Queer und Feministisch Denkende Menschen in der Piratenpartei

Am 06/07. April findet die  #PiratinnenKon statt. Auf dieser Konferenz geht es um das Thema “Frauen in der Piratenpartei”.

#PiratinnenKon

Die Position zur „Frauenfrage“ soll sowohl für innerhalb als auch für die Außendarstellung bestimmt werden. Ich finde dies wichtig und glaube, dass die Ergebnisse der Konferenz für Teilnehmer und Partei ein Fortschritt sein werden.

Feministisch denkenden Menschen in der Partei stellen wichtige Fragen und die Partei muss sich damit beschäftigen, weil bereits in §1 Ihrer Satzung steht, dass sie Piraten ohne Ansehen des Geschlechts in sich vereint, die eine moderne freiheitliche Gesellschaft auf- und ausbauen wollen.

Darum müssen bei der PiratinnenKon Feministen auch mit Nicht-Feministen sprechen. Dieser, durch die Feministisch denkenden Menschen angestrebte Dialog wird der Piratenpartei zum Vorteil gereichen, da er sie nachhaltig verändern wird.

#QueerKon und #HäkelKon

Am 16/17. August findet in Dresden die #QueerKon gemeinsam mit der #HäkelKon statt.

Bei der #HäkelKon, die sich als Inklusions-Plenum versteht, sollen verschiedene Teilbereiche gesellschaftlichen Lebens diskutiert werden. Hierzu gehört auch die Genderthematik (u.a. Equalismus).

Die #QueerKon soll alle queeren Gruppen zu einem Gespräch zusammen bringen. Hier soll man über verschiedene Teilbereiche gesellschaftlichen Lebens sprechen, besonders über Themen, bei denen in der Sprache oder Rollenzuteilung mit dem Geschlecht begründet wird.

Auf der #QueerKon sollen die Teilnehmer politische Standpunkte erstellen, die nicht wie bisher der Mehrheit sondern auch dem der queeren Minderheiten entsprechen. Die Unterdrückung der Minderheiten in Politik und Gesellschaft soll einem Miteinander aller weichen.

Was jeder bei der QueerKon verstehen soll, ist, dass queer nicht nur für schwul, lesbisch oder ein modernes „gay“ steht, sondern für jede Ausgrenzung aus „Normal“. Also auch transsexuelle, bisexuelle oder andere dem heteronormativen Normal widersprechende Begehrensform.

Grundlagen von Queer

Für Queer ist folgendes, nach meiner Meinung, Existentiell:

1) Queer ist gelebte Kritik an Heteronormativität: Heterosexualität wird als Grundbedingung und Urform aller sozialen Beziehungen betrachtet. Es gehört zu den Grundlagen heterosexueller Herrschaft, dass sie Bereiche durchzieht, die auf den ersten Blick nichts miteinander und schon gar nichts mit Sexualität zu tun haben.

2) Queerpolitik ist der Versuch, mit allem Handeln die Verflüssigung der Geschlechterverhältnisse zu erreichen. Das beinhaltet das permanente Reflektieren der persönlichen Zuordnung zu einem Geschlecht.Das beinhaltet auch, das unser Politisches Handeln zielgerichtet die Hinterfragung von Geschlechterverhältnissen angeht.

3) Die Frage der Kritik an Zweigeschlechtlichkeit: Das war zwar von Anfang an Bestandteil Queerer Kritik.

Feminismus und Queer

Wenn wir die Zweigeschlechtlichkeit kritisieren und die Kategorie „Geschlecht“ zum Konstrukt erklären, zweifeln wir die gesamten Geschlechterverhältnisse an. Die Tatsache, dass es nach wie vor Geschlechterhierarchien gibt, die die konkreten Lebensrealitäten der einzelnen – gesellschaftlich als Männer, Frauen oder Transen geschlechtlich einsortierten – Menschen prägen und dass es diese Hierarchien zu überwinden gilt, wird dadurch nicht beseitigt. In dieser Geschlechterhierarchie stehen weibliche und geschlechtlich uneindeutige Menschen am unteren Ende des Gefälles.

Die richtige und wichtige Forderung nach Darstellung von Zweigeschlechtlichkeit und Heteronormativität als Ideologie und ihrer anschließenden Abschaffung kann bei den jetzigen Zuständen nicht heißen, dass im Namen von Queer angegriffen wird, wenn Frauen als geschlechtlich konstruierte Gruppe „Frauen“ politische Forderungen stellen. Trotz der Erkenntnis, dass es kein natürliches Geschlecht gibt, muss darstellbar sein, dass es unterschiedliche soziale und politische Identitäten gibt. Unterdrückungsverhältnisse nicht mehr zu kennzeichnen schadet in erster Linie den strukturell Unterlegenen.

Queer ist der Kampf gegen jegliche Normsetzungen in Auffassungen von Identität und Sexualität; darüber hinaus auch ansatzweise in der Analyse von „Rasse“. Queer ist auch der Versuch, einen emanzipatorischen Raum zu öffnen, in dem die Ausschlussmechanismen der Mehrheitsgesellschaft nicht reproduziert werden.Queer erweitert die klassisch feministischen Debatten gerade auf dem Gebiet der Sexualität. Queer thematisiert Sexualitäten aus einer nicht pseudoobjektiv Perspektive. Queer thematisiert und theoretisiert Heterosexualität und sogenannten „normalen Sex“ und nicht ausschließlich „das andere“. [3]

Unterschiedliche Unterdrückungserfahrungen

Queere Männer reden darüber, dass sie selber und andere Queere Männer homophob angemacht wurden. [3] Andere Menschen können nichts dazu sagen, weil sie ihre Diskriminierungserfahrungen nicht ohne weiteres damit gleichsetzen können. Denn während z.B. Frauen, auch als Queer, wie Freiwild angemacht bzw. herabgewürdigt werden, wird Transsexuellen  (queer) und Queeren Männern die Existenzberechtigung insgesamt abgesprochen. Hier wäre ein Ansatzpunkt für Solidarität: Empathie und Verständnis aufgrund einer geteilten Diskriminierungserfahrung.

Wir sollten auch hinterfragen, ob das verhalten von Queer gegenüber feministisch denkenden Menschen Fair ist, wenn ihnen vorgeworfen wird, das sie Schutzräume zur Ausgrenzung anderer nutzen wollen. Auch Queer beanspruchen Schutzräume. Hier legen sie aber andere Maststäbe an.

Letztendlich: Solange es noch Unterdrückung von Frauen als Frauen gibt, muss an queere Praxis der Anspruch des Antisexismus gestellt werden. Von queeren Personen ist das, ebenso wie von Frauen, Schwulen, Lesben, Männern, Tunten, Vulkanier und jedem anderen intelligenten Lebewesen einzufordern. Wir müssen die Potenziale von Queer kritisch nutzen und das bedeutet, zu reflektiert, dass außerhalb unserer Schutzräume Heteronormativität und Zweigeschlechtlichkeit immer noch bittere Realitäten sind. Wir müssen sehen, wo Queer und Feministisch denkende Menschen Überschneidungen und Berührungspunkte besitzen und darauf aufbauend gemeinsame Projekte anstoßen.

 [1] Bundessatzung der Piratenpartei

[2] Heteronormativität beschreibt eine Weltsicht, die Heterosexualität als soziale Norm postuliert. Damit einhergehend ist ein meist unhinterfragtes, ausschließlich binäres („zweiteiliges“) Geschlechtssystem, in welchem das biologische Geschlecht mit Geschlechtsidentität, Geschlechtsrolle und sexueller Orientierung für jeden gleichgesetzt

[3] Einer der interessantesten Punkte, das Streben nach einer Gesellschaft, die PosGender ist hat Donna Haraway in Ein Manifest für Cyborgs. Geschrieben

[4] Ich kann hier nur von „Männer“ Erfahrungen schreiben, da ich meine Erfahrungen in dieser Frage als Sozialer und Biologischer Mann gemacht haben.

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2 Kommentare - “Queer und Feministisch Denkende Menschen in der Piratenpartei”


  1. „Heterosexualität wird als Grundbedingung und Urform aller sozialen Beziehungen betrachtet. Dies vertreten und Fördern auch Feministinnen.“

    Den Satz finde ich jetzt nicht so klar. Teilweise wird das Leben von Heterosexualität ja bereits als Heteronormativität gesehen, weil es den anderen sexuellen Ausrichtungen „Raum nimmt“ (man erinnere sich beispielsweise an die Darstellung, von Feministinnen, dass Kinder und Familie und zudem küssende Heterosexuelle geradezu triggernd wirken und man daher als Heterosexueller solidarisch sein solle, indem man nicht küsst)

    • kpeterl Says:

      Danke, das du mich auf den Fehler Hingewiesen hast. Der Satz „Dies vertreten und Fördern auch Feministinnen.“ ist in diesem Kontext zu plakativ und undifferenziert. Er ist gestrichen.


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