„Antizionismus“ als Form des Antisemitismus

tl;dr Warum Antisemitismus in teilen des europäischen und Nahöstlichen „Antizionismus“ enthalten ist „wie das Gewitter in der Wolke“.

Wenn einige Menschen über „den Zionismus“ reden, dann werfen sie mit Worthülsen wie Rassismus, Faschismus, Islamophobie, Nationalismus, Kriegstreiberei, Apartheid, Bombenterror um sich.

Ergänzt wird dieses Gerede mit dem Vokabular, das Antisemiten seit Jahrhunderten über „den Juden an sich“ benutzen. So geht es um das Brunnenvergifter, Pestverbreiter, Kindsmörder und nicht zuletzt das Streben nach Weltherrschaft.

Antizionisten“

Man könnte sagen: „Antizionisten“ projizieren alles Negative und Schlechte in der Welt auf „den Zionismus“.

Über ihre Gründe kann man nur spekulieren. Anzunehmen ist jedoch, dass sie antisemitische Ideologien oder zumindest ihre Fragmente zutiefst verinnerlicht haben. Zum anderen sind sie so gefangen in ihrem Hass auf alles Jüdische, und dies ist der Zionismus ja letztendlich auch, dass sie Aussagen wie “Der Zionismus ist in der gleichen braunen Suppe entstanden wie der Nationalsozialismus.” [1] tätigen oder Sätze formulieren wie: „Ebenso nahe liegt es, dass Zionisten die Behauptungen der Nazis, sie strebten nach Weltherrschaft, schlicht und einfach adaptieren und das nun tatsächlich, mit Begründung einer angeblichen rassischen Überlegenheit, auch tun.”[2]

Diese Sätze lassen einen erstarren, denn aus ihnen strömen die Vorurteile wie aus einem lecken Fass. Zugleich sind sie archetypisch für das Denken von „Antizionisten“.

Der Versuch, den „Antizionismus“ als etwas anderes als dem Antisemitismus wesensgleich erscheinen zu lassen wird durch die Behauptung betrieben, dass dem „Antizionismus“ kein Hass auf Juden innewohne, dass er sich lediglich auf die Feindschaft gegen Israel beschränkt. Hierzu wird Antisemitismus als etwas, das untrennbar mit dem Christentum verwoben ist, umdefiniert. [3]

Antisemitismus ist aber mehr als die bloße Feindschaft gegen Juden und daher nicht zu verwechseln mit dem vormodernen christlichen Antijudaismus. „Der Antisemitismus ist das Gerücht über die Juden”, wie Adorno in den “Minima Moralia” geschrieben hat.

Antisemitismus ist mehr als die Feindschaft gegen Juden

Antisemitismus selbst ist eine Form des Aufbegehrens gegen die Moderne. Jean-Paul Sartre beschrieb Antisemiten als Personen, die sich vor den Chancen, Risiken und Veränderungen der modernen Gesellschaft fürchteten und – statt der Vernunft und dem (kritischen) Denken – den Hass, die Irrationalität und den Konformismus zum leitenden Motiv ihrer Handlungen machten. Anstatt also die Welt zum Besseren zu verändern, projizieren sie das Schlechte auf (vermeintliche) Juden. [4]

Sartres Beschreibung des Antisemiten, der sich von Konformismus und Irrationalität leiten lässt, passt auf erschreckende Weise zu Menschen, die sich als „Antizionisten“ verstehen: Anstatt die komplexen Veränderungen der globalisierten Welt nachzuvollziehen, beschränken sie sich auf ein simples Freund-Feind-Schema. Israel wird zur Verkörperung des Bösen in der Welt, „die Palästinenser“ zum absolut Guten und Edlen.

Der Staat Israel gilt „Antizionisten“ einerseits als „kollektiver Jude“, andererseits aber auch als „Jude unter den Staaten“(Léon Poliakov ) [5]. Jean Améry hat bereits 1969 erkannt, dass Antisemitismus im Antizionismus enthalten sei „wie das Gewitter in der Wolke“ und bezeichnete den „Antizionismus“ als „ehrbaren Antisemitismus“[6].

Sich als „Antizionisten“ verstehende Menschen, entblöden sich nicht, zu behaupten, ein „semitisches Volk“ wie „die Araber“ könne quasi aus seiner „Natur und Rasse“ heraus nicht antisemitisch agieren.[7]

Dies zeugt nicht nur von rassistischem Denken, da es behauptet, Denkstrukturen seien durch die Zugehörigkeit zu einer „Rasse“ vorgegeben. Es negiert auch die historische Tatsache, dass Antisemitismus sich immer und überall gegen Juden gerichtet hat, niemals aber gegen die später im „rassentheoretischen“ Diskurs als semitisch definierten Araber.

Das antijüdische Ressentiment

Das antijüdische Ressentiment ist seit Jahrhunderten eingewebt in die (europäische) Geschichte. Vom religiösen Antijudaismus wandelte es sich, in Folge der Aufklärung des religiösen Überbaus entkleidet, zur puren Ideologie.

Als mit der Shoa der radikalste Ausdruck des Antisemitismus seine mörderischen Dimensionen offenbarte, verschwand das Ressentiment nicht, sondern feierte, unter neuen Namen und in anderer Umgebung, fröhlich sein Wiedererstarken.

Auch der in der Unterdrückung und Rechtlosigkeit entwickelte Gedanke des Zionismus, in einem eigenen Staat seien die Juden geschützt und das Thema Antisemitismus würde sich außerhalb dieses Staates, durch ihre Abwesenheit in anderen Nationen von selber erledigen, hat sich als Irrtum erwiesen. [8]

Flohen Juden vor dem Antisemitismus nach Palästina und gründeten Israel, so hat sie das antijüdische Vorurteil im Zuge des israelisch-arabischen Konfliktes schließlich eingeholt.

Dass Antisemitismus, getarnt als „Antizionismus“ zur Waffe im Arsenal der politischen Gegner Israels geworden ist, ist längst nichts Neues mehr.

Seine aus Europa importierten Stereotypen, Schriften und Funktionsweisen kehren in der Nahöstlichen Propaganda wieder und feiern, unter dem Label „Antizionismus“, unglaubliche Erfolge: von der Ritualmordlegende über die „Protokolle der Weisen von Zion“ bis zu Hitlers „Mein Kampf“ und den revisionistischen Schriften Ingrid Weckerts, [9] Robert Faurissons, Ernst Zündels, Fred A. Leuchters, David Irvings, Germar Rudolfs oder auch Ernst Noltes [10]. Die Darstellung israelischer Politiker als „Kindermörder“ in der arabischen Tagespresse zeugt ebenso von seiner Konjunktur im arabischen Raum wie die Beliebtheit der antisemitischen türkischen Fernsehserie „Tal der Wölfe“ im Nahen Osten.

Die Wiedergeburt des Antisemitismus im Nahen Osten

Der Erfolg des sich „Antizionismus“ nennenden Antisemitismus im Nahen Osten macht deutlich, dass der antisemitische Diskurs über religiöse, kulturelle und geographische Grenzen hinweg transferierbar ist.

Eine Gleichsetzung zwischen der europäischen Tradition des Antisemitismus und seiner „nahöstlichen“ Erscheinungsform wäre jedoch unangemessen und zu kurz gedacht.

Hinzu kommt, dass die Rede von der „islamischen Welt“ von einem eurozentristischen Standpunkt aus schnell selbst zum rassistischen Vorurteil wird.

Eine Analyse von europäischem und nahöstlichem Antisemitismus muss Analogien benennen und Differenzen wahrnehmen können.

Im Gegensatz zu den spezifisch europäischen antisemitischen Phantasien von „Gottesmord“, „Kinderermordung“, „Brunnenvergiftung“, „Pestverbreitung“ oder „Hostienschändung“ sind die nahöstlichen Stereotype anders strukturiert.

Antisemitismus bedarf, für seine Verbreitung, keiner rationalen Bestätigung, denn er kommt ohne Juden aus.

Die Existenz des Nahostkonflikts hat aber bei seiner Verbreitung in der arabischen Welt als Vehikel fungiert und antisemitischen Phantasien Vorschub geleistet. [11] Vor diesem Hintergrund ist erklärbar, warum, anders als im christlichen Europa, Antisemitismus als Massenphänomen im arabischen Raum erst in den letzten Jahrzehnten relevant geworden ist.

Unterschiede zwischen der christlich-jüdischen und der islamisch-jüdischen Geschichte

Im Gegensatz zur christlich-jüdischen war die islamisch-jüdische Geschichte lange Zeit durch eine enge und weitgehend friedliche Verbindung geprägt. Islamwissenschaftler sprechen von einer „klassischen Epoche“ bis zu den Kreuzzügen und später, als Reaktion auf die christliche Dominanz, sogar von einer jüdisch-islamischen Symbiose.

Der Umstand, dass die großen sephardischen Gemeinden in der arabischen Welt in den zionistischen Debatten kaum eine Rolle spielten, resultierte aus dieser Realität in den moslemischen Ländern [12].

Natürlich war das „goldene Zeitalter“ von Islam und Judentum keineswegs golden und konfliktfrei, die Konflikte und Repressionen unter islamischer Herrschaft hatten aber eine deutlich andere Qualität als unter christlicher Führung.

Im Abendland zeigte sich schon früh eine andere Realität.

Antijüdische Exzesse des Christentums, wie die Vertreibung ganzer Gemeinden, Zwangstaufen und Konvertitenverfolgungen, finden kaum Entsprechung im jüdisch-moslemischen Verhältnis. Auch war die Religionspolitik der Osmanen wesentlich toleranter als die der christlichen Mächte.

Trotz einer vergleichsweise aggressiven Missionshaltung des Islam und judenfeindlichen Passagen im Koran, war ein sich über Jahrhunderte erhaltender und zyklisch modernisierender Judenhass, im Gegensatz zum Christentum, kein Merkmal nahöstlicher Gesellschaften.

Dieser trat erst nach der Auflösung des Osmanischen Reiches und infolge der Panarabischen Bestrebungen auf den Plan. Und war, da „Antizionismus“ vom dem Palästinenserführer und Großmuftis von Jerusalem Amin el-Husseinis [13] als Chiffre für generellen Judenhass verwendet wurde, extrem erfolgreich. So kam es bereits 1929 mit dem Pogrom von Hebron, einer jahrhundertealten jüdischen, nichtzionistischen, Siedlung, zum ersten antisemitischen Pogrom im Nahen Osten überhaupt. Die Folge des von „Antizionisten“ durchgeführten Pogroms war die vollständige Vertreibung aller Juden aus Hebron. Dies war, in den Augen der der Antisemiten im antizionistischen Gewand, der erste Schritt hin zu dem Ziel, den Nahen Osten „judenrein“ zu machen.

Die Entwicklung eines spezifischen nahöstlichen Antisemitismus

In der Phase der Kollaboration von Arabern mit NS-Deutschland, insbesondere der von Amin el-Husseinis, war der ideologische Einfluss des Antisemitismus offensichtlich. Der Antisemitismus stellte eine ideologische Brücke zwischen den strategischen Interessen der Nazis und dem Unabhängigkeitsstreben der Araber dar, er war der Kitt für das Bündnis. [14] Die „Islamisierung des Antisemitismus“, von Gefolgsleuten Hitlers wie Amin el-Husseinis im Nahen Osten forciert, trat wurde aber erst in den letzten 50 Jahren ein bestimmendes Moment. Und zwar im Schatten des Aufstiegs der Muslimbruderschaft zu einem innenpolitischen Faktor in den arabischen Staaten.

Der islamische Fundamentalismus in Palästina, in dem die Hamas die stärkste Fraktion bildet, versteht sich als Bewegung, die sich gegen die „Weltherrschaft des Judentums“ wendet. Und um alle Zweifel auszuräumen, wer der Gegner der Hamas ist, widmet sich der gesamte Artikel 22 ihrer Charta der detaillierten Aufführung herbeiphantasierter angeblicher „jüdischer Bosheiten“.

Gemäß dieser sind die Juden verantwortlich für alle Missstände der modernen Gesellschaft: die französische Revolution, die kommunistische Revolution, die Gründung von Geheimgesellschaften, die ihnen helfen sollten, die Weltherrschaft mit geheimen Mitteln zu erreichen. Sie kontrollieren, laut Hamas, die Wirtschaft, die Presse und das Fernsehen. Sie sind verantwortlich für den Ausbruch des Ersten Weltkrieges, den sie initiiert haben, um das muslimische Kalifat (das Osmanische Reich) zu zerstören, die Balfour-Erklärung zur Gründung eines jüdischen Staates zu erhalten und den Völkerbund zu schaffen, der die Gründung ihres Staates umsetzen sollte.

In der wahnhaften Welt der Hamas habe „die Juden“ auch den Zweiten Weltkrieg initiiert, um ein Vermögen durch den Verkauf von Kriegsmaterial zu verdienen.

Der Antisemitismus der Hamas

Wer dies nicht glaubt, für Lügen oder Propaganda hält, werfe einen Blick in die Gründungscharta der Hamas. [15]

Der Kampf der Hamas ist nicht alleine auf Israel beschränkt, sondern richtet sich gegen Juden überall in der Welt. Das bedeutet zugleich, dass dieser Kampf so lange weitergeht, bis nicht nur Israel, sondern das Judentum als Ganzes nicht mehr existiert. Dies geht aus Artikel 7 der Charta hervor. „Die Stunde des Gerichtes wird nicht kommen, bevor Muslime nicht die Juden bekämpfen und töten, so dass sich die Juden hinter Bäumen und Steinen verstecken und jeder Baum und Stein wird sagen: ‚Oh Muslim, oh Diener Allahs, ein Jude ist hinter mir, komm und töte ihn!'“ [16]

Einige der Punkte der Hamas Charta stammen direkt aus dem Pamphlet „Die Protokolle der Weisen von Zion“. Andere Passagen, insbesondere diejenigen, die die Weltkriege betreffen, sind eine genuine Erfindung der Hamas.

Als „Antizionismus“ getarnter Antisemitismus prägt das Denken der Hamas ebenso wie das der Fatah-Politiker. Jasir Arafat z.B. war in seiner Jugend Mitglied der Muslimbruderschaft und hat sich später positiv auf die Politik des Hitler Anhängers Amin el-Husseinis bezogen.

Konnte in der Vergangenheit noch gesagt werden: „für christliche Antisemiten ist die „Palästinafrage“ ein Vorwand und ein Ventil für ihren Hass, für moslemische Antisemiten ist es die Ursache“, so hat der antisemitische Diskurs längst eine innerislamische Eigendynamik entwickelt.

Der religiöse Rassismus der Islamisten, der den völkischen Rassismus der Nazis ersetzt hat, erklärt Allah zum Führer und die Jihadisten zu seiner privilegierten Kampftruppe. Der Zusammenhalt dieser Kampftruppe wird über die Jenseitserwartung von Hölle und Paradies, also über das Instrument der religiösen Angst, sichergestellt. Diese Selbstbildfantasie der Islamisten ist mit ihrer antijüdischen Feindbildfantasie untrennbar verknüpft.

Antizionismus“ als Spielart des Antisemitismus dient dazu, in einer komplexen Welt die Unübersichtlichkeit und die damit einhergehenden Identitätskrisen auf einen Sündenbock abzuwälzen, anstatt sich der Komplexität der Welt zu stellen. Sich „Antizionisten“ nennende Antisemiten sind sich mit allen anderen antisemitischen Spielarten einig in ihrem Hass auf alles Jüdische und der Suche nach einfachen Antworten auf schwierige Fragen.

Das antisemitische Gift des „Antizionismus“

Ihre Antwort auf die Frage nach der Lösung der Probleme der Welt ist schlicht die Forderung nach der Beseitigung des Staates Israel.

Über Menschen, die so denken, hat Felix Bartels geschrieben: „Die Definition des Antizionismus ist ziemlich einfach. Antizionismus ist die Überzeugung, dass jedes Volk der Welt das Recht auf einen eigenen und souveränen Nationalstaat hat, mit Ausnahme des jüdischen. Der Antizionismus ist kein Antinationalismus, sondern eben allein und ausschließlich gegen den jüdischen Nationalismus gerichtet“. [16] „Antizionisten“ fordern selbstverständlich nicht die Abschaffung der Bundesrepublik, Frankreichs, Irans oder gar Libyens.

Während für die meisten Antizionisten feststeht, dass Juden weder ein Volk noch eine Nation sind, reden sie andererseits vom „Recht auf Boden” für das „palästinensische Volk“. In der antizionistischen Propaganda sind es nicht die Menschen die befreit werden müssen, sondern es ist der palästinensische Boden, der von den ungläubigen Juden „gereinigt” werden muss.

Felix Bartels meint zu Recht: „Ein vernunftbegabter Mensch redet mit Antizionisten wie der Arzt mit seinen Patienten. Es ist mehr ein Reden zum Zwecke der Anschauung. Die eigentliche Überlegung findet später statt. Übrigens ist es ethisch durchaus vertretbar, Antizionisten, wenn man schon mit ihnen redet, auf eine Couch zu setzen und Geld nach Stunden zu nehmen.“ [17]

Das Problem jedoch ist, dass das Gift des sich „Antizionismus“ nennenden Antisemitismus Breitenwirkung entfaltet. Laut einer Studie der Fakultät für Erziehungswissenschaft am Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung der Universität Bielefeld positionierten sich im Jahre 2011 63 % der Deutschen negativ gegenüber Israel, weil es jeden Deutschen alleine durch seine Existenz an Auschwitz und Majdanek, an Treblinka und Sobibor erinnert. [18]

Mit der Aussage „Es gibt […] gewiß keine geborenen Antisemiten“ [19] hat Adorno Recht. Antisemiten eignen sich diese Ideologie an. „Antizionisten“ auch, nur wollen sie in ihm ihren Antisemitismus tarnen.

Nach Auschwitz sollte aber jedem sehenden Menschen klar sein, dass durch jeden Antisemitismus die Vernichtungsdrohung hindurchscheint. Wer im Wissen um die Geschichte der Shoa Antisemitismus verharmlost oder Antisemiten in Schutz nimmt, duldet die ihm innewohnende Vernichtungsdrohung. Und darum gilt es, dem antisemitischen Gift des „Antizionismus“, egal ob er in seiner europäischen oder in seiner nahöstlichen Form auftritt, das Gegengift der Aufklärung entgegenzusetzen.

Herzlichen Dank an @Bunny_Riot @stoffeldear @harryliebs @ingwerbaer1 @czossi @NeoXtrim @TrailChem für Korrektur, Kritik, Anregungen.

Quellen:

[1] Was machen die Nazis

[2] Was machen die Nazis

[3] Antisemitismus – Tradition des christlichen Abendlandes

[4] Der Antisemitismus ist die Furcht vor dem Menschsein

[5] Israel als Jude unter den Staaten

[6] Jean Améry: Der ehrbare Antisemitismus, in: Die Zeit vom 25. Juli 1969.

[7] Araber können keine Antisemiten sein

[8] Zionismus

[9] Ingrid Weckert, Feuerzeichen. Die Reichskristallnacht. Anstifter und Brandstifter – Opfer und Nutznießer, Grabert-Verlag, Tübingen 1981 sowie Ingrid Weckert http://de.wikipedia.org/wiki/Ingrid_Weckert

[10] Ernst Nolte Der europäische Bürgerkrieg 1917-1945.Nationalsozialismus und Bolschewismus Herbig Verlag, 5. Auflage München 1997 sowie Europäischer Bürgerkrieg

[11] Die Araber, die Shoah und die Nakba

[12] Antisemitismus

[13] Mohammed Amin al-Husseini

[14] Das Erbe des Mufti

[15] Hamas Charta

[16] Hamas Charta, Artikel 7 sowie Hamas

[17] Nahost! Nahost! oder Zur Romantik des Weltfriedens

[18] Antisemitische Mentalitäten

[19] Theodor W. Adorno/Max Horkheimer: Dialektik der Aufklärung. Philosophische Fragmente, Frankfurt a.M. 1993 [1944].

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5 Kommentare - “„Antizionismus“ als Form des Antisemitismus”

  1. ebertus Says:

    Drei Fragen, wegen dem unvermeidlichen Bezug auf Adorno.

    1. Ist die Kritische Theorie in einer expliziten Form und nachlesbar kompatibel mit dem Zionismus?

    2. Waren die Frankfurter Denker ebenfalls Zionisten oder zumindest der zionistischen Idee/Ideologie positiv gegenüber eingestellt?

    3. Wie steht es um die (gern auch aktuelle) Rezeption der Kritischen Theorie gerade in Israel?

    • kpeterl Says:

      Zum Anfang: im Blogpost geht es um „Antizionismus“ als Form des Antisemitismus.Stell Fragen dazu oder lass es sein. Bei einem Beitrag über Katholiken wird auch kein klardenkender Mensch fragen zur Organisation der Protestanten und der Sichtweise der Buddhisten dazu stellen.

      Horkheimer, Adorno und Marcuse erkannten schon früh, wohin der „Antizionismus“ führen würde und setzten die Solidarität mit den prospektiven Opfern dagegen. Diese Solidarität führte zwar nicht dazu, den Zionismus in vollem Ausmaß zu unterstützen, aber sie implizierte ganz selbstverständlich die Solidarität mit Israel als Zufluchtsstätte für alle vom Antisemitismus Bedrohten.

      Zu den Zielen der Antizionisten, Palästina/Israel „Judenrein“ zu machen, hat sich Adorno hellsichtig, noch bevor die Antisemiten den Begriff den Begriff „Antizionismus“ für sich Reklamiert haben, geäußert:
      „[Die]Brücke zwischen theologischem Anti-Judaismus und faschistischem Antisemitismus ist Palästina. Scheint auch das Thema auf den ersten Blick ziemlich weit hergeholt, haben doch Berichte über die Neuansiedlung und Expansion der Juden wahrscheinlich eine bestimmte Bedeutung für die Antisemiten. Zu ihren fundamentalsten Triebkräften gehört die Klage, daß die Juden >daSie müssen raussie sind hier nicht erwünscht.zu Hause< zu fühlen. In Wirklichkeit aber wollen sie sie an keinem Platz der Erde dulden. Sie beschuldigen sie, nach der Weltherrschaft zu streben und hegen doch selbst diesen Wunsch. Die Juden sind ihnen Symbol dafür, daß sie noch nicht die ganze Welt besitzen. Thomas´ zeitweilige verworrene Hinweise auf die Niederlassung der Juden in Palästina als Zeichen der herannahenden Tage des Jüngsten Gerichts, die nicht zu erkennen geben, ob er sie begünstigt oder ablehnt, reflektiert die Ambivalenz der Nationalsozialisten gegenüber dem Zionismus. Sie begrüßten ihn als Mittel, die Juden loszuwerden und erachteten ihn als gefährlich – oder gaben es wenigstens vor -, weil sie die Ausbreitung eines jüdischen Nationalismus über die Landesgrenzen befürchteten. Hinter dieser Ambivalenz zeichnet sich der Schatten eines tödlichen Hasses ab. Nach faschistischem Denken sollen die Juden weder bleiben dürfen, wo sie sind, noch die Möglichkeit haben, eine eignen Nation zu bilden. Ausrottung ist die Alternative. Ihre Niederlassung wird als Tatsachenbericht geschildert, die bloße Ausdrucksweise aber hat einen drohenden Aspekt. Das Publikum soll schaudern bei der Vorstellung der angeblich ungeheuerlich angewachsenen jüdischen Macht in Palästina, vor ihrem schreckenerregenden und gefährlichen Bild, und es mag seine Wut sogar anfeuern, wenn in den Berichten keine Namen genannt werden.“ (Theodor W. Adorno: Studien zum autoritären Charakter, S. 468-469)

      Zu deinen Fragen könnte ich dir jetzt viel schreiben, aber ich empfehle dir, so als einstig: Stephan Grigat (Hg.): Feindaufklärung und Reeducation. Kritische Theorie gegen Postnazismus und Islamismus. Freiburg: ça ira-Verlag 2006

      • ebertus Says:

        Danke,

        der Text von Stephan Grigat („Zum Verhältnis von Kritischer Theorie und Israel“) sowie die Zusammenstellung der Texte/Autoren war auch ohne expliziten Link auffindbar, von mir dann mit Interesse gelesen.

        Zeigt es doch a) das wohl spezifisch „deutschsprachige“ dieser selektiven Adorno-Rezeption; was keine Überraschung ist, wenn man gerade zum Thema Nahost via englischsprachiger Literatur und Medien unterwegs ist, gerade derer aus Israel und den USA.

        Und b) ist Grigat’s beinahe Gratwanderung, den Zionismus mit der Kritischen Theorie, deren Vordenkern halbwegs kompatibel zu machen deutlich erkennbar; als wenigsten zweitbeste Lösung, im Bunde (leider, leider) mit den Herrschenden, den Imperialisten, den Neokolonialisten, den (ehemaligen) Sklavenhaltern usw. sprich: den Konservativen bis Rechten – weil anderes nach Adorno, der diese Macht-und Herrschaftsverhältnisse eindeutig kannte und benannte, leider „vertagt“ werden muss.

        Insofern darf man wohl gern dem dahingehend von Grigat ausdrücklich erwähnten Moshe Zuckermann folgen, hatten die Frankfurter Denker eine durchaus akzeptierende, dennoch oft kritische Distanz zu der in Israel sich real manifestierenden Form von Zionismus. Zuckermanns aktuelle Schriftensammlung, seine Reflektionen der Kritischen Theorie „Wider den Zeitgeist Bd.II) seien daher hier empfohlen.

        Einen wesentlichen Punkt hat wohl auch Grigat übersehen. Den der Negation von Diaspora durch den Zionismus. Marcuse blieb in den USA und Adorno/Horkheimer gingen gar zurück in das Land der Täter. Nach wie vor leben mehr Menschen jüdischen Glaubens in der Diaspora als in Israel, was bei dem diagnostizierten Antisemitismus durchaus verwundert. Schlimmer noch und von kritischen, eher liberalen bis linken israelischen Intellektuellen immer wieder zum Ausdruck gebracht, haben seit Anfang der 1990er die Millionen Einwanderer aus der ehemaligen SU das Land vollkommen verändert.

        Und btw. Adornos Hnweis auf die Befürchtung der Nationalsozialisten, „die Ausbreitung eines jüdischen Nationalismus über die Landesgrenzen“ sollte dabei nicht gering geschätzt werden, dies kann, ja muss in Anbetracht der aktuellen Entwicklungen wohl auch als Mahnung gelesen werden. Nicht einmal Israel selbst definiert seine aktuellen, seine zukünftig angestrebten Außengrenzen. Die bis 1967 geltenden sind faktisch Makulatur, wie gerade diese Tage und in erstaunlicher Offenheit von israelischen Regierungsmitgliedern zu lesen ist. Ein Konsens im Rahmen des Völkerrechts (wie bei der Staatsgründung) scheint daher und bei der weltweit zunehmenden Isolierung Israels in immer weitere Ferne zu rücken; leider!

        Und genau dies, die Sorge um das jüdische Projekt insgesamt treibt sogar gemäßigte Zionisten, treibt jüngere amerikanische Juden jenseits der berufsoffiziellen Strukturen um. Wie beispielsweise Peter Beinart; siehe dessen Blog „Open Zion“, das gerade in den USA stark diskutierte Buch „The Crisis of Zionism“ – ganz ohne Adorno…

      • ForenBoy Says:

        vielleicht dient es ja der notwendigen Transparenz, sich folgenden Link einmal näher anzusehen, ich bin nämlich für offen Karten.:

        http://goo.gl/ggryA

        da fiel folgender Kommentar von mir zu dem Blogeintrag hier nämlich der dort üblichen Zensur zum Opfer:

        es amüsiert mich ungemein,wie ein strickter Anti-OT-Verfechter wegen eben diesem dort abgebügelt wird…. 🙂

        Ich frage mich allerdings auch, wem dieses endlose Geschwafel um die Meinung von Einzelnen den betroffenen Menschen in der Region nützt.
        Ganz ehrlich, ich fürchte NICHTS.
        Im Gegenteil, werden doch notwendige Handlungen ersatzweise mit diesen nicht enden wollenden selbstgefälligen Beweihräucherungen des eigenen Egos einfach zerredet und verdrängt.

        Oder anders ausgedrückt: selbst wenn den Diskutanten ehrliche Intentionen für eine Lösung unterstellt werden könnten, was beileibe sicher nicht immer der Fall ist, haben diese Endlosdiskussionen bislang eher kontraproduktiven Charakter.

        Jedenfalls waren die Verhältnisse in, um und für Palästina/Israel nie schlechter als heute.


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