Radikale Piraten, Teil 1, eine Replik

Ich bekam heute den Text „Radikale Piraten, Teil 1“ in meine TL gespült, las ihn und war, ob der Behauptungen, die ich dort las, leicht konsterniert.

Die Piratenpartei besteht also aus Menschen, die sich durch jemanden dazu bringen lassen, etwas zu tun, was sie für unklug oder unerlaubt halten, was sie von sich aus nicht getan hätten? [1] Aleks Lessmann behauptet dies. Er schreibt in einem Blogpost „Seit etwa einem Jahr lassen wir uns von Radikalen verleiten, die uns zu einer linken Partei umfunktionieren und eine “bessere” Linke aus uns machen wollen…“ [2]

An dieser Stelle des Posts hätte man eigentlich aufhören können zu lesen.

Jemand, der behauptet, dass sich die Mitglieder der Piratenpartei von „Radikalen“ zu einer bestimmten Politik verleiten lassen wie man Kinder zum Trinken, zum Glücksspiel verleiten kann, ist alles, nur nicht ernstzunehmend.

Ich habe dann doch weitergelesen.

Der Autor schreibt, dass die Piratenpartei eine Partei sein soll, „die jeden einzelnen Menschen als handelndes, denkendes Individuum versteht, das aus freien Stücken entscheidet, dass die Zugehörigkeit zu diesem Staatsgebilde die bessere der möglichen Lösungen ist.“[2]

Klingt gut, ist gekauft und vertrete ich auch so.

Eine heterogene, fremdgeleitete Masse?

Aleks Lessmann nicht. Denn er unterstellt ja, wenige Sätze vorher, dass die Mitglieder der Piratenpartei keine handelnden, denkenden Individuen sind, sondern sich von „Radikalen“ zu irgendwas verleiten lassen.

Jemand aber, der einerseits davon überzeugt ist, dass die Mitglieder seiner Partei eine heterogene, fremdgeleitete Masse sind und andererseits die Individualität des Einzelnen beschwört, ist schlicht ein Heuchler.

Wenn ich vorgeblich einfordere, dass die Menschen freiwillig entscheiden sollen, „dass die Zugehörigkeit zu diesem Staatsgebilde die bessere der möglichen Lösungen ist“, so kann ich ihnen nicht unterstellen, bei der Schaffung der besten aller möglichen Piratenparteien fremdgesteuert zu sein.

Weil ich, statt angewidert das Lesen einzustellen, damit fortfahre, erfahre ich, dass die Bundesrepublik eine Partei braucht, „die für Freiheit, Menschenrechte und soziale Gleichheit kämpft.“

Mit der Behauptung, dass es eine Partei, die für „Freiheit, Menschenrechte und soziale Gleichheit kämpft“, in der BRD nicht gebe, unterstellt er den Mitgliedern der Piratenpartei, nicht in ebendieser zu sein. Eine Partei aber, die nicht für die genannten Werte und ideale kämpft, steht gegen sie. Und damit auch ihre Mitglieder.

Wenn also die Piratenpartei, wie Aleks Lessmann behauptet, nicht die Partei ist, die für „Freiheit, Menschenrechte und soziale Gleichheit“ in der BRD kämpft, was ist sie dann? Die Antwort bleibt er schuldig. Mit dem Geschriebenen unterstellt er jedoch den Mitgliedern der Piratenpartei, die das Sein und die Programmatik, also das Bewusstsein dieser Partei bestimmen, für die genannten Werte nicht einzutreten.

Aggressiv, Abgrenzend, Boshaft: Aleks Lessmann

Im nächsten Abschnitt merkt man, dass er über einen dialektisch geschulten Geist verfügt.

Er beginnt damit, den „Feind “ zu skizzieren. In Worten, die Anklage, Beweis und Urteil in einem sind.

So steht geschrieben „ Zum einen sind die Diskurse extrem freiheitsfeindlich, zum anderen sind die Methoden übel: aggressiv, abgrenzend, boshaft. Diese Menschen scheuen nicht vor persönlichen Angriffen, vor Schmutzkampagnen, vor falschen Behauptungen und böse gestreuten Gerüchten zurück. Alles im Dienste einer Ideologie. Alles im Sinne einer Denkart, die alles und jeden böse nennt und (politisch) zu vernichten sucht, dass sich dieser Ideologie nicht unterordnet.“ [2]

Dieser Absatz beinhaltet alles, was Aleks Lessmann seinen „Feinden“ zu sein unterstellt.  Aleks Lessmann ist hier „aggressiv, abgrenzend, boshaft“. Er schreibt, wie über das Böse an sich, dass „diese Menschen“ „ im Dienste einer Ideologie“ „vor Schmutzkampagnen, vor falschen Behauptungen und böse gestreuten Gerüchten“ nicht zurückschrecken.

Er stellt Behauptungen auf, beschwört vor dem geistigen Auge der Leser ein aggressives, bösartig handelndes, Kollektiv, dessen Ziel es ist, alle anderen zu vernichten.

Er überlässt es der Phantasie seiner Leser, die „im Dienste einer Ideologie stehenden Menschen“ als solche zu identifizieren. Dadurch hat er leichtes Spiel. Wer nun in Hysterie verfällt und ein Mitglied der Piratenpartei beschuldigt, „im Dienste einer Ideologie“ zu stehen, tut dies von sich aus.

Er liefert das ideologische Rüstzeug, das seine Leser dazu anhalten soll, die von ihnen identifizierten „Fremdkörper“ böse zu nennen. Sich aufzumachen, sie (politisch) zu vernichten. Er ist aber, wie jeder Demagoge, fein raus, da er ja nicht konkret geworden ist.

Wie immer, wenn ein Feindbild erzeugt werden soll, wird ein negatives Vorurteil gegenüber „dem anderen“ erzeugt. Dieses Vorurteil beruht auf einer Schwarz-Weiß-Sicht der Welt und wird mit negativen Vorstellungen, Einstellungen und Gefühlen verbunden. [3] Aleks Lessmann beherrscht diese Methode meisterlich.

Er fährt fort mit der Beschreibung der Untaten, der von ihm definierten „Feinde“ und schreibt:„Viele Piraten trauen sich nicht mehr, sachorientiert aktiv zu sein, weil sie mittlerweile das eine Mal zu oft von den Radikalen niedergeschrien, niedergemacht, verletzt wurden.“

Das sollten wir uns nicht gefallen lassen

Der kluge Mensch, und so einer nehme ich für mich in Anspruch zu sein, reibt verwirrt die Augen.

Das einzige Beispiel eines Menschen, das ich in diesem Text kennengelernt habe, der seine „Feinde“ mit Methoden, die „aggressiv, abgrenzend, boshaft“ zu nennen sind, angreift, ist Aleks Lessmann. Der gesamte Text ist schlicht ein einziges Niederschreien, Niedermachen, Verletzen von Menschen, die nicht dem Idealbild des Piratenpartei-Mitglieds des Autors entsprechen. Jeder, der z.B. im Gegensatz zum Autor der Meinung ist, dass er jetzt schon in einer Partei ist „die die Menschen nicht als Kollektiv ansieht“, wird vom Autor zum „Feind“ erklärt.

Jeder, der sich, im Gegensatz zur Meinung des Autors, als „handelndes, denkendes Individuum versteht“, das alleine darüber entscheidet, wie er „sachorientiert aktiv“ wird, wird vom Autor zum „Feind“ erklärt.

Ich habe innerhalb der Piratenpartei selten einen Text gelesen, der so demagogisch von und so verachtend über Menschen, die anderer Meinung sind als der Autor, berichtet.

Ich, für mich, kann dazu nur sagen „Das sollten wir uns nicht gefallen lassen“. Ich werde, auch wenn es Menschen wie Aleks Lessmann nicht passt, weiterhin behaupten, dass ich in einer Partei bin, die jeden einzelnen Menschen als handelndes, denkendes Individuum versteht, das aus freien Stücken über sein Handeln entscheidet. Ich werde weiterhin sachorientierte Politik machen, die eine Lösung auch dann in Betracht zieht, wenn sie der eigenen Gedankenwelt nicht passt. Ich werde weiterhin daran arbeiten, ein Pirat zu sein.

Ich danke @_Rya_ für die Korrektur des Textes.

[1] Bedeutung von Verleiten, laut Duden

[2] Radikale Piraten, Teil 1

[3] Feindbild

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11 Kommentare - “Radikale Piraten, Teil 1, eine Replik”

  1. Ralph Says:

    Frage dich in einem stillen Kämmerlein, ob der Text besser als der von Aleks Lessmann ist.
    Insbesondere der letzte Teil ist lediglich ein Umdrehen der Behauptungen und des angeblichen Feindbildes. Das ist lediglich ein „Du warst es – Nein, du“-Spiel aus dem Kindergarten.

    • kpeterl Says:

      Ob mein Text besser als der von Aleks Lessmann kann ich nicht beurteilen. Was ich weiß ist, das ich nicht undefinierten Feinden per se die Daseinsberechtigung innerhalb der Piratenpartei abspreche. Ich Verteufele nicht eine Gruppe nicht definierten Menschen, sondern setze mich mit dem Text eines einzelnen auseinander.
      Wenn du darin keinen Qualitativen Unterschied zu sehen bereit bist ist das für mich ok.

  2. laprintemps Says:

    Danke.

    Lessmann ist in der Partei ja schon bekannt als jemand, der weder Kritik an sich, noch anderes Denken auch nur ansatzweise toleriert. Zum Glück weiß das auch die Mehrheit der Partei, die ihn bei jeder Wahl in den letzten Wochen durchfallen ließ. Selbst in seinem eigens gegründten Kollegium wurde er nicht gewählt.

    Wir sind die Mehrheit.

    Tout va bien.

  3. laprintemps Says:

    Lessmann wird nichtmal von seinem selbst gegründeten Kollegium gewählt. Nirmand will ihn.

    Wir sind die 71%

    Tout va bien.

  4. soulless Says:

    Unabhängig davon das es mich nicht interessiert wer was gemacht hat und wer wo welche Positionen hat gebe ich doch mal meine Meinung kund warum an dem Text von Aleks Lessmannn sehr viel dran ist am Beispiel meiner Filterrealität.

    Twitter nutze ich fast nur als Nachrichtenfilter. Vor 12 Jahren habe ich mal Rezzo Schlauch auf einer Tauchbasis in Thailand kennengelernt ansonsten habe ich persönlich noch nie einen Politiker kennengelernt. Nichtmal den Schatzmeister eines Ortsverbandes oder ähnliches. Und ich habe daran auch wenig interesse.
    In meinem Umfeld weiss ich von niemandem das er Mitglied in einer Partei ist. Und ich gelte in meinem Umfeld als politisch interessiert und offen, würde das also ziemlich sicher wissen.
    In meinem Umfeld bekommen die Leute mal etwas mit, interessieren sich mal für ein Thema aber ansonsten ist Politik, vor allem Parteipolitik, uninteressant. Ein Thema von vielen. Ein relativ kleines und unbedeutendes Thema.
    In meinem Umfeld gab es Hoffnung das die Piraten wirklich anders sind. Das für die Piraten Bürgerrechte und Freiheit wirklich wichtig sind. Das es den Piraten wirklich darum geht etwas zu ändern. Dort kamen Aussagen von einem mündigen Bürger sehr gut an.
    Da waren die Piraten bei 13%. Und btw auch und vor allem nach Neumünster. Von wegen überall Nazis und so.

    Unterdessen sind die Piraten genausosehr ein Thema wie alle anderen Parteien. Total Uninteressant.
    Mehr und mehr hat sich die Ansicht durchgesetzt das da wieder nur eine kleine Möchtegernelite ist die einen für unmündig hält, die bestimmen will was man sagen darf, was gut und böse ist. Eine kleine Elite die sich abgrenzen will von denen die nicht einen ganzen Abend politisch korrekt diskutieren können und die keine drei Bundespolitiker ihren Ämtern zuordnen können.
    Jetzt sind die Piraten bei 3%.

    Wenn die 71% bei den Piraten welche sind die auf einzelne Aussagen mit Etiketten und blocken reagieren und Texte anhand der sprachlichen Qualität oder den Positionen bzw. Nichtpositionen der Person innerhalb der Partei widerlegen dann seid ihr die 1,5% der Bevölkerung die Interesse daran hat euch zu wählen (also 3% bei 50% Wahlbeteiligung).

    Wenns glücklich und zufrieden macht *schulterzuck

  5. schmiddie Says:

    1.) man kann auch selbst denken und sich trotzdem verleiten lassen, oder funktioniert bei dir werbung nicht? sicher? 😉 denk nochmal drüber nach.

    2.) welche reaktion wäre als selbstdenkender mensch auf eine (versuchte?) radikalisierung angebracht? kritik? parteiaustritt? öffentlichmachen der versuche?

  6. Simon Lange Says:

    Tja, man muss kein Fan von Aleks sein um dennoch hier den beinahe schon verzweifelten Versuch, Aleks mit Dreck zu bewerfen, zu erkennen. Wenn diesem „Autor“ Wissen fehlt, er an fehlenden Textverständnis leidet oder schlicht ein Problem mit der Realität hat, dann mag das diesen Text bzw. die „Verwunderung“ erklären.

    Es erklärt aber nicht, warum er Aleks persönlich angreift. Aleks hat absichtlich niemanden namentlich genannt. Piraten die ggf. mit offenen Augen und nicht mit Scheuklappen durch die Partei laufen, werden die von Aleks genannten Mechanismen/Vorgänge aus seinem Text wiedererkennen.

    kpeter sei ans Herz gelegt, sich dem journalistischen Anspruch zu eigen zu machen und ggf. erstmal zu recherchieren, bevor er Aleks „böse“ Absichten unlauter unterstellt.

    Nochmal, kpeter kann von Aleks halten was er will. Menschen mit Profil ecken an. Das ist okay. Aber hier geht es nicht um die Person Aleks sondern um Vorgänge welche NICHT NUR von Aleks berichtet werden, welche sogar NICHT-Mitgliedern auffallen.

    Also weniger Reflexbeisserei und dafür mehr Verstand.

    • kpeterl Says:

      Hallo Simon,
      zu schreiben, ich würde den verzweifelten „Versuch], Aleks mit Dreck zu bewerfen“ unternehmen und dann durchzustarten und mir fehlendes Wissen, mangelndes Textverständnis und Probleme mit der Realität zu unterstellen entbehrt nicht einer gewissen Ironie.
      Wenn jemand mit Dreck wirft und schreit „Der da war’s“ und auf den Beworfenen zeigt sagt das einzig etwas über den Werfenden, niemals aber über den Beworfenen aus.
      Ich greife Aleks Persönlich an? Wie dies? Ich analysiere einen von Ihn verfassten Text. Ich benutze einzig seine Worte zur Darstellung von Sachverhalten. In deiner Kritik meiner Kritik herrschte die Methode vor, aus Oberflächenerscheinungen zumeist analogische Schlüsse auf angenommene grundlegende Wesenszüge meiner Kritik ziehen.

  7. Oberkrainer Says:

    Der […Die an dieser Stelle enthaltenen Beschimpfung von Aleks habe ich entfernt….]:)

  8. André Says:

    Es stimmt natürlich. Um zu verstehen, was in der Piratenpartei falsch läuft braucht man nur das Stasi-Handbuch zur Zersetzung zu lesen und einige Fälle zu studieren, wie die Stasi gearbeitet hat um Opposition zu zerstören. Die Piratenpartei ist nach exakt diesen Prinzipien organisiert und zersetzt sich folglich.


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