#Bongs #BPT122 von Nationale und kulturellen Identitäten

Ich bin nicht der erste, der zum Thema „wie die Piratenpartei die nationale Identität entdeckte“ schreibt.[1] und hoffentlich auch nicht der letzte.

Am Samstag, den 24. November beschloss die Piratenpartei „Raum zu schaffen für Menschen jeglicher Herkunft mit dem Ziel, ihre …nationalen Identitäten zu bewahren und zu pflegen.“[2]

Ihr sagt: The höher they come,

the blöder they fall

Der begriff der „Nationale Identität“ gehört zum festen Repertoire aller Menschen, die sich Rechts der CDU Positionieren.

Er wird sowohl vom „Institut für Staatspolitik“ [3] genutzt [4] als auch von der NPD [5].

Die Menschen, die das Grundsatzprogramm Inklusion geschrieben haben, haben in ihrem Denken eindeutig nichts mit den „Denken“ der zuvor zitierten gemein!

Die Menschen, die das Grundsatzprogramm Inklusion geschrieben haben wollten eine Wortkette nutzen, die im Öffentlichen Diskurs immer häufiger Synonym mit der von der „Kulturellen Identität“ genutzt wird. So ist in Sachsen immer häufiger von der „Nationalen Identität“ der Sorben die Rede, wenn man Kultur meint. Ähnliches gilt für für das Sprechen, auch von Progressiven Menschen, über andere kulturelle Minderheiten in der BRD.

Durch das konstruieren „nationaler Identitäten“ wird versucht, Menschen, die nichts miteinander gemeinsam haben, zwangsweise zu Kollektiven zu vereinigen. Das einzige, sie Formal vereinigende Element ist die Abstammung aus einem anderen Staat. Natürlich ist diese als solches schon völlig absurd. Was soll ein deutscherer, dessen Eltern die Türkische Staatsangehörigkeit besitzen, die aber ebenso wie er, in der BRD geboren wurden, mit einem Inhaber der Türkische Staatsangehörigkeit, der in Van lebt, gemeinsam haben?

Natürlich nichts, außer einer konstruierten „Nationale Identität“!

Letztendlich verdenkt das Reden von der „nationale Identität“ das „Produkt“, um den es wirklich geht. Es verdenkt schlicht den Inhalt, schnöden Nationalismus. Der Nationalismus gehörte zur ideologischen Grundausstattung Staatswertung weltweit und war nötig, Franzosen von Deutschen, Russen von Chinesen usw. abzugrenzen.

Alle in einem Staate lebenden Menschen wurden, in einem Langwierigen Prozess, zu einem Kollektiv, dem Staatsvolk vereinigt. Diesem Staatsvolk wurden bestimmte Eigenschaften angedichtet (im wahrsten sinne des Wortes [6]) durch die es sich von anderen Nationen, auch den im eigenen Lande lebenden, Abgrenzte.

Die „Nationale Identität“ umfasst Konstituierende Elemente wie die Ideologie von der gemeinsamen Sprache, Kultur und Geschichte. Ein paar Gemeinsamkeiten zum Beleg dieser Ideologie finden sich auch immer.

Die blöde Phrase von der „nationaler Identität“ dockt an der Sehnsucht der Menschen nach Geborgenheit in einer bedrohlichen Welt aus.

Das aber hat mit den Grundlagen der Piratenpartei wenig zu tun.

So verdammt emporgekommen

und immer noch standing tall

Anders verhält es sich mit dem begriff von der „Kulturellen Identität“. Hie werden zwei Begriffe miteinander verwoben, die die in ihrer Kombination sowohl positiv als auch Negativ besetzt sein können.

Zuerst zur Negativen Besetzung des Begriffs.

Es gibt Menschen, die reden von Kulturellen Eigenarten der Völker. Sie halten ein kollektiv, ein Volk in einem Staat für die träger der Kultur eines Staates. Dieses Volk definieren sie in Abgrenzung zu den Bürgern eines Staates. Das „Staatsvolk“ ist in diesem Denken also immer in einer Minderheit gegenüber den Staatsbürgern und gegenüber den Einwohnern eines Staates. Gleichzeitig ist das Staatsvolk Träger von Kulturellen Eigenschaften, die nicht angehörigen des Staatsvolkes nicht zugänglich sind.

Ihnen geht es nicht um Kultur, sondern schlicht um kulturellen Rassismus. Es geht ihnen darum, sich selbst in Abgrenzung zu anderen zu definieren, durch etwas, das angeblich in einem selbst ist. Wenn aber etwas, das ab der von Geburt in mir ist, den Unterschied zum anderen darstellt, dann muss ich es geerbt haben. Was ich aber geerbt habe, kann aber keine Kultur sein. Denn Kultur ist etwas, das Menschen selbst, als Kollektiv und auch Individuum gestalten.[8]

Dieser Begriff der „Kulturellen Identität“ ist mit den werten der Piratenpartei Inkompatibel.

Dem müssen wir unseren begriff der „Kulturellen Identität“ gegenüberstellen. Kultur und die Identitäten von Menschen baut für die Piratenpartei auf der Individualität von Individuen in selbstgewählten Gruppen auf.

Nach unseren Werten kann kulturelle Identität nicht verordnet werden. Es ist auch kein fertiges Ganzes, das man anerzogen bekommt oder durch Nachahmung übernimmt. In unserem Kontext heißt das, dass die Identität vom Individuum selbst aktiv und reflektiert konstruiert wird. Dies geschieht als Reaktion auf die Erfahrungen im alltäglichen Leben, auf Situationen im Umgang mit anderen Individuen. „Kulturelle Identität“ ist für die Piratenpartei ein „System aus Remix/Mashups“[10].

Ihr sagt „Was so abgeht

must doch bitte come down“

Die moderne Bildung von Kultur und die Entwicklung einer subjektiven Identität umfasst für die Piratenpartei immer die Akzeptanz von Subkulturen als konstituierender Bestandteil der Gesellschaftlichen Kultur allgemein.

Damit stellt unser Bild der „Kulturellen Identität“ das Gegenstück zu jeder Zuweisung von Kulturellen Eigenschaften aufgrund der Abstammung dar.

Damit ist die Piratenpartei, solange sie den Menschen unabhängig vom Kollektiv, aus dem er stammt, egal ob es deutsch,, Türkisch arabisch usw..genannt wird, in den Mittelpunkt des Denkens und Handelns stellt, der Natürliche feind allen Völkischen.

Eine kurze Randbemerkung zum Umgang des #bPT122 mit dem Beschluss des Grundsatzprogramm Inklusion incl. Bezug auf die „Nationale Identität“.

Ich fand die Reaktion derjenigen, die dem Antrag zugestimmt haben, zum Größenteil unglaublich selbstkritisch und Reflektiert.

Nach der Intervention von Anatol @astefanowitsch Stefanowitsch, der die größe aufbrachte, klar zu machen, das er intellektuell „Nationale“ mit „Kultureller“Identität verwechselt hat trat ein umdenken bei den Beteiligte ein. Nicht unbedingt vollständig, aber so reflektiert, das klar war, das sie aus Überzeugung handeln.

Andre @Brainvibes Martens zum Beispiel twitterte nach dem Statement von Oliver @Riotbuddha Höfinghoff noch „Könnten diejenigen, die jetzt was aus den „nationalen Identitäten“ interpretieren, sich mal die Intention des Inklusionsantrags ansehen?“

Eine stunde und gefühlte 10000 Tweets später Twitterte er „Aus Formulierungsgründen stimme ich jetzt gegen PA048 und werde für PA048 in neu formuliert stimmen.“

Zu Fehlern zu stehen und verhindern, das die Piratenpartei mit Begriffen, die uns, losgelöst von allen Inhalten, verbal nach Rechts öffnen bedeutet, eine Haltung zu haben.

Ich sag den Untergang ab

ohne runter zu schauen

Andere können da noch in die Ausbildung gehen. Wer auch zwei stunden nach ende der Abstimmung und der Rücküberweisung des Antrags zur Redaktionelle Bearbeitung Twitterte ein andrer, Potentieller MdB, noch immer „Gibt es eigentlich Medikamente gegen die Krankheit, die einen überall Nazis sehen lässt? #piraten #bpt122“

Niemand sieht überall Nazis, das Problem ist, das viele Mitglieder der Piratenpartei nicht bereit sind, rechte Inhalte als solche zu erkennen. Unser zukünftiger MdB gehört ganz eindeutig dazu.

Zwischenüberschriften aus Wir Sind Helden – „Gekommen um zu bleiben

[1] Wie der Antrag zur Inklusion zwei mal abgestimmt werden musste und was “nationale Identitäten” damit zu tun haben.

[2] Grundsatzprogramm Inklusion

[3] Institut für Staatspolitik

[4] „„Nationale Identität“ hat auch zu tun mit dem Selbstwertgefühl des Einzelnen und seiner Gruppe, mit Heimatverbundenheit und dem Ausgleich von Globalisierungsfolgen in der Psyche des modernen Menschen.

[5] „Nationale Identität bedeutet: Deutschland muß das Land der Deutschen bleiben und muß es dort, wo dies nicht mehr der Fall ist, wieder werden.“ 

[6] Friedrich Hölderlin Gedichte über die Deutschen

[7]  Varietäten

[8] Die „Identitären”, die neuste Erscheinung des Rassismus

[9] Identität, Ideologie, Repräsentation

[10] @incredibul in einen Tweet

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9 Kommentare - “#Bongs #BPT122 von Nationale und kulturellen Identitäten”

  1. Etienne Says:

    Mein Artikel zum Verlauf der Abstimmung über den Programmantrag und das am folgenden Tag abgestimmte Positionspapier: http://etienne.metasurfer.de/?p=329/trackback

  2. sirsimbel Says:

    Vielleicht denken wir auch einfach zu kompliziert… Frag mal die Antragsteller, ob sie „Deine“ Definition im Sinn hatten. Bin schwer dafür, jedem Antrag demnächst ein Glossar beizufügen, damit wir in dieses Worthülsen-Gegeifer endlich mehr Ruhe hineinbekommen.

    • kpeterl Says:

      Die Rhetorische Frage „ Frag mal die Antragsteller, ob sie “Deine” Definition im Sinn hatten.“ zeigt: entweder nichts gelesen, oder nichts verstanden.
      Ich schreibe „Die Menschen, die das Grundsatzprogramm Inklusion geschrieben haben, haben in ihrem Denken eindeutig nichts mit den „Denken“ der zuvor zitierten gemein!“
      Ergo weiß ich, das es sich bei der Nutzung des Begriffs „Nationale Identität“ um einen Sprachlichen Unfall handelte.
      Es existiert keine keine Bestimmung des Begriffs „Nationale Identität“, die nicht von Menschen, die nichts mit der Piratenpartei gemein haben, geprägt wird.
      Und nein, wir brauchen kein Glossar, wir brauchen Verantwortung für den Umgang mit Sprache. Sprache ist mehr als 0 und 1.

      • sirsimbel Says:

        Ohne zu sehr ins Detail zu gehen: Nimm das Wort „Nation“, nimm das Wort „Identität“ – jedes für sich neutral. Nicht bei jedem löst die Kombination eine chemische Kettenreaktion aus, wie bei Dir. Mag sein, dass rechte Gruppierungen in Deutschland diesen Begrifflichkeit benutzen. Aber schau mal in andere Länder. Dort gibt es auch eine „nationale Identität“ ohne historischen Hintergrund. Warum dürfen demokratische Parteien in Deutschland diese Begrifflichkeit nicht genauso verwenden? Stattdessen soll man sich einer künstlichen Neuschöpfung bedienen?

        Ja, Sprache ist mehr als 0 und 1!
        Sprache lebt und entwickelt sich. Wenn durch ein Glossar klargemacht wird, was man mit dieser Worthülse meint, können Irritationen vermieden werden. Denk mal drüber nach.

      • kpeterl Says:

        Nation bezeichnet größere Gruppen oder Kollektive von Menschen, denen gemeinsame kulturelle Merkmale wie Sprache, Tradition, Sitten, Gebräuche oder Abstammung zugeschrieben werden. Diese sprachlichen und kulturellen Eigenschaften und Merkmale werden dann als der nationale Charakter eines Volkes oder einer Volksgemeinschaft ausgemacht.
        Ist ja nunglaublich Neutral.

      • yoonar Says:

        Leider ist “nationale Identität” auch keine Worthülse, eine leere Phrase ist per se erst einmal ungefährlich, Wörter die zur Schürung von Ängsten, Ausgrenzung und Hass dienen sind alles andere als leer, sie werden gezielt eingesetzt.
        Einen Glossar ist mehr als absurd, denn sollten Wörter wirklich gedankenlos gebraucht werden ist eine Parteiinterne Umdefinition gefährlich, legetimiert dieses doch auch die alten, menschenfeindlichen Definitionen, so wie deren gebrauch.
        Mann sieht doch auch an diesem Beispiel (PA048 ) so schön, dass die meisten Piraten bereit sind dazu zu lernen! Da Worthülsen sinnentleerte Wörter bezeichnet, währe ein Glossar für diese bizarr. Beim Antrag schreiben die Suchmaschine und das Hirn anschmeissen würde viel einfacher sein.

        Und schauen wir doch auch einmal auf Wörter, wie ‚Killerspiele‘ oder ‚Raubkopieren‘, hier wollen wir auch den Sprachgebrauch hinterfragen und ändern. Wir positionieren uns auch ganz eindeutig gegen menschenfeindliche und fremdenhassfördernde Strömungen innerhalb unserer Gesellschaft, somit sollten wir ganz selbstverständlich hier auch Wörter hinterfragen.

  3. zustimmung Says:

    Es gibt schon sowas wie regionale Identitäten („Wir in Bayern mögen die Blasmusi, wir im Norden lieben Labskaus und Matrosenmützen“), allerdings scheinen mir die eher bei Älteren ausgeprägter zu sein. Bei den Jüngeren höchstens: „Wir in Berlin machen Projekte und haben Hornbrillen und sind voll Underground“, und sowas. Aber „wir in Deutschland“? Das stinkt irgendwie nach Leitkultur. Was bildet denn die deutsche Identität, vom Grundgesetz mal abgesehen: „Wir haben x Millionen Menschen ermordet aber wollen davon nichts mehr hören“? Ach nee, DAS waren ja nicht wir, damit haben wir ja nichts zu tun. „Wir“ stehen dann wohl eher auf Bierwerbung: „Deutschland ist schön, seine Landschaften weltberühmt“, wir haben die besten Kompnisten und Schriftsteller (auch wenn die sich empört gegen „unsere“ Vereinnahmung wehrten und „wir“ noch nie was von denen gelesen haben) und gleich kommt das Musikantenstadl!

    Nee Leute, ich hab mit Geistesverwandten in London, Paris oder Warschau (oder N.Y., Melbourne, Tokio, Kairo) mehr zu tun und gemeinsam als mit Eva Hermann, der Steinbachtante oder dem Sarrazin. Und die Piraten sind eindeutig eine internationale Bewegung gegen internationale Probleme. Da wollte halt jemand nach rechts blinken im Programm, und zum Glück wurde es noch rechtzeitig bemerkt. Ausgerechnet im Punkt „Inklusion“: Nationalstaaten dienen immer schon dem Gegenteil, der Exklusion. Der „Ausländer“, der „Fremde“, der sich nicht deutsch genug verhält, soll nicht dazugehören, soll angeblich ganz anders sein als „wir“. Mit diesem plumpen Schwindel wurden zuviele Kriege gerechtfertigt, als dass das die Piraten heute bräuchten.


  4. […]  Ich bin nicht der erste, der zum Thema „wie die Piratenpartei die nationale Identität entdeckte“ schreibt.[1] und hoffentlich auch nicht der letzte. Am Samstag, den 24.  […]


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