Es gibt keine Opfer Erster und Zweiter Klasse

Der Vorstand des KV Köln hat heute eine Stellungnahme zu Äußerungen zu Gaza und Konzentrationslagern von Mitgliedern der Piratenpartei im KV Köln veröffentlicht. [1] Das war ein Mutiger schritt des Vorstands. Wichtig und entscheidend für die Auseinandersetzung der letzten 10 Tage sind folgende Sätze „Der Vergleich des Gaza-Streifens mit einem Konzentrationslager ist falsch, unklug und bedient mindestens indirekt Antisemitismus.

Der Begriff „Konzentrationslager“ ist im deutschen Sprachraum eindeutig konnotiert mit den KZ und Vernichtungslagern der nationalsozialistischen Zeit. Erklärungsversuche, Konzentrationslager und KZ als unterschiedliche Begriffe zu definieren, sind spitzfindig und entsprechen nicht dem allgemeinen Verständnis.“.[1]

Kaum wurden diese Erklärung in ihrer unmissverständlichen Klarheit veröffentlicht, begann ein Trommelfeuer der „Kritik“ am KV-Vorstand.

Bei dieser „Kritik“ am KV-Vorstand werden zwei Diskussionsstränge eröffnet, die einzig das Ziel haben, die Benutzung des Begriffs Konzentrationslager im Zugsamenhang mit dem Gaza Streifen zu Rechtfertigen.

Der Vergleich des Gaza-Streifens mit einem Konzentrationslager ist falsch, unklug und bedient mindestens indirekt Antisemitismus

Der eine Diskussionsstrang hängt sich an dem Halbsatz auf, in dem Erklärt wird, das in der BRD Konzentrationslager mit den „KZ und Vernichtungslagern der nationalsozialistischen Zeit“ konnotiert werde.

Hier wird angeführt, das nicht alle Konzentrationslager Vernichtungslager waren und auch dort Menschen gestorben sind. Mal unabhängig davon, das jeder, der lesen kann, die Trennung in „KZ und Vernichtungslagern“ erkennen sollte, geht es dabei ja nicht um die Unterschiede der einzelnen Nazi Lager.

Diese Wortklauberei ist nur noch beschämend und ekelerregende, weil es den Wortklaubern gar nicht um irgendwelche Opfer der Nazis geht.

Keinen Mensch auf der Erde interessiert es, ob das Lager, in dem die Nazis einen Menschen gefoltert und getötet haben, die Bezeichnung „Durchgangslager“, „Arbeitslager“, „Frauenlager“ haben. Entscheidend ist: dort wurde jeder, der dort eingepfercht war, ausgebeutet, seines Menschseins Entkleidet, gefoltert und oftmals getötet. Die Opfer der Nazis sind denen, die Wortklauberei mit den Bezeichnungen der einzelnen Lagertypen im Nationalsozialismus betreiben, das schwarze unter dem Fingernagel nicht wert. Ihre Leiden interessieren sie nicht die Bohne. Ihnen geht es darum, das Wort „Konzentrationslager“, irgendwie aus dem Kontextuellen Umfeld des Nationalsozialismus Herauslösen zu können.

Um es mal deutlich zu sagen: jeder Mensch, der in einem der Lager der Nazis gefangen war und dort gelitten hast, wäre gerne in Gaza Gewesen. Sogar Schwule, Lesben, Juden hätten die gefahren für Leib und Leben, die ihnen in Gaza durch die Hamas Mörder dort drohen, gegen den Terror der Nazis Lager eingetauscht.

Egal, wie die das Lager der Nazis, in dem sie Vegetierten, bezeichnet worden ist.

Der andere Diskussionsstrang bezieht sich auf die Menschenrechte und die durch die Erklärung des Vorstands des KV Köln betriebene Aufteilung in Opfer Erster und Zweiter Klasse.

Das Betonen der Singularität der Shoa

Hierbei wird so getan, als würde das Betonen der Singularität der Shoa eine Solche Einteilung betrieben.

Wenn der Vorstand des KV Köln erklärt, das „Durch den Vergleich des Gaza-Streifens mit Vernichtungslagern des dritten Reiches wird der Holocaust relativiert und die Gefühle der Opfer und ihrer Nachkommen verletzt.“ hat er er Recht.

Unbedingt richtig scheint mir, klar zu machen, das wir uns nicht dazu verleiten lassen sollten, tatsächliche Völkermorde zu bagatellisieren, weil sie, gemessen an der Shoah, „nicht Singuläre Fälle“ sind.

Der entscheidende Unterschied aber ist, das die Shoa kein Ausbruch einer bestialischen und primitiven Gewalt, sondern eine dank eines geplanten industriellen Systems eine „ohne Hass“ vorgenommene Massentötung war.[2] Der Weg, der in die Shoa führte, war ein Produkt des Antisemitismus, des irrationalen Hasses, vor allem aber war er „mit Gleichgültigkeit gepflastert“, wie Adorno schrieb.

Die beste Art und Weise, die Erinnerung an die Shoah im Gedächtnis zu bewahren, besteht nicht darin, andere Völkermorde zu leugnen. Sie besteht auch nicht darin, die Shoah religiös zu verklären. Sie besteht darin, Völkermorde als das, was sie sind zu bezeichnen und ihrer eventuellen Vorbereitung entschieden entgegenzutreten.

Aber erstens findet in Gaza viel, aber kein Völkermord, statt. Jeder der dies behautet oder durch die Phrase das „Gaza ein Konzentrationslager“ ist andeutet, Lügt.

Das betonen der Singularität der Shoa hat jedoch nichts damit zu tun, das diejenigen, die sie betonen, die Augen vor der Verletzung von Menschenrechten verschließen.

Ich, zum Beisiel, Verurteile die durch die Regierung des Staates Israel angeordnete Blockade Gazas. Gleichzeitig verstehe aber, das es dieser Regierung schwer fällt, zuzulassen, das Hamas Mörder, die alles beseitigen, was nicht so ist wie sie, nach Israel gelangen.

Ich habe Probleme damit, das die Regierung des Staates Israel bei der Ausschaltung von Raketen Stellungen der Hamas Terroristen den Tod von Zivilisten in Kauf nimmt nehmen muss. Denn damit begibt sie sich auf eine Stufe mit den Verbrechern der Hamas, die ihre Raketenstellungen in Wohngebäuden unterbringen. Ich habe Probleme mit dem Siedlungsbau, der durch die Regierung des Staates Israel gefördert wird, weil er Menschenrechte der palästinensischen Landbesitzer verletzt.

Schweigen zu Morden an Schwulen und Lesben durch die Hamas Mörderbanden in Gaza

Ich habe aber auch ein anders Problem: das ich von den „Gaza ist ein Konzentrationslager“ Schwätzern dieser Welt nichts zu Morden an Schwulen und Lesben durch die Hamas Mörderbanden in Gaza höre.

Wo bleibt den der Protest gegen das Hinschlachten angeblicher Kollaborateure ohne Prozess durch jene, die sich über die Aufteilung Menschen in Opfer erster und Zweiter Klasse auslassen? Wo sind die Proteste über die Missachtung von Frauenrechten durch das Hamas Pack durch jene, denen die Achtung der Menschenrechte durch die Regierung des Staates Israel so wichtig ist?

Wo haben sich diejenigen, die immer groß das Wort vom „Konzentrationslager Gaza“ im Munde führen je dazu geäußert?

Nirgends, den dann müssten sie die Mörder angreifen, denen sie mit der unsäglichen Gleichsetzung „Konzentrationslager Gaza“ propagandistisch helfen wollen.

Wer davon schwadroniert, das der Vorstand des KV Köln die Menschenrechte in diesem Fall außer acht lässt, muss sollte zur Kenntnis nehmen, das es in der ganzen Frage auf Seiten der Freunden von Gaza nie um Menschenrechte ging.

Ansonsten: Die Erklärung des Vorstandes des KV Köln ist neben der der Queeraten [3] das klügste, was ich seit langer zeit zum Thema gelesen habe.

[1] Stellungnahme und Distanzierung des Vorstandes des KV Köln

[2] Enzo Traverso, Nach Auschwitz. Köln 2000

[3] Mail der Queeraten an die Mitglieder des KV Köln der Piratenpartei

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3 Kommentare - “Es gibt keine Opfer Erster und Zweiter Klasse”

  1. kimberra Says:

    Danke für den Artikel, der vielleicht der Piratenpartei gut tun würde. Mit der ich mich aber zu wenig auskenne, um das beurteilen zu können.

    Aber hier: „Ich habe Probleme damit, das die Regierung des Staates Israel bei der Ausschaltung von Raketen Stellungen der Hamas Terroristen den Tod von Zivilisten in Kauf nimmt. Denn damit begibt sie sich auf eine Stufe mit den Verbrechern der Hamas, die ihre Raketenstellungen in Wohngebäuden unterbringen.“ würde ich doch widersprechen, denn was soll die israelische Armee denn machen? Die Raketen weiter auf Israel fallen lassen? Ich bin kein Freund der Israels-Kriege-sind-immer-gute-Kriege-Position, aber gegen die Hamas ist ein Krieg von Armee gegen Armee nun einmal ausgeschlossen. Was ja nicht bedeutet, dass Israel sich gegen die Angriffe der Hamas nicht wehren dürfe. Das bedeutet wiederum nicht, dass der Tod der Zivilisten in Gaza nicht traurig wäre. Aber hier ist doch letzlich die Ursache in der Herrschaft der Hamas zu suchen, finde ich.

    • kpeterl Says:

      Hallo,
      danke für deinen Kommentar.
      Ich gebe dir Recht. Das an den Zivilen Toten um die Raketenstellungen herum letztendlich die Verbrecher der Hamas, die ihre Raketenstellungen in Wohngebäuden unterbringen, schuld sind ja mit eingebaut.
      Aber du hast recht, ich werde mir für diesen Satz eine Andere Formulierung ausdenken.

      • Lusru Says:

        […Die an dieser Stelle enthaltenen Beschimpfungen des Kommentators habe ich entfernt….]

        Das sehen wir so mit Sicherheit zur Bundestagswahl, eventuell schon viel früher.

        […Die an dieser Stelle enthaltenen Beschimpfungen des Kommentators habe ich entfernt….]


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