Die Grenze verläuft nicht zwischen Jung & Alt sondern zwischen Konservativ & Emanzipatorisch

In der Zeit wurde, unter dem Titel „Die schon wieder“ die These aufgestellt, das die„Babyboomer bestimmen, wo es langgeht – in der Politik, in der Wirtschaft, in der Kultur“.[1]

 @AranJaeger hat sich hingesetzt und Kommentiert, warum ihm der Text zu kurz greift.

Der Text geht von der Annahme aus, das „alle Alten“ immer konservativer werden. Einen Beweis für diese Waghalsige Verallgemeinerung bleibt er allerdings schuldig. Die aufgestellte Behauptung ist so auch nicht richtig.

Eine beschleunigte Welt macht Menschen Angst

Ich glaube eher das die Menschen Angst vor der schnellen Veränderung in der Welt haben und sich deswegen an das alte bekannte klammern. Die beschleunigte Welt macht vielen Menschen Angst. Veränderung schafft Angst und der Wunsch wieder in alte Schemata zu verfallen weil Mensch weiss was er in diesen Schubladen tun muss, das System hat dadurch Struktur und Mensch fühlt sich sicher obwohl die Welt um ihn herum im dauernden Wandel ist und/oder teilweise ins Chaos stürzt.

Dieses Verhalten liegt nicht an *den Alten* sondern einfach an alten Rollenbildern und Vorstellungen die in unserem Kopf verankert sind. Dies sieht Mensch bspw. schön (bzw. unschön) bei dem Thema Nationalismus und/oder Sexismus.

Menschen klammern sich an das Konzept Nationalstaaten um sich darüber selber zu identifizieren („Was ist denn schon schlecht daran patriotisch zu sein?“) der Glaube an *den Staat* für den Mensch arbeitet gibt einem Kraft und Sicherheit Mensch gehört *dem Team* an und leistet etwas für *die Gemeinschaft*.

Sexistische Heteronormative Rollenbilder sorgen auf einer anderen Ebene für Wohlgefühl. Menschen identifizieren sich durch Konditionierung (auch wieder nicht durch *die alten* sondern durch Werbung,Gesellschaft, Filme, Pornoindustrie etc.) mit eben diesen Rollenbildern „Du bist kein richtiger Mann/Frau, wenn du dies und das nicht tust“ sich in diese Rollenbilder einzufügen macht alles leichter denn Mensch muss sich nicht mit komplexen Sachverhalten auseinander setzen oder kann sie an andere abschieben.

Auch alternative Beziehungsmodelle wie Polyamorie oder einfach nur Single sein leiden darunter. Viele Menschen die nicht der Norm entsprechen werden so wahrgenommen das sie einfach noch nicht den „richtigen Weg“ gefunden hätten und das das wahre Glück in der klassischen Romantischen Zweierbeziehung liegt.

Der Autor des Textes streift sogar ein zwei mal die Problematik seines Texte ignoriert sie aber und schreibt dann weiter über *die alten*.

Das Internet, das Medium der Jungen?

Er benennt das Internet als das Medium der Jungen aus der der „#Aufschrei“ startete. Dies stimmt zwar er vergisst oder verschweigt dabei aber den krassen Gegenwind vieler Sexisten und Maskulisten die versuchten den Aufschrei zu stoppen, ihn klein zu reden oder unsichtbar zu machen, die Menschen (vor allem Frauen) verletzten und beleidigten und damit genau aufzeigten wie schlimm es um diese Gesellschaft bei dem Thema gerade steht …. im Internet.

Und auch in den Talkshows gab es positive Gegenbeispiele einiger alter Menschen die sich positiv über #aufschrei, Sexismus-Awareness und Aufbrechen von Geschlechterrollen äusserten. .

Der autor erwähnt sogar Heiner Geißler im Text, seine, zumindest größtenteils, positive Rolle in der Debatte zu #aufschrei jedoch nicht.

Der Text spricht wichtige Dinge an und hat in vielen Dingen Recht.

Der Demografische Wandel wird uns noch viel Ärger bereiten, die „Fetten Jahre“ in Deutschland sind vorbei, Alte Weiße Männer kämpfen um Machterhalt und benutzen eben jene alten Rollenbilder zu ihrem Vorteil um ihre Macht zu erhalten, die Gesellschaft hat einen neuen Peak an Konservativismus erreicht und will sich momentan nicht an die Welt anpassen. Ich warne aber davor dieses Problem darauf umzulagern das *die alten* die Jugend verderben, unsere Brunnen vergiften, Jede Veränderung blockieren und dieses Land beherrschen.

Eines sollte jedoch als Grundlegend Festgestellt werden: die Grenze verläuft nicht zwischen Jung und Alt sondern zwischen Konservativ und Emanzipatorisch.

[1] Die schon wieder!

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3 Kommentare - “Die Grenze verläuft nicht zwischen Jung & Alt sondern zwischen Konservativ & Emanzipatorisch”


  1. […] derzeit viele über die die Macht der Alten (z.B. hier und hier) oder die rechte Ausrichtung der “Rentnerprotestpartei” AfD (siehe hier und […]


  2. […] Ein sehr schöner Artikel zum Thema, den ich unbedingt empfehlen möchte ist “Die Grenze verläuft nicht zwischen Jung & Alt sondern zwischen Konservativ & Emanz… von […]


  3. […] derzeit viele über die die Macht der Alten (z.B. hier und hier) oder die rechte Ausrichtung der “Rentnerprotestpartei” AfD (siehe hier und […]


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