Queer und Quoten in der Piratenpartei

tl;dr Die (Un-) Sichtbarkeit von Frauen* in der Piratenpartei, der Widerspruch von Queer gegen Quoten und warum Queer Quoten unterstützen

Wir leben in einer Gesellschaft, in der das Geschlecht das Leben der Menschen bestimmt.[1]  Das ist ein Faktum, das zu akzeptieren ist, da es die gesellschaftliche Realität abbildet.

Darum ist Geschlechterpolitik auch ein Dauerbrenner in den Auseinandersetzungen der Piratenpartei. Und wer jetzt sagt „Das ist erst so, seitdem die ganzen Feministinnen dabei sind“, der belügt sich selber. Denn auch wenn in der Piratenpartei die Geschlechterfrage nicht diskutiert wurde, so war sie doch immer manifest. Sie war manifest durch die Tatsache der Abwesenheit und die Unsichtbarkeit von Frauen* in der Partei. Diesen sichtbaren Mangel durch Verweis auf Nichterfassung des Geschlechts in Beitrittserklärungen oder mit „Postgender“ Geschwurbel weg leugnen zu wollen ist unehrlich und realitätsfremd.

In dieser Unehrlichkeit gleichen Teile der Piratenpartei der katholischen Kirche, die auch nicht wahr haben will, dass die Abwesenheit von Frauen* in Führungspositionen sie gesellschaftlich isoliert. Und gegenüber der Piratenpartei ist die katholische Kirche in ihrer Mitgliedschaft sogar noch im Vorteil, denn dort stellen Frauen* einen Anteil, der ihrem gesellschaftlichen Anteil entspricht. 

Postgender“

In Bezug auf Geschlecht, gleichberechtigte Teilhabe von Menschen, Sexismus und die strukturelle Benachteiligung von Frauen* in der Gesellschaft haben wir in dieser Partei verschiedenste Positionen und oft auch inkompatible Ansichten.

Es gibt in der Piratenpartei einerseits Menschen, die die Kategorie „Geschlecht“ für überkommen und nicht relevant halten.

Andere Menschen nutzen den Begriff „Postgender“ zur Beschreibung einer Utopie, darunter viele der Queer in der Piratenpartei.

Eine weitere Gruppe nutzt den Begriff „Postgender“, um jede Diskussion über Geschlechterverhältnisse zu unterminieren. Ihnen ist die mangelnde Repräsentanz von Frauen* und ihre Unterrepräsentation bei den Mitgliedern der Piratenpartei schlicht egal. Sie empfinden das Fehlen eines relevanten Teils der Gesellschaft in dieser Partei als unbedeutsam.

Die (Un-) Sichtbarkeit von Frauen* in der Piratenpartei

Womit wir schon beim zweiten Teil wären, der Repräsentanz von Frauen* in der Piratenpartei.

Warum sind Frauen* im Vergleich zur Gesamtgesellschaft so wenig in der Piratenpartei vorhanden und sichtbar? Und noch wichtiger, warum sind die wenigen vorhandenen Frauen* in der Piratenpartei so unterproportional präsent? Zu sagen: “Natürlich können Frauen* hier mitmachen, aber wenn Frauen* hier nicht mitmachen wollen, ist das nun mal so.” zeigt nur, wie wenig Bewusstsein zu elementaren gesellschaftspolitischen Fragen in der Partei vorhanden ist. Es reicht nicht, wenn vor Wahlen auf den Plakaten und in den Medien Frauen* sichtbar, mit gefühlten fast 50% auch überrepräsentiert sind, aber bei Vorstandwahlen nicht kandidieren und bei Listenaufstellungen unterrepräsentiert sind.

So lange die Piratenpartei die geringe Sichtbarkeit und Beteiligung von Frauen* schlichtweg nicht interessiert, hat sie ein Problem, auch wenn sie es selbst nicht wahrhaben will. Und dieses Problem nicht anzuerkennen nimmt uns gesellschaftliche Gestaltungsmöglichkeiten. Das schwächt uns.

Was sind die Ursachen, wenn wir keine Frauen* finden, die begeistert „Her mit dem Wisch“ rufen, wenn sie eine Beitrittserklärung für die Piraten sehen?

Woran liegt es, wenn wir keine Kandidatinnen für Ämter und Mandatskandidaturen finden? Ist es schlicht der Mangel an motivierten Piratinnen oder ist es eine Parteikultur, die – wie in fast allen anderen Parteien auch – stark männlich geprägt ist und somit keineswegs der angestrebten „Postgender“-Utopie entspricht?

Und wenn es ein Mangel an Frauen* ist, der ihre Unterrepräsentanz verursacht: warum wird nicht darüber diskutiert, dass Frauen* nicht in die Piratenpartei kommen? Was schreckt Menschen ab, sich der Piratenpartei anzuschießen?

Was sagt das über eine Partei aus, wenn Frauen* sich nicht für sie interessieren, und was über eine Partei, für die sich Frauen* interessieren? Wie müssten wir sein, damit Frauen* sich gerne bei uns aufhalten? Sind wir als Menschen in der Piratenpartei wirklich offen für Frauen*, die etwas einbringen wollen, oder erwarten wir insgeheim ihre Anpassung an das, wie es hier schon immer war?

Wir müssen diese Fragen beantworten, wenn wir eine erfolgreiche, die gesellschaftliche Realität verändernde Partei sein wollen.

Unser Umgang mit Minderheiten

Wir müssen uns aber auch andere Fragen stellen und zwar die nach unserem Umgang mit Minderheiten wie Bisexuellen Menschen, Schwulen, Lesben, Transsexuellen, Transgender und Intersexuellen Menschen.

Ist die Piratenpartei ein Ort, an und in dem sich diese Menschen gerne aufhalten? Ist sie ein Ort, an dem Ausgrenzung gegenüber allen, die nicht heteronormierter „Mann“ oder heteronormierte „Frau“ sein wollen, aktiv bekämpft wird?

Ist die Piratenpartei ein Ort, an dem individuelle Diskriminierungs- und Ausgrenzungserfahrungen anerkannt und als prägend für das Individuum respektiert werden?

Ich beantworte diese Fragen für mich deutlich mit „nein“.

Nehmen wir als Beispiel die Quotendiskussion.

Viele Queer in der Piratenpartei, so auch ich als schwuler Mann, stehen einer Frauenquote skeptisch gegenüber. Nicht, weil sie gegen den Mechanismus als solches sind. Auch nicht, weil sie dagegen sind, mit Hilfe eines Tools die Repräsentanz und Sichtbarkeit von Frauen* in der Piratenpartei zu erhöhen. Und schon gar nicht, weil sie meinen, dass eine Quote Frauen* unberechtigterweise bevorzugen würde. Im Gegenteil: das Ziel, das eine Quote verfolgt, wird von den meisten Queer, so auch mir, begrüßt.

Sie sind skeptisch, weil eine Quote in ihren Augen Zweigeschlechtlichkeit und damit ihre Ausgrenzung reproduziert. Für Queer ist heterosexuelle Zweigeschlechtlichkeit, neben anderem, die hauptsächliche Grundlage ihrer objektiv vorhandenen und subjektiv erlebten Diskriminierung und Marginalisierung.

Der Queer Ansatz zur Erklärung von Diskriminierung

Geschlecht und Sexualität bestimmen grundsätzlich die Art, wie Herrschaft in unserer Gesellschaft funktioniert. Nach Judith Butler sind biologisches Geschlecht, soziales Geschlecht und Begehren innerhalb einer sozialen Verbindung miteinander verschränkt. In unserer Gesellschaft drückt sich dies in Heteronormativität aus. Also in einem System, welches von einer zweigeschlechtlichen Norm ausgeht, in der sich die beiden Geschlechter in ihrem Begehren wechselseitig aufeinander beziehen. Ganz platt ausgedrückt: es ist gesellschaftliche Norm, dass als „natürlich“ vorausgesetzt wird, dass eine Frau einen Mann begehren muss und umgekehrt.[2]

Formen sexueller und geschlechtlicher Identitäten, die davon abweichen, werden aufgrund dieser Abweichung in dieser Gesellschaft diskriminiert, oft politisch und was viel entscheidender ist, auch sozial bekämpft. Die so erzeugte Unterdrückung geht nicht von irgendeiner anonymen Macht aus. Wir selber reproduzieren diese Machtverhältnisse in unserem sozialen Miteinander. Wir tun dies, indem wir uns als Mann oder Frau erkennen, von geschlechtsspezifischen Bedürfnissen ausgehen und uns dementsprechend „normal“ verhalten.[3]

Menschen, die sich anders, wider die Norm verhalten, werden in dem sozialen Miteinander diskriminiert, indem sie permanent als das abweichende, normenverletzende gekennzeichnet werden. Das Beharren auf Geschlechtszuschreibungen ist in sich ein Akt der Diskriminierung all jener, die sich Geschlechtszuschreibungen und den daraus abgeleiteten gesellschaftlichen Normen des Begehrens entziehen wollen, weil sie nicht ihre Lebensrealität widerspiegelt.[4]

Queer wollen eine Gesellschaft, in der Menschen frei von starren Geschlechtszuschreibungen leben und eigene Identitäten entwickeln können. Denn nur in einer solchen Gesellschaft sind sie Teil des Ganzen und nicht das Abweichende oder Ausgegrenzte.

Der Widerspruch von Queer gegen Quoten

Und genau hieraus ist der Widerspruch von vielen Queer gegen Quoten zu erklären. In ihren Augen verfestigen Geschlechterquoten Geschlechtszuschreibungen und Verhältnisse, in denen sie als anders, ungleich, abweichend von der Norm gekennzeichnet sind. Für sie entfernt man sich damit ein Stück weit von der Utopie einer Gesellschaft, in der Geschlechter aufgebrochen wurden und wir nur noch Menschen sind.

Dies ist ein subjektives Empfinden, das dem Leiden an einer Gesellschaft entspringt, die ihnen ein gleichberechtigtes Leben verwehrt. Dies nicht ernst zu nehmen oder es als irrelevant abzuwerten ist z.B. für mich nichts Neues, da es schon immer Bestandteil meiner Lebensrealität ist, aber nichts desto trotz kränkend, verletzend und entwürdigend.

In der gesamten Quotendebatte und im Umgang mit den zweifelden Queer, z.B. Schwulen, zeigt sich auch, dass Heterosexismus nach wie vor ein Randthema ist, denn viele der Angriffe, denen Schwule in dieser Debatte ausgesetzt sind, sind geprägt von einem tiefsitzenden Heterosexismus. Es zeigt sich außerdem, dass Heterosexualität eine nicht wirklich hinterfragte „Normalität” und Weiblichkeit und Männlichkeit, also Zweigeschlechtlichkeit, eine weithin akzeptierte „Tatsache” darstellen, die unhinterfragt akzeptiert wird.

Natürlich weiß ich, dass Frauen* in unserer Gesellschaft marginalisiert und diskriminiert werden. Ich realisiere auch die Existenz von Machtstrukturen, die Frauen*, aber im Grunde allen Menschen, ein gleichberechtigtes Leben verwehren.

Und darum weiß ich auch, dass die Piratenpartei an einer Quote als Brückentechnologie, die die Beteiligung von Frauen* erhöht und die Piratenpartei langfristig verändert, nicht vorbei kommen wird. Und das ist auch gut so, denn  Marginalisierung zu akzeptieren, weil es in einer fernen Zukunft ja besser werden könnte, ist für mich indiskutabel.

Eine Quote trägt aber, so fürchte ich, ebenso wie viele Queer, dazu bei, dass die Sichtbarkeit und Wahrnehmung von Queer, besonders von sich als schwul definierenden, abnehmen wird und sie so erneut marginalisiert werden. Und diese Angst hat nichts mit Neid oder anderem zu tun, sondern beruht auf Diskriminierungs- und Marginalisierungserfahrungen.

Sichtbarkeit und Wahrnehmung von Queer

Dass die Sichtbarkeit und Wahrnehmung von Queer, besonders von sich als schwul definierenden, wahrscheinlich abnehmen wird, ist subjektiv unbefriedigend, für mich aber akzeptabel.

Warum akzeptabel? Viele Lesben betrachten die Piratenpartei mit äußerster Skepsis. Sie schreckt das in Medienberichten vielfach kolportierte frauenfeindliche Klima besonders stark ab, da sie nicht nur Anfeindungen aufgrund ihrer Rolle als Frau, sondern auch aufgrund ihrer Rolle als Homosexuelle ausgesetzt wären (Mehrfachdiskriminierung). [5] Ich verbinde mit der Quote die Hoffnung, dass sie die Sichtbarkeit von Lesben in der Piratenpartei erhöht. Ich verbinde mit ihr auch die Hoffnung, dass sie dazu beiträgt, die Mehrfachdiskriminierung von Lesben in der Piratenpartei abzumildern. Damit hätten alle viel gewonnen, denn bisher sind Lesben innerhalb der Piratenpartei kaum sichtbar und das hat auch etwas mit unserem Umgang miteinander und dem Klima in der Partei zu tun.

Ich habe vor über einem Jahr geschrieben: „Ich unterstütze die Einführung von Quoten, weil sie meine Stellung als Queer in dieser Gesellschaft nicht verschlechtern, aber Frauen* größere Gestaltungsmöglichkeiten eröffnen. Dies beinhaltet die Chance auf eine positive Veränderung für mich“ [6]

Ich stehe nach wie vor zum ersten Satz, weiß aber inzwischen, dass der zweite Satz illusorisch ist. Ich weiß aber auch, das der Status-Quo innerhalb der Piratenpartei, die Ignoranz der mangelnden Repräsentanz von Frauen*, uns alle gesellschaftlich nicht weiterbringt.

Ich danke sospirati und Manuel Wüst für die Rechtschreibkorrektur.

[1] Eine allgemeine Weisheit, aber auch in „Fuck Gender, be yourself – Queer feministisches Manifest“ enthalten

[2] Butler, Judith: Gender Trouble : Feminism and the Subversion of Identity; New York (u.a.) 1990. (Dt.: „Das Unbehagen der Geschlechter“); http://autof.files.wordpress.com/2010/02/butler-judith-gender-trouble-feminism-and-the-subversion-of-identity-1990.pdf

[3] „Fuck Gender, be yourself – Queer feministisches Manifest“

[4] Siehe Butler, Judith: Die Macht der Geschlechternormen und die Grenzen des Menschlichen. (am. Originaltitel: Undoing Gender. 2004) Suhrkamp, Frankfurt am Main 2009, ISBN 978-3-518-58505-4. http://selforganizedseminar.files.wordpress.com/2011/07/butler-undoing_gender.pdf

[5] Das beruht auf Subjektiven Erfahrungen von mir und Einschätzungen einiger anderer Personen.

[6] https://kpeterl.wordpress.com/2012/10/24/quoten-sind-scheise/

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5 Kommentare - “Queer und Quoten in der Piratenpartei”

  1. korbinianpolk128 Says:

    ich stimme dir zu dass eine „harte“ 50/50 geschlechterquote menschen ausgrenzt die sich da entweder nicht einordnen wollen oder können. es gibt menschen die sich zwischen den geschlechtern bewegen: inter- und transsexuelle. deswegen finde ich den vorschlag richtig eine 30% geschlechterquote einzuführen . aber den vorschlag eine 30%-qúote für alle bisher in der piratenpartei zu schlecht repräsentierten vollkommen kontraproduktiv, zu unterschiedlich sind die problemstellungen. ein schwuler mann is ein mann und würde durch so eine regelung bevorzugt. eine lesbische frau ist eine frau und würde durch so eine regelung benachteiligt. diskriminierung aufgrund der sexualität oder zb auch aufgrund des alters, der herkunft oder der bildung müssen extra behandelt werden, sie sollten bitte niemals gegeneinander ausgespielt werden.

    • kpeterl Says:

      Lieber Korbinian,
      das schwule „Männer“ „Männer“ sind, wird ihnen permanent abgesprochen. Es ist Teil ihrer Diskriminierungserfahrungen, eben keine „Männer“ zu sein. Und die, die ihnen das absprechen sind sowohl Hetero „Männer“ als auch hetero Frauen.
      Und ja, Schwule sind gegenüber Lesben, Tras* Menschen, Transsexuellen und Intersexuellen Privilegiert, aber eben nicht gesellschaftlich.
      Es geht auch nicht darum, das verschiedene Formen von Diskriminierung und Marginalisierung gegeneinander ausgespielt werden.
      Es geht schlicht darum, das verschiedene Formen von Diskriminierung und Marginalisierung anerkannt werden. Und genau das sehe ich in der gesamten Diskussion nur selten.
      Lg
      Peter

      • korbinianpolk128 Says:

        dass schwule nicht diskrimiert werden würde ich niemals behaupten, und wenn das so rüberkam dann tut es mir leid. ich finde halt nur die argumentation dass frauen/männerquoten schwule/lesben unsichtbar machen würden nicht verständlich. bei geschlechterquoten auf menschen zwischen den geschlechtern zu achten allerdings sehr.

      • kpeterl Says:

        Nach Butler ist das Subjekt „Frauen“ eine Kategorie, die vereinheitlicht, wo es keine Einheit gibt. Indem der Begriff „Frauen“ eine scheinbar feste kollektive Identität konstruiert, sind in ihm Ausschlussmechanismen enthalten, nämlich für all jene, die sich unter diesen Begriff der eine klar definierte Bedeutungen beinhaltet, nicht einordnen können oder wollen.

        Der bisherige Feminismus betrieb also nach Butler reine Identitätspolitik und beruhte auf der Annahme eines feststehenden Subjekts, das eine feste Identität hat.

        Ein Problem ist, dass ein Subjekt immer ein geschlechtliches Subjekt sein muss. Subjekte sind überhaupt nur Subjekte, weil sie eine feste Geschlechtsidentität besitzen; andernfalls wären sie gesellschaftlich nicht als Subjekte anerkannt.
        Wenn also das Subjekt „Frauen“ eine Kategorie ist, die vereinheitlicht, wo es keine Einheit gibt, ist auch das Subjekt „Männer“ eine Kategorie, die vereinheitlicht, wo es keine Einheit gibt. Es gibt keine feste kollektive Identität „Männer“. Dementsprechend sind auch aussagen wie „ Schwule, Bimänner und Heteromänner haben das gleiche Geschlecht, sie sind Männer.“ falsch, den sie konstruieren eine kollektive Geschlechter Identität die als solche inexistent ist.
        Hier wird Geschlecht naturalisiert, indem ein biologischer Geschlechtskörper geschaffen wird.

        Es ist aber nicht so, dass Körper entweder weibliche oder männliche Körper sind. Sie werden erst durch den Diskurs, der die heterosexuelle Matrix hervorbringt, zu solchen geformt. So entsteht und reproduziert sich Zweigeschlechtlichkeit
        Zweigeschlechtlichkeit basiert auf Ausschlussmechanismen für alle diejenigen Identitäten bzw. Körper die aus dem Raster fallen, die ihm nicht entsprechen, z.B. keine Eindeutigkeit aufweisen, sich nicht eindeutig zuordnen lassen. Dahinter steckt ein bestimmter Begriff von Identität bzw. Subjekt. Identität und Subjekt werden, wie in der Aussage „ Schwule, Bimänner und Heteromänner haben das gleiche Geschlecht, sie sind Männer.“ als fest und geschlossenen angesehen. Feste geschlossene Identitäten basieren immer auf Ausschluss, und nur solche festen Identitäten bekommen einen Subjekt- bzw. Personenstatus zugesprochen. Außerdem ist das Denken in binären Oppositionen Teil eines dualistischen Denkens, und dies wird von Butler als patriarchal und die dahinterstehende Bedeutungsökonomie als maskulin charakterisiert.

        Das zwängen von Menschen in eine kollektive Geschlechter Identität ist in sich schon ein Akt der Gewalt, weil er die Zuweisung eines Geschlechts auf der Basis eine Konstruierten biologischen Geschlechtskörpers ungefragt vornimmt.
        In der Aussage „ Schwule, Bimänner und Heteromänner haben das gleiche Geschlecht, sie sind Männer.“ stecken ebenso viele Annahmen über das Sein eines Menschen wie Zuweisungen von Attributen aufgrund der Zuweisung eines Geschlechts auf der Basis eine Konstruierten biologischen Geschlechtskörpers. Im Übrigen ist sie schlicht falsch, denn sie beinhaltet die Behauptung, nur Männer könnten schwul sein. [1]

        [1] Butler, Judith: Gender Trouble : Feminism and the Subversion of Identity; New York (u.a.) 1990. (Dt.: „Das Unbehagen der Geschlechter“); http://autof.files.wordpress.com/2010/02/butler-judith-gender-trouble-feminism-and-the-subversion-of-identity-1990.pdf


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