-Kinderrechtskonvention und gegen Art.1 und Art.2 des Grundgesetzes dar. Das Erziehungsrecht der Eltern kann unter keinen Umständen medizinisch nicht indizierte Eingriffe in die körperliche Unversehrtheit von Minderjährigen rechtfertigen. Aus diesen Gründen setzt sich die Piratenpartei für ein Verbot aller medizinisch nicht indizierten Eingriffe in die körperliche Unversehrtheit von Minderjährigen ein.“ [1]

Was spricht dafür:

Auch hochprozentiges bringt mich nicht dazu, einen Antrag, der Ohrlöcher und Tattoos als verstoß gegen das GG sieht, etwas abzugewinnen.

Was spricht dagegen:

Wer bei klarem Verstand und wachem Geist kommt im zustand der Nüchternheit auf die Idee, Beschneidung auf eine Ebene mit Ohrlöchern und Tattoos zu stellen?

Beschneidung wird sonst nur von ihren Befürwortern in einem Atemzug wie das „Stechen von Tattoos, Anbringen von Piercings oder Ohrloch stechen“ genant und so verharmlost. Der Antrag fällt nun ins andere Extrem und stellt das Loch im Ohr auf die gleiche ebene wie die entfernte Vorhaut.

Regelungswahn und eine Politik der Bevormundung von nicht volljährigen [2], einhergehend mit einer Beschneidung ihrer Rechte? Durch „Die Grünen“? Passt, sitzt und macht Sinn.

Die Piratenpartei aber, die dem 8 jährigen das Ohrloch, dem 13 Jährigen den Stift durch die Augenbrauehe und dem 16 Jährigen den Tätowierten Stern an der Wade verbietet sollte doch bitte gleich die Selbstauflösung beschließen.

Auch die in der Begründung aufgestellte Behauptung, das die Ablehnung der Beschneidung eine Ablehnung anderer Veränderungen des Körpers zwingend macht, trifft nicht. Ein freiwillig gewolltes Ohrloch eines 8 jährigen stellt eine andere Intensität des Eingriffs in die Körperliche Unversehrtheit dar als eine Beschneidung. Gleiches gilt für das Piercing oder das Tattoo.

Hinzu kommt: hier wird die Wahl- und Entscheidungsfreiheit des Jugendlichen /Heranwachsenden tangiert. Und der Antrag ist der, der ihm sagt: diese Recht aus der Kinderrechtskonvention [3] sind mir egal, ich wähle selektiv die rechte aus, die ich für dich ins Feld führe. Total absurd ist im übrigen, das der Antrag den Bruch der Kinderrechtskonvention in diesem Punkt mit der Forderung nach Einhaltung der Kinderrechtskonvention begründet.

Und wäre es nicht alles zuvor aufgeführte, was den Antrag widerspricht, so ist das unterlassen des Erwähnens des Fakts der Genitalverstümmelung im Zusammenhang des Antrags das, was mich ihn ablehnen ließe.

Wir verbieten Tattoos, haben aber kein Wort für die ekeligen Rituale der Genitalverstümmelung übrig? Wir untersagen Ohrlöchern, aber erwähnen Klitoris Entfernungen nicht mit einer Silbe? Was ist das für eine Welt, in der der der Antragssteller lebt?

Fazit:

Der Antrag sollte dafür sorgen, nein, nein und nochmals nein zu Rufen, auf dem Absatz umzukehren und schreiend wegzurennen.

 

Tägliche Nachbemerkung zur Aktion #JedenTagEinAntrag , Tag 5:

Ich empfehle für die Arbeit mit den Anträgen den Antragsviewer .

 @schwarzblond hat sich an Tag 5 dem Antrag PA 240 – Pille danach gewidmet.

@_noujoum hat heute SÄA017 Informationsfreiheit in die Satzungbesprochen, außerdem hat sie sich den Antrag PA454 Absenkung des aktiven Wahlalters auf 16

vorgenommen. Zwei Anträge an einem Tag!

@KollegeJansen hat heute P013 Piratenpartei gegen Sexismus besprochen.

@Mtaege hat schon am 07. November den Antrag PA075 – Gemeinsames Sorgerecht – keine Diskriminierung von nichtehelichen Kindern besprochen.Ich hatte ihn übersehen, und hole das versäumte hiermit nach.

@elzoido hat PA413 – Abschaffung von Sanktionen besprochen.

Der @nplhse hat sich mit PA-640 – Homöopathie aus Leistungskatalog streichen beschäftigt.

@el_kartono macht seit heute mit. Er hat auf http://kartonfabrik.org/ gleich drei Anträge besprochen. #ilike

Dann gibt es noch @NukeSqrrrl der heute den Antrag PA260 – Forschung und Wissenschaft fördern mit Milliarden wie heute die Banken besprochen hat. Ich bin bei dieser Besprechung verwirrt. Sie bespricht 38 Worte auf 13 Seiten!

@nutellaberliner und @DanielaKayB haben heute Ruhetag gehabt.

Nochmals erwähnen möchte ich, das @DanielaKayB mit #JedenTagEinAntrag Inhaltsverzeichnis eine Übersicht veröffentlicht hat

@schwarzblond hat wie erwähnt, eine eine Tabelle der Beiträge erstellt.

Von mir bisher besprochen:

Jeden Tag einen schlechter Antrag, Tag 1:

PA009-Leugnung von Völkermord nicht unter Strafe stellen und PA021-Streichung der Absätze 3 und 4 des §130 STGB (Straftaten unter dem Nazi-Regime)…

Jeden Tag einen schlechter Antrag, Tag 2:

PA075 – Gemeinsames Sorgerecht

Jeden Tag einen schlechter Antrag, Tag 3:

PA174 – NEU-Bewertung der Blutspende-Ausschlusskriterien durch Bundesärztekammer

Jeden Tag einen schlechter Antrag, Tag 4:

P020 – Piratenpartei gegen Linksextremismus

Jeden Tag einen schlechter Antrag, Tag 5:

P001 – Gemeinnütziges Geldsystem und gerechte Tauschmittel

Quellen:

[1] PA633 – Beschneidung, Piercing, Tattoos, Kinder- und Jugendschutz

[2] In Deutschland, Österreich und der Schweiz gilt eine Person unter 18 Jahren, also bis zum Eintritt der Volljährigkeit, als minderjährig.

[3] Kinderrechtskonvention

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2 Kommentare - “Jeden Tag einen schlechter Antrag, Tag 6: PA633 – Beschneidung, Piercing, Tattoos…”

  1. alyama Says:

    Ausnahmsweise bin ich ganz anderer Meinung 😉

    Kinder sollten nämlich auch nicht einfach so Ohrlöcher, Tattoos und andere Piercings kriegen. Meinetwegen können wir da eine Altersgrenze von x Jahren ziehen (12?), aber für Kinder? No way! Es ist und bleibt Körperverletzung, wenn auch auf einem anderen Level als Beschneidung (zumindest bei Piercings).

    Oder findest du Zungenpiercings bei Kleinkindern ok? Ich nicht…warum dann Ohrringe? 😉 Nur weils gesellschaftlich akzeptierter ist? ^^

    • kpeterl Says:

      Wäre einzig von Kindern im Antrag die Rede: ok.
      Der Antrag will aber allen Minderjährigen den Zugang zu Ohrlöcher, andere Piercings und Tattoos verwehren.
      Und hier ist der Dissens.
      Ich finde weder Zungenpiercings noch Ohrringe bei Kleinkindern ok.
      Die frage ist: wo beginnt die Bevormundung und die Einschränkung der Kinder?
      Eine Altersgrenze wäre etwas, was ich für Überlegens-wert halten würde.


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