Archive for the ‘Männer’ category

Piraten und Abtreibung

16. Januar 2014

Tl;dr Es geht um Spätabbruch, Fakten zu Schwangerschaftsabbrüchen und die Frage des Selbstbestimmungsrechts der Frau

Da wirft ein Mensch die Idee eines Schwangerschaftsabbruchs bis zum 9. Monat (auch Spätabbruch genannt) ohne Zwangsberatung in den Raum und sofort empören sich reihenweise Mitglieder der Piratenpartei. [1]

Würde es beim Empören bleiben, so wäre das ja ok.

Aber sie gehen weiter: Die, die NICHT diskutieren wollen ersetzt die Diskussion durch die Beschimpfung der Stichworgeberin. Wörter wie „Kindermörderin“, „Verfassungsfeindin“ , „Terroristin“ oder „Wegbereiterin für Euthanasie“ werden von einzelnen genutzt, als sei „Lebensschützer“-Propaganda Teil des Grundsatzprogramms der Piratenpartei. [2]

Der UN-Menschenrechtsrat und das BVerfGE als „Kindermörderin“?

Der UN-Menschenrechtsrat hat bei seiner 18. Generalversammlung im Jahre 2011 seine „Besorgnis über Hindernisse zum Ausdruck gebracht, die Schwangerschaftsabbrüchen da, wo sie gesetzlich zugelassen sind, in den Weg gestellt werden“ [3]. Der Berichterstatter, Anand Grover aus Indien, forderte bei der Übergabe des Berichts, „sämtliche Hindernisse zu Abtreibungen zu beenden“.

Nun ist die „soziale Indikation“ oder auch die „Fristenlösung“ sicherlich nichts anderes als eine „legale Restriktion“, deren Abschaffung der UN-Menschenrechtsrat fordert. Auch die „medizinische Indikation“ bei dem Spätabbruch bis zum 9. Monat stellt eine solche Restriktion dar, die beseitigt werden soll. Nun kann ich mich aber nicht erinnern, dass die, welche sich jetzt am lautesten empören, im Jahre 2011 schrieben: „Der „@UN-Menschenrechtsrat ekelt mich mit seiner Meinung zu Abtreibung einfach nur an“.
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Sexismus und andere Widerlichkeiten

29. November 2012

Am 27. November ist ein Mann von seiner Funktion im Landesvorstand BW zurückgetreten. [1]

Am 26. November ist eine Frau von ihrer Funktion in einem Bezirksvorstand in BW zurückgetreten und aus der Piratenpartei ausgetreten.[2]

Der Mann tritt ohne Angabe von Gründen von seiner Funktion zurück.

Seinen Rücktritt bedauern, öffentlich auf der Mailingliste des LV BW: der Landesvorsitzende, ein Stellvertretender Bundesvorsitzender, ein Bezirksvorsitzender, und andere. Keiner von 17 Schreibern Fragt nach Gründen.

Die Frau tritt ohne Angabe von Gründen von ihrer Funktion zurück.

Ihren Rücktritt bedauern, öffentlich auf der Mailingliste des LV BW: der Vorsitzende ihres Bezirks und ein weiteres Mitglied der Piratenpartei. Zwei von 4 Schreibern bemängeln das fehlen von Informationen bezüglich des Rücktritts.

Am 28. November 2012 nimmt der Mann auf seinem Blog Stellung zu seinem Rücktritt und gibt dort unter anderem den Vorwurf der Intransparenz bei der Arbeit im Lavo gegen ihn als Grund an.[3]

Am 27. November 2012 nimmt die Frau auf der Mailingliste BW Stellung zu ihrem Rücktritt und erklärt dort unter anderem „Das Sexisten-Thema hat enorm zugenommen, ich habe mich am Ende als Frau nicht mehr wohl gefühlt“.[4]

Der Erklärung des Mannes folgen wortreiche Postings auf der Mailingliste, in denen klarstellt wird, das die die Vorwürfe, die ihm gemacht wurden, haltlos sind. Hier äußert sich auch ein stellvertretender Bundesvorsitzender.

Der Erklärung der Frau folgt eine bitte um Konkretisierung des Sexismus Vorwurfs.

Die Erklärung erfolgt.

Die Erklärung, die sie Liefert, ist ein Armutszeugnis für die Piratenpartei.

Sie schreibt, das in ihrem Umfeld „zu viele Sexistische Kommentare gefallen sind“. Sie schreibt, das sie sich „nicht mehr als Mensch (Frau) sondern wie ein Stück Fleisch das man in ein Rudel Wölfe wirft“ gefühlt hat.

Ein einziger Schreiber bezieht dazu Stellung, er zeigt sich entsetzt über das geschehene und  zieht Rückschlüsse für die Piratenpartei.

Your back’s against the wall

There’s no one home to call

An diese stelle mache ich einen cut. Das pure gegenüberstellen der beiden fälle zeigt sehr deutlich das Vorhandensein von Doppelstandards in der Behandlung von Mann und Frau in der Piratenpartei. [5]

Die pure Gegenüberstellung beider Fälle zeigt, das der Mann dieser Partei wichtiger ist. Als er seinen Rücktritt Begründet, wird er, höchst Prominent, gegen Angriffe verteidigt.

Von der Frau wird eine Begründung für ihren schritt eingefordert. Als sie ihn begründet, wird von ihr eine Klarstellung gewünscht. Nachdem sie diese geliefert hat, passiert ….nichts.

Ich war nach, nachdem ich gelesen habe, das sich Mel in der Piratenpartei nicht „mehr als Mensch (Frau) sondern wie ein Stück Fleisch das man in ein Rudel Wölfe wirft“ fühlt, entsetzt.

Ich kenne Mel eigentlich als sehr offenen, Freundlichen, aber auch verletzlichen Menschen. Ich habe in den letzten Monaten mehrmals mit ihr über twitter und per Mail verschiedene Themen diskutiert. Dabei ist mir nie aufgefallen, wie unwohl sie sich in der Piratenpartei fühlt. Das bedauere ich für mich und es tut mir leid. Es tut mir leid, das ich Mel nicht das Gefühl vermittelt habe, mit mir über „Sexistische Kommentare“ und das vorgehen gegen die Urheber Reden zu können.

Das ist die eine ebene, die des persönlichen Versagens im Konkreten Fall.

Die andere Ebene ist die des Politischen Umgangs mit diesem Fall.

Ein solcher Politische Umgang ist schlich nicht vorhanden.

You’re forgetting who you are

You can’t stop crying

Wenn eine Frau, weil sie das sie umgebende Sexistische Klima nicht erträgt, von ihrer Funktion zurück und aus der Partei austritt, wird dies nicht diskutiert.

Klar ist, dass die Piratenpartei nicht außerhalb der Gesellschaft steht, sondern tief in ihr und ihren Strukturen und Denken verwurzelt ist. Nur aufgrund ihrer emanzipatorischen Ansprüche werden Mitglieder der Piratenpartei nicht zu besseren Menschen. In unserem Umfeld, zum Beispiel bei Stammtischen, deren Teilnehmer als weitestgehend politisiert bezeichnet werden können, fehlt viel zu häufig das Bewusstsein für antisexistische Themen.

Eine Verbale Ablehnung von Sexismus gehört zwar in der Piratenpartei inzwischen beinahe zum Selbstverständlichen Standard, wird jedoch kaum mit Inhalten gefüllt. So kommt es nicht selten vor, dass Blogs mit sexistische Texten unreflektiert weiterverbreitet werden. Wird dies, selten genug, thematisiert, ist die Reaktion oft Unverständnis. Da wird geschrieben, man dürfe das alles nicht zu ernst nehmen, schließlich sei es ja nur ein Text, das alles sei nur eine Interpretationsfrage etc.

Auch in anderen Piraten Strukturen ist Sexismus ein niemals endendes Thema. Trotz des vielen Geschriebenen und Gesagten sind im Bezug auf die Sensibilisierung gegenüber Sexismus und den Umgang miteinander kaum Fortschritte sichtbar geworden. Im Gegensatz zu anderen Themen verlaufen Diskussionen über Sexismus oft emotional aufgeheizt und kommen über das Gerede von nötigen Strukturänderungen selten hinaus.

It’s part not giving in

Part trusting your friends

Außerdem scheint es, als immer und immer wieder dieselben Diskussionen geführt werden.

Wir sprechen das Thema immer und immer wider an, weil es immer und immer wieder „Fälle“ wie die den jetzigen gibt.

Diese „Fälle“, die vieles, nur keine „Einzelfälle“ sind, sollten uns innehalten lassen und von uns zur Ruflektion unserer Strukturen und des Umgangs Miteinander bewegen.

Wir müssen uns der Frage stellen: warum sprechen Frauen Sexistische Vorfälle, Queer homophobe Vorfälle nicht offen an? Und wenn sich sich zu Ohnmächtig fühlen, den Diskriminierenden offen entgegenzutreten, warum sprechen sie solche Vorfälle nicht bei Menschen an, denen sie Vertrauen?

Das Problem hier ist die Angst, zu versagen, das Unbehagen, sich durch ansprechen des Problems aus der Gruppe zu Exkludieren. Die Angst, wenn man die Diskriminierung anspricht, nicht gegen den Diskriminierenden alleine zu stehen, sondern sich auch noch mit den immer vorhandenen Verharmlosern solcher fälle auseinander setzen zu müssen.

Diese Ängste können nur überwunden werden, wenn sie aktiv angegangen werden und sich nicht auf einem Status Quo ausgeruht wird.

Frauen in der Piratenpartei gehen oftmals, aufgrund der angst, aus „der Gruppe“ ausgeschlossen zu werden, Kompromisse in Bezug auf die Thematisierung sexistischer Verhaltensweisen ein.

Oft genug verzichten sie auf das Ansprechen von Sexismus, obwohl sie ihnen eigentlich wichtig wäre, weil sie negative Reaktionen befürchten.

Diese Reaktionen müssen nicht verbal geäußert werden, ein Augenrollen oder andere Anzeichen von genervt sein reichen oftmals aus, um Frauen einzuschüchtern.

Das diese Anzeichen unwidersprochen belieben vermittelt Frauen, dass kein Interesse an einer Auseinandersetzung über das Thema gibt.

Sexismus wird innerhalb der Piratenpartei nicht nur belächelt, sondern auch gerne übergangen oder kleingeredet. Frauen werden so gezwungen, Kompromisse einzugehen. Sie tun das, um sich nicht den Vorwurf auszusetzen, sie würden ständig Nebensächlichkeiten „eskalieren lassen“.

Wenn die Piratenpartei gesellschaftlichen Sexismus und eigenes sexistisches Verhalten ignoriert, wird sich nichts ändern.

You do it all again and I’m not lying

Wir müssen aber dringen etwas ändern.

Wir müssen aus der Piratenpartei (wieder?) einen Ort machen, in dem jeder Mensch sich traut, seine Probleme mit Wertenden Äußerungen, Abwertungen und Diskriminierung ohne Angst anzusprechen.

Wir müssen ein Klima erzeugen, das Menschen nicht verängstigt, sondern in der Gruppe stark macht. Wir müssen, wenn ein Mensch Diskriminierung anspricht, dies nicht zerreden und instinktiv dem Diskriminierenden beispringen, weil er angeklagt ist.

Wir müssen Diskriminierendes Reden gemeinsam objektiv analysieren und dann Partei ergreifen, ohne Opfer aus der Gruppe zu Exkludieren. Sogar wenn wir anderer Meinung als das Opfer sind: wir müssen dem Opfer zuhören, dürfen seine Gefühle und Empfindungen nicht als von vornherein Unbegründet abtun.

Wir alle müssen uns aufgefordert fühlen, unser verhalten und handeln selbst zu Reflektieren und die Diskussion bzw. Befassung mit dem Thema Sexismus ernst zu nehmen!

 

Zwischenüberschriften aus The Gossip – „Standing in the way of control

[1] Rücktritt

[2] Rücktritt BZV S

[3] Macht euren Scheiss doch selbst…

[4] Stellungnahme Rücktritt BzV S

[5] Doppelstandard

Keine Frau, Nirgends

22. Oktober 2012

Die Piratenpartei ist, vor der Katholischen Kirche, und gleichauf mit der NPD, die am stärksten Männlich geprägte Vereinigung in der BRD. Katholischen Kirche, NPD und Piratenpartei nehmen in ihren Reihen Frauen auf, an wichtigen Positionen sind sie aber (fast) unsichtbar.

Erklären lässt sich dies in der katholischen Kirche durch die Weisungen aus dem Vatikan und in der NPD durch die Ideologie, der angehangen wird.

In der Piratenpartei trifft weder das eine noch das andere zu. Hier geschieht der Ausschluss über unterschwelligen Maskulinismus[1].

Er prägt das Reden, Handeln und die Überzeugungen vieler „männlicher“ und mancher „weiblicher“ Mitglieder [2] der Piratenpartei.

…What’s wrong with the world, mama“

Dieser Maskulinismus nutzt die Phrase, dass die Piratenpartei „Postgender“ [3] sei, um grundsätzliche Diskussionen zur Frage der Beteiligung von „Frauen“ an dem Leben der Partei auszuweichen.

„Postgender“ ist nicht, wie oft in der Piratenpartei gedacht, die Verneinung der Differenz von „Mann“ und „Frau“, sondern die Überwindung derselben.

Wer akzeptiert, dass Geschlechter Soziale Kategorien und Zuweisungen sind, kann darüber nachdenken, die kulturelle Prägung, die „Geschlecht“ ausmacht, zu überwinden.

Genau das passiert in der Piratenpartei aber nicht.

Diejenigen, die wie in einem Schluckauf Exzess gefangen, immer das Wort „Postgender“ absondern und es als definitionem von Politik betrachten, definieren sich, in der Hauptsache, gleichzeitig als „Männer“.

Sie wollen „Männer“ sein, bestehen auf ihrer Identität als jene und verweisen auf das „Postgender“ sein der Piratenpartei.

Die Form des Verwirrtheitszustands ist ähnlich dem, wenn Betrunkene darauf bestehen, Nüchtern zu sein.

“…People livin‘ like they ain’t got no mamas“

Der Lieblingsspruch der Anhänger der These, die Piratenpartei sei „Postgender“ ist jener, dass „Frauen“ ja kandidieren könnten, wenn sie wollte. Das es Diskriminierung sei, wenn man sie aufgrund ihres „Frauseins“ wähle. Das „Männer“ oft einzig aufgrund ihres „Mannseins“ gewählt werden, ist bei dieser Vorstellung schlicht ausgeblendet.

Wenn Qualifizierte „Frauen“ Kandidieren, aber nicht gewählt werden so muss man sich fragen: „warum ist dies so?“.

Die eine schreiben dann, dies liegen an der Qualifikation und das die „Männer“ einfach besser seine.

Ich aber bin der festen Überzeugung, dies liegt an der Strukturellen Geringschätzung von „Frauen“ und ihrem wirken. Es liegt selten daran, dass es bessere „Männer“ gibt.

„Männer“ sind oftmals einerseits nur deshalb „Besser“, weil sie die Definitionsmacht darüber besitzen, was „besser“ ist und was nicht. Zur Not wird, per Suggestivfrage beim Grillen nochmals Gelegenheit gegeben, das Besondere der eigenen Arbeit herauszustellen.

Ich begrüße es übrigens, wenn bei kandidierenden „Frauen“ auf hohe Qualität der Argumente geachtet wird. Ich wäre nur von der Ehrlichkeit der Handelnden Überzeugt, wenn es bei Kandidierenden „Männern“ genauso wäre.

Die Frage nach der Privilegierung von „Männern“ in Gesellschaft und Piratenpartei ist in dieser Partei nie wirklich aufgeworfen und analysiert worden.

Solange es kein Bewusstsein über die Patriarchalen und Heteronormativ geprägte Struktur dieser Partei gibt wird es auch keine Änderung dieser Strukturen geben.

Es ist eine Kontroverse, die nicht wegdiskutiert oder durch Verweigerung der Wahrnehmung beseitigt werden kann.

Dieser Konflikt muss ausgetragen werden.

…I think the whole world’s addicted to the drama “

Alle Menschen, die wissen, dass die Piratenpartei „Frauen“  nicht wie bisher in wichtigen marginalisieren darf, sollten in dieser Partei dafür wirken. Wenn diese Partei so weitermacht wie bisher, wird die Strafe ihre Existenz in einer Nische der Gesellschaft sein.

Alle Menschen in dieser Partei sollten sich SELBER vor allem erst mal ernsthaft fragen, ob man sich denn wirklich dafür interessiert, warum die Piratenpartei für „Frauen“ unattraktiver ist als für andere oder ob man sich mit dem Thema nur beschäftigt, weil man das heutzutage ebenso macht.

Es muss so sein, das es bei der Suche nach geeigneten Kandidatinnen für irgendwelche Posten nicht danach gehen, wie „gut“ sie in die vorhandene Kultur passen. Es muss auch als positiv wahrgenommen werden, wen sie Veränderungsvorschläge für und Einwände gegen die vorhandene Kultur haben.

Es befürworten und sich darüber freuen, wie bei „Frauen“ Stammtischen, wenn sich Menschen in Zusammenhängen organisieren, die Gender Fragen diskutieren, denn die Ergebnisse, die da erarbeitet werden, könnten alle Menschen in der Piratenpartei weiterbringen.

Ich wünsche mir eine schlicht mehr von „weiblicher“ Kultur geprägte Piratenpartei, in der verstanden wird, das der, der „Postgender“ blökt, von der Welt nichts begriffen hat.

Zwischenüberschriften aus Black Eyed Peas- „Where Is The Love“ http://www.youtube.com/watch?v=YYsLZHsRv0k

[1] Maskulinismus bezeichnet hier die Überzeugung, als männlich erachtete Eigenschaften seien naturbedingt allem anderen überlegen, sowie die Legitimation männlicher Gesellschaftlicher Dominanz. http://de.wikipedia.org/wiki/Maskulinismus

[2] Ich bin mir bewusst, dass ich im Folgenden sehr Essentialisierend [2a] über Geschlechterverhältnisse schreibe und mich Ausschließlich im Rahmen des zwei geschlechtlichen Systeme bewege. Dennoch ist für mich der Abbau von Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern das Ziel verbunden, dass die Kategorien Mann und Frau Irgendwann bedeutungslos werden.

[2a]http://de.wikipedia.org/wiki/Essentialismus

[3] Postgender ist eine Bezeichnung für die Abschaffung von Geschlechterunterschieden http://de.wikipedia.org/wiki/Postgender