Die Piratenpartei und ein Jüdisches Museum in Köln

Heute haben viele Mitglieder der Piratenpartei sich über eine Entscheidung des Kreisverbands Köln der Piratenpartei empört.

Grund war ein Artikel in der Taz. In diesem Artikel geht es um die Frage, ob in Köln eine Archäologische Zone und ein jüdisches Museum entstehen soll.[1]

Über zwei Absätze hinweg werden penibel die Gegner des Projekts aufgezählt. Dies sind, neben den Freien Wählern und der CDU auch eine Bürgerinitiative. Zu den Gegner gehört auch, wen wundert es, die rechte ProBewegung.

Die Piratenpartei Köln fordert ein Moratorium

Auch die Piratenpartei Köln gehört zu den Befürwortern eines Moratoriums.Dies widerum kann nicht wirklich verwundern, ist die Finanzierung des Projekts doch Intransparent und seit zehn Jahren umstritten.

Vor mehr als zehn Jahren wollte ein privater Förderverein das Jüdische Museum bauen. Von 16 Millionen Euro an Kosten war die Rede.

Zur Zeit liegen die Schätzungen über den Finanzbedarf beim Bau bei ca. 50 Millionen.[2]

Zu den ins Feld geführten Vorstellungen von Kommunalpolitikern gehört, zu behaupten, dieses Museum werde bis zu einer Million Besucher zusätzlich nach Köln locken. [3]

Das Jüdische Museum in Berlin verzeichnete im Jahr 2011 720.000 Besucher[4]. Köln schlägt die Hauptstadt mit einem Museum ohne Konzept? Der Kölner Kulturdezernent sieht das ähnlich und vertritt die Position, das mit ca. 350.000 Besuchern zu rechnen ist.[5]

Fakten, die für die Twitterschlacht uninteressant sind

Soviel zu den Fakten, die in der heutigen Twitterschlacht keine Rolle gespielt haben.

Wegen einer ähnlichen Faktenklage, was die Kostensteigerungen betrifft, haben wir Stuttgart21 abgelehnt. Bei einer ähnlichen Faktenlage lehnen wir die Elbphilharmonie in Hamburg und ähnliches ab.

Und die Kölner haben ja gar nichts abgelehnt. Sie haben ein „ein Moratorium aller Kölner Großprojekte“ gefordert. [6]

Und die Kölner haben in ihrem Beschluss das „Jüdische Museum“ nicht erwähnt.[6]

Die Kölner haben sich einem Appell angeschlossen, dessen Initiatoren teilweise ein „Jüdische Museum“ explizit ablehnen [7]. Das ist fatal.

Die Kölner haben sich einem Appell angeschlossen, der etwas anderes als ihr Beschluss aussagt

Machen die Mitglieder der Piratenpartei oft, weil sie inhaltlich nicht vernetzt denken.

Auf dem ungeeigneten Mittel der Welt, Twitter, um solche Diskussionen zu führen, wurden Begriffe wie Ablehnung, Türöffner für Antisemitismus , fehlerhafte Entscheidung zu Kampfbegriffen.

Es wurde unterstellt, das das Verlinken der Webseiten der Projektgegner und ihrer Petition impliziert, das der KV-Köln der Piratenpartei das Jüdische Museum ablehnt.

Wie blöde. Wenn ich etwas verlinke, dann mache ich mir dessen Aussagen nicht zu eigen.

Bevor ich weiterschreibe tue ich das, was man als Pirat neuerdings tun muss: ein Bekenntnis anlegen. Ich bekenne, dass ich den Museumsbau für alternativlos halte.

Die Kölnische Jüdische Gemeinde ist ein unglaublich wichtiger Teil der Kölner Geschichte. Nur als Beispiel: vor den Judenprogromen der Kreuzzüge waren die jüdischen Synagogen an Zahl und Größe den christlichen Kirchen ebenbürtig.Es gab Zeiten, da war Köln eines der intellektuellen Zentren des Judentums in West-Europa.

Die Nazis haben versucht, das vergessen zu machen.

Wir müssen, weil es Teil der Geschichte und Kultur von uns allen ist, die Erinnerung daran bewahren und fördern. So wie wir es in Köln auch mit dem Römisch Germanischen Museum tun.

Nach dem Bekenntnis wieder zur Politik: @tarzun hat recht, wenn er schreibt, dass, wenn ich eine Antisemitismus-Debatte an der Backe habe, meine Worte klug wählen muss.

Der KV Köln der Piratenpartei hat es mit Neutralität versucht, was scheitern musste.

Neutralität die scheitern musste.

Ihr Beschluss sprach das Jüdische Museum nicht an, was, in der Situation des KV-Köln der Piratenpartei am 14. Januar schlicht falsch war. Es ist geschehen. Müssen wir heulen?

Nein, wir müssen den Kölner Piraten die Gelegenheit geben, die bundesweite Kritik an ihrer Position zu diskutieren. Ein „Mir san Mir“ aus Köln kann es nicht geben, weil Handlungen in Köln, eben weil wir eine vernetzte Bewegung sind, uns alle angehen.

Natürlich gibt es Kölner Mitglieder der Piratenpartei, die explizit gegen ein Jüdisches Museum sind. Andere versuchen, Kritik am Beschluss durch Sperranträge gegen Fragende auf der Kölner ML zu unterbinden.[8]

Was aber nicht sein kann ist, das jetzt ein gesamter KV wegen einer Entscheidung die nicht toll ist, am Pranger steht.

Toller wäre es gewesen, die Nachricht zu verbreiten: „die Piratenpartei, insbesondere die Kölner, ist für ein Moratorium bei Großbauten in Köln, fordert aber, dass bei der Realisierung des Projektes ein Jüdisches Museum in Köln absolute Priorität hat.“

Noch schöner wäre es gewesen, wenn die Kölner Piratenpartei einen Beschluss in dieser Richtung gefällt hätte.

Jedes Mitglied der Piratenpartei soll jedes andere begleiten, stützen, und, wo nötig auch kritisieren.

Heute haben viele Mitglieder der Piratenpartei ihre Verantwortung wahr genommen und ein ernstes Thema ernst diskutiert.Sie waren um Fakten bemüht. Dieser Teil der Piratenpartei war gut für uns alle.

Und wen es Kölner Mitglieder der Piratenpartei gibt, die sich „Einmischung von außen verbitten“ haben sie die Piratenpartei nicht begriffen. Wir sind eine Partei, ein Innen und außen bei Angelegenheiten, die uns betreffen, gibt es nicht.

 

Monika @Loreena1968 Belz danke ich für die Grundlegende Idee Hinter dem Post.

Ich danke @Elquee sowie @AranJaeger fürs Redigieren und die nötige Kritik.

[1] Sparen für Geschichtsvergessene

[2] Köln: Protest gegen das Jüdische Museum

[3] Jüdisches Museum

[4] Jüdische Museum in Berlin

[5] Quander rechnet mit 350.000 Besuchern

[6] Antrag X010

[7] Werner Peters, Mitinitiator der Initiative, der die Notwendigkeit eines eigenen jüdischen Museums nicht sieht: „Die Kölner Juden sind Teil der Geschichte der Stadt und die gehört ins Stadtmuseum.“ http://www.ruhrbarone.de/koeln-protest-gegen-das-juedische-museum/

[8] Graciehoppers Sperrantrag gegen Netzhocker

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8 Kommentare - “Die Piratenpartei und ein Jüdisches Museum in Köln”

  1. Tammo Says:

    Die Reaktion auf der Kölner ML habe ich nicht als Neutralität empfunden. Das war eine offen xenophobe Einstellung, die da aus den Diskutanten sprach. „Biste nich aus Köln, verpiss dich. Und zu kritisieren haste schon mal gar nicht.“ oder ähnlich.
    Und das passt deutlich besser zu Pro Köln.
    Natürlich weiß ich, dass die ML nicht „die Kölner Piratenpartei“ ist und dass auf Mailinglisten generell keine Sachlichkeit zu erwarten ist. Trotzdem, gerade bei so einem öffentlichkeitswirksamen Thema, sollte mancher vielleicht zwei Mal nachdenken, bevor missverständliche Kommentare in der Welt landen.

  2. papacfish Says:

    Ich bin kein Pirat und werde auch keiner, aber als Rheinländer finde ich unsere jüdische Geschichte sehr wichtig. Gut dass Ihr gegen die antisemitischen Leute in Eurer Partei klar Stellung bezieht. Shalom und antifaschistische Grüße

  3. Kölnerin Says:

    Sie schreiben: „Die Kölner haben sich (…) einem Appell angeschlossen, der (…) ein „Jüdische Museum“ explizit ablehnt.“

    Das ist so nicht korrekt. Sie werden keine Aussage der Initiatoren finden, in denen das JM explizit abgelehnt wird.

    Im Appell heißt es:

    „Angesichts der desolaten Haushaltslage müssen sie (alle Großprojekte) neu überdacht werden. An erster Stelle gilt dies für das Jüdische Museum über der Archäologischen Zone vor dem Rathaus, dessen ursprüngliches Finanzierungsmodell gescheitert ist und für das es kein schlüssiges inhaltliches Konzept gibt.“

  4. Don.corleone Says:

    Striktes NEIN gg. d.sog. „“ Jüd. Museum“ ,
    objektiv ein alter Steinhaufen , der 50 mio kostet , wer soll d. bezahlen, die H-4 ,, das Kölner Prekariat durch mehr Verzicht ?
    Nein, Herr Kölner OB, SO NICHT !
    BASTA,
    die Mehrheit d. Kölner mündigen Bürger will nicht 50 mio f. einen alten Steinhaufen ausgeben ., mit dem sie nichts anfangen können

  5. Apocalypse 2012 Moon God Says:

    Seit [an dieser S6telle folgt Esoterischer, Antisemitischer Quatsch, den ich nicht freischalte] „Juden“ [an dieser Stelle folgt Esoterischer, Antisemitischer Quatsch, den ich nicht freischalte]:
    Juden wie [an dieser Stelle folgt Esoterischer, Antisemitischer Quatsch, den ich nicht freischalte] Kim Jong Un.
    Wann [an dieser S6telle folgt Esoterischer, Antisemitischer Quatsch, den ich nicht freischalte] auf???
    Die einzige gute „Religion“ ist der Schamanismus: [an dieser S6telle folgt Esoterischer, Antisemitischer Quatsch, den ich nicht freischalte] werden.

  6. Susi Says:

    Peter Finkelgruen, renommierter Kölner Journalist und Schriftsteller, der von den Piraten übrigens als stellv. Mitglied in den WDR-Aufsichtsrat entsandt worden ist, hat sich in der notwendigen Deutlichkeit über Gegner des Baus eines Jüdischen Museums in Köln geäußert:

    http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/17306/highlight/finkelgruen&kaufhold

    „Der seit 50 Jahren in Köln lebende Schriftsteller Peter Finkelgruen ist über die Entwicklung tief bestürzt: »Die schier endlose Debatte über den Bau des Museums macht mich traurig. Inzwischen wurden demokratische und rechtliche Entscheidungen über den Bau des Museums getroffen. Wenn eine Handvoll politisch Aktiver in der Stadt nun zum Instrument eines Bürgerbegehrens greift, dann werden Initiatoren die Verantwortung dafür zu tragen haben, wenn sich die Ungeister von vorgestern, gestern und heute in dieser Stadt erneut ermuntert finden. Denn sie wissen, was sie da tun. Und das macht traurig – und wütend.« „

  7. Jürgen Pulaski Says:

    Sagt mal lest ihr eigentlich das was abgestimmt und beschlossen wurde. „Die Piratenpartei befürwortet ausdrücklich ein Museum in der archäologischen Zone…“ http://wiki.piratenpartei.de/NRW:K%C3%B6ln/Kreisverband/Antr%C3%A4ge#F.C3.BCr_ein_Moratorium_aller_K.C3.B6lner_Gro.C3.9Fprojekte Daneben beteiligen sich die auch nicht am Bürgerbegehren. So sieht das bei euch aus: Einseitig berichten und nur das was einem gerade so passt, erst recht nicht korrigieren und auf dem laufenden bleiben.


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