Das #Toilettengate, DIE #LINKE und der Aufruf „Ihr sprecht nicht für uns“

Die Tätlichkeiten in den Räumen der Bundestagsfraktion gegen Gregor Gysi und das uneinsichtige Verhalten der daran beteiligten Genoss*Innen haben ein neues Niveau der Auseinandersetzung in DIE LINKE offenbart.

Die Vorgeschichte

Die „Journalisten“ Max Blumenthal und David Sheen waren von Inge Höger und Anette Groth, die zum „Antizionistischen“ Flügel der Partei gehören, zu einem „Fachgespräch“ in den Bundestag eingeladen worden; dies war nötig, weil Gregor Gysi unterbunden hatte, dass im Namen der Fraktion und im Fraktionssitzungssaal der Linken getagt werden konnte. Die „Journalisten“ sind berüchtigt dafür, das sie bei ihren Auftritten „antisemitische Ressentiments bedienen und die Terrorherrschaft der Nazis durch Vergleiche mit der israelischen Regierung relativieren„.

Für die Abgeordneten Inge Höger und Anette Groth ist dies Augenscheinlich der Ausweis, um bei einem „Fachgespräch“ auftreten zu dürfen.

Nach dem „Fachgespräch“, an dem rund 60 Personen teilgenommen hatten, zog eine Gruppe, unter ihnen Inge Höger, Anette Groth, Heike Hänsel und Claudia Haydt, zum Büro von Gregor Gysi. Dort lauerten ihm Sheen und Blumenthal auf und verfolgten ihn bis auf die Bundestagstoilette.

Ein Video dieser Aktion, das vom „Journalisten“ Martin Lejeune gedreht wurde, ist auf Youtube abrufbar.

Martin Lejeune hatte bereits im August die „Erschießung von 18 Menschen durch die palästinensische Terrororganisation Hamas als „ganz legal“ und die finanzielle Versorgung der Hinterbliebenen der Opfer durch die Terroristen als „sehr sozial““ bewertet. Dass Menschen, die derartige Morde begrüßen, Gäste von Abgeordneten sind, ist sicherlich auch ein trauriges Novum in der Geschichte der Partei DIE LINKE.

Aber nicht nur diese Jagdszenen im Bundestag stellen eine Beschädigung der gesamten Partei dar.

Schon die Veranstaltung, die diesen Ereignissen vorausging, ist ein Skandal für sich.

Während des „Fachgesprächs“ wurde zu Boykottkampagnen gegen Israel aufgerufen und behauptet, der Zionismus habe sich zu einem weltweiten Rassismus entwickelt. Auch hätten Teilnehmer palästinensische Opfer der jüngsten militärischen Auseinandersetzung zwischen der Hamas und Israel als indirekte Opfer des Holocausts bezeichnet.

„Ihr sprecht nicht für uns“

Die Fraktion hat sich mit scharfen Worten von den Vorgängen distanziert, nachdem sich die beteiligten Genoss*Innen entschuldigt haben. In der Entschuldigung erklärten sie sich „persönlich schwer betroffen angesichts der Eskalation vor Gregor Gysis Büro“.

Die Betroffenheit hielt allerdings nicht lange. Auf der Webseite, auf der Inge Höger die Entschuldigung verlinkt wurde, war schon im einleitenden Text nicht mehr viel davon zu spüren.

So hat Inge Höger das übergriffige Verhalten ihrer Gäste Max Blumenthal und David Sheen so verharmlost: „Verschiedene Aktivist*Innen konfrontierten Gregor Gysi vor seinem Büro.

Da wird ein Mensch bedrängt und über die Gänge der Bundestagsfraktion gejagt. Eine Situation, „in der Gregor Gysi sich mit jemandem beschäftigen muss“, stellen sich die Meisten vermutlich anders vor.

Gegen diese Eskalation haben sich heute Dutzende führender Genoss*Innen mit der Erklärung „Ihr sprecht nicht für uns“ deutlich positioniert.

In der Erklärung wird nochmals das gesamte #Toilettengate rekapituliert und analysiert.

Die Unterzeichner*Innen des Aufrufs sind „beschämt über das Verhalten ihrer Genossinnen„, die einen „aufgeladenen Mob angeführt“ und nicht verhindert hätten, dass Gysi bedrängt und bedroht wurde. Groth, Hänsel, Höger und Haydt würden nicht die Ideale und Werte der Partei vertreten. Die Autoren der Erklärung greifen Max Blumenthal und David Sheen inhaltlich an und werfen ihnen vor, „unzulässige Vergleiche Israels mit der deutschen Nazidiktatur und den Terroristen des „Islamischen Staats“ zu ziehen“ Durch die Veranstaltung wurde obsessiver Hass auf den Staat Israel geschürt. Menschen in unserer Partei nutzen zur „Dämonisierung von Israel antisemitische Argumentationsmuster und befördern eine Relativierung des Holocausts und der deutschen Verantwortung für die millionenfache Vernichtung der europäischen Jüdinnen und Juden.

Die unterzeichnenden Genoss*Innen sind es leid, dass antisemitische Haltungen und Handlungen wie die der Gäste der Genoss*Innen, in der Linken „immer wieder folgenlos bleiben, als Petitesse betrachtet werden“. Denn das, „so sind wir überzeugt, muss als Ermutigung verstanden werden, so weiter zu machen„.

Die Genoss*innen schließen ihren Aufruf mit den Worten: „Wir stellen klar: Annette Groth, Inge Höger, Heike Hänsel und Claudia Haydt sprechen nicht in unserem Namen. Wir fordern sie auf, daraus Konsequenzen zu ziehen.

Die Autor*Innen haben eindeutig recht, DIE LINKE muss endlich einen offenen Diskurs über Antisemitismus in den eigenen Reihen führen und allen Antisemiten und Antizionisten in der Partei konsequent Grenzen aufzeigen. [1]

Den Aufruf findet ihr hier: „Ihr sprecht nicht für uns!

Update

Die „Antikapitalistische Linke“ hat heute mit einem auf Facebook veröffentlichten „Einstimmigen Beschluss des Länderrats der Antikapitalistischen Linken (AKL) vom 15.11.2014“ auf „Ihr sprecht nicht für uns” geantwortet.

 

Quellen:

Herzlichen Dank für Korrektur, Kritik, Anregungen.

Dieser Post ist als mein Beitrag zu einer Diskussion innerhalb der Emanzipatorischen Linken (Ema.Li) entstanden.

[1] Ich gehe hier nicht so weit wie das Forum demokratischer Sozialismus Baden-Württemberg, das „DIE LINKE muss endlich einen offenen Diskurs über Antisemitismus in den eigenen Reihen führen und sich konsequent von Antisemiten und Antizionisten in der Partei trennen.“ fordert. http://fdsbw.wordpress.com/2014/11/12/stellungnahme-des-forum-demokratischer-sozialismus-baden-wurttemberg-zu-den-vorgangen-um-die-abgeordneten-groth-hoger-und-hansel/

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