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Zur Fiktion, das  Deutschenfeindlichkeit Rassismus ist

26. September 2012

Es gibt, in den Sync-Forum der Piratenpartei, besonders in dem der AG Migration, den Lesebriefspalten der Zeitungen dieser Republik, den Leserforen eben dieser Zeitungen, einen fast täglich wider aufbordenden, sich ausdauernd als strukturell blöde entlarvenden Monolog.

Der Monolog darüber, das „Deutschenfeindlichkeit“ Rassismus sei.

Es ist ein Monolog, weil die beteiligten an ihm immer wieder die gleichen, sich vor dem anderen, dem Fremden, hier in Form von Inländern mit anderer Staatsangehörigkeit auftretenden, Fürchtenden sind.

Sie monologisieren auf dem dabei üblichen abgrundtiefen Niveau, zu gegebene Zeit, auch über die Gedankenbilder von „Schwulen Kinderschändern“, „Männerhassenden Feministinnen“ und anderen Konstrukten ihrer unbegründeten Angst.[1]

…ich finde Rassismus scheiße,“

Dabei wird mit einer unerträglichen Leichtigkeit der Denkfaulheit mit begriffen wie Nation, Rasse und Rassismus um sich geworfen, das es denkenden Menschen vor lauter Begriffsverwirrung schwindlig wird.

Bei solchen ignoranten Versuchen, „Deutschenfeindlichkeit“ mit Rassismus gleichzusetzen, werden die Machtverhältnisse zwischen Mehrheitsbevölkerung und Minorisierten schlichtweg, weil unbekannt, ausgeblendet.

Diese Machtverhältnisse sind hierarchisch strukturiert. So können Angehörige des hegemonialen Bevölkerungsteils, in Deutschland sind dies „weiße“[2] Deutsche, immer wieder individuelle Anfeindungserfahrungen machen.

Was aber fehlt, und nie teil der Diskussion ist, ist die tatsche, das sie keinem strukturellen Rassismus ausgesetzt sind, der beispielsweise auf dem Arbeits- oder Wohnungsmarkt wirksam ist.

…alle sind gleich, schwarze wie weiße,“

Rassismus ist also immer an eine Machtposition gekoppelt und untrennbar von ihr durchwirkt, durchtränkt.

Die Frage der gesellschaftlichen Marginalisierung ist keine, die sich allein an der Größe einer Gruppe festmachen ließe, den macht ist unabhängig von der Anzahl der mächtigen.

Es kann durchaus der Fall sein dass Schüler mit „Migrationshintergrund“ in einigen Schulen die quantitative Mehrheit darstellen. Das ist in vielen Bereichen Berlins, NRWs, Hamburgs, Bremens usw., so.

Auf der Seite der Lehrerschaft spiegelt sich diese Verteilung aber niemals nie wider.

Die Schule ist kein Machtfreier Raum.Es sind, das wird keiner leugnen wollen, es sei den er kennt schule nicht, die Lehrer, die ihre Schüler benoten und disziplinieren und nicht umgekehrt.

…nur wegen ihrem aussehen werden sie verurteilt,“

Die Tatsache, die bezeichnend, ansonsten aber nicht weiter beweiskräftig ist, dass der Begriff „Deutschenfeindlichkeit“ ein gerne genutzter Kampfbegriff rechtsblöder und rechtspopulistischer Gruppierungen ist, ist unbestreitbar.

Angewendet wird die Nutzung diese Begriffs mit dem Ziel die, wie auch immer definierten und sich als solche fühlende „echten“ Deutschen als Opfer ihrer Minderheiten darzustellen.

Dass Übergriffe und Beleidigungen gegen „weiße“ Deutsche nicht aus Schulen gemeldet werden, die von „gutbürgerlichen“ Schülern mit „Migrationshintergrund“ besucht werden, deutet darauf hin, dass es sich um ein soziales Phänomen handelt, dessen Ursachen alles, nur nicht kulturell bedingt sind.

Das beschriebene Mobbing richtet sich an den betreffenden Schulen den Berichten von Lehrern zufolge nämlich genauso gegen Jugendliche mit „Migrationshintergrund“, die als „Streber“ gehänselt werden.

…es gibt Kriege, während jeder bei seiner Meinung bleibt,“

Wenn Angehörige marginalisierter Gruppen durch Äußerungen, die „Deutschenfeindlich“ Interpretiert werden und Taten, die sich gegen „„weiße Deutsche“ richten und von gewalttätiger Natur sind, auffallen, stellt sich mir die Frage, inwiefern es sich hierbei um die Rückgabe Ethnisierender Zuschreibungen handelt.

Die Momente der offenen und strukturellen Ausgrenzung, die diese Jugendlichen erfahren, tritt nicht zuletzt in der ewige wieder erfahrenen Verweigerung von Zugehörigkeit zutage.

Wenn die Betreffenden von der Mehrheitsgesellschaft, deren Zuschreibungsmacht gegenüber Minderheiten absolut zu sehen ist, ständig als „Ausländer“ „Muslim“ oder „Migrant“ bezeichnet werden, ist eine daraus abgeleitete und erfolgende Selbstsethnisierung kaum überraschend und verwunderlich, da ihnen andere Identitätsangebote nicht zur Verfügung stehen.

Denn unsere Definition und einordnung als Individuum hängt in hohem Maße davon ab, wie wir erleben, dass uns die anderen sehen.

…es bräuchte einfach mehr Menschen, die etwas verstehen,“

Mit dem Begriff der „Deutschenfeindlichkeit“ wird diese Form der Zugehörigkeitsverweigerung letztendlich fortgeschrieben. Dieser begriff ist in sich entlarvend für den, der ihn Benutzt, den er impliziert nichts anderes, als dass diejenigen, deren Verhalten mit diesem Begriff problematisiert werden soll, keine Deutschen sind und auch nicht sein können.

Bei Menschen, die vorfahren mit Migrationshintergrund besitzen, wird das Deutschsein aufgrund der Rasse gegen das Deutschsein aufgrund der Staatsangehörigkeit gestellt.

Inhaber der Deutschen Staatsangehörigkeit werden so sprachlich zu Nichtdeutschen gemacht.

…und über ihren Schattenrand hinausgehen,“

Das Mobbing und die sozialen Konflikte, die unter dem Begriff „Deutschenfeindlichkeit“ zusammengefasst werden, dürfen nicht isoliert betrachtet werden.

Die Verwendung einer Begrifflichkeit, der eine ausgrenzende „Wir“-„Sie“-Logik zugrunde liegt, zementiert Konflikte, grenzt sprachlich aus und verfestigt so Gesellschaftliche Ausgrenzung.

Ein solches Reden trägt zu einer Überwindung von Konflikte und dem Ziel einer inkludierten Schule nichts bei.

Die Zwischenüberschriften stammen aus Dario feat. Area 35 -“Rassismus“ http://www.youtube.com/watch?v=zs5hDv8VmYM

[1] Bezeichnend für die Paradoxe Blödheit diesem Gerede ist, das niemand bei Gewalttaten von „weißen Deutschen“ Nazis gegen Staatsbürgerliche und andere „weiße“ Deutsche von „Deutschenfeindlicher“ Gewalt spricht

[2] Der Begriff des Weißseins bezieht sich auf eine soziale und politische Konstruktion, die eine gesellschaftliche Position beschreibt.

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Piraten, Xenophob und Queerfeindlich?

12. September 2012

Im LiquidFeedback der Piratenpartei wird zurzeit über die Initiative „i4522: Flucht aufgrund von geschlechtlicher und sexueller Orientierung ist als Asylgrund ernstzunehmen!“ diskutiert. [1]

Eine Kluge Initiative, die das Recht auf Asyl für Menschen aufgrund ihrer „sexuellen oder geschlechtlichen Identität“ vertiefen will.

Sie ist fast identisch mit dem entsprechenden Bestandteil des Grundsatzprogramms der Piratenpartei.

Sie will die unselige Praxis des Nachweises der Homosexualität des Antragsstellers durch das Recht, Asyl aufgrund der Verfolgung der „sexuellen oder geschlechtlichen Identität“ des Antragstellers „ohne, dass der Nachweis einer konkreten Verfolgung zu erbringen ist“ zu erhalten, ersetzen.

…Natürlich bin ich kein Rassist,vor meinem Kopf ist doch kein Brett,“

Wie immer bei solchen Initiativen tauchen auch hier die vom Fauligen Modegeruch der Xenophobie umwehten Gestalten, denen der Geifer der Menschenfeindlichkeit aus den Mundwinkeln tropft, auf.

So betreten die in der Piratenpartei agierenden Xenophoben die Bühne

Sie machen, wie das bei Menschen ihres Schlages üblich ist, viele Worte um nichts, spielen die Sprachkritiker und unterstellen den Autoren der Initiative, sie wollten eigentlich allen Menschen das Recht auf Asyl geben, und nicht wie in der Initiative dargestellt nur verfolgten Menschen.

Letztendlich geht es ihnen darum: Menschen, die nicht so sind wie sie, wollen sie nicht um sich, sondern an jedem anderen Ort der Erde haben.

Sie phantasieren davon, dass Menschen nur „ vorgeben aus diesem Grund potentieller Verfolgung ausgesetzt zu sein“.

Das muss Mensch sich einmal auf der Zunge zergehen lassen. Menschen die aus dem Iran fliehen, setzen sich der Gefahr aus, nach ihrem Coming Out beim Asylantrag und der Ablehnung desselben in den Iran zurückgeschafft zu werden und dort getötet zu werden. Und dies tun sie in der Phantasie der Piratigen Vorhut des Unmenschlichen, um ausgerechnet mit ihnen in einem Land zu leben?

Wie unglaublich muss ein Mensch von der Überlegenheit seines Volkes und seiner Nation überzeugt sein, um so was anzunehmen? Die Menschen setzen sich dieser Gefahr für Ihr Leben aus, weil sie leben wollen, wie es Queer hier auch tun: frei von Staatlichen Todesdrohungen.

Ihre „ich werde zur Minderheit im eigenen Land Phantasien“ enden in der Frage danach, wie man die „die sexuelle Identität [der Flüchtlinge]empirisch überprüfbar machen.“ will.

Das ist natürlich wichtige, die Frage nach dem „Wer fickt mit wem“ zu klären, bevor man Homosexuelle Menschen in das Land lässt! Dazu unten aber mehr.

…die meisten lesbischen, schwarzen Behinderten sind alle furchtbar nett,doch Ausnahmen wie diese, schliesst die Regel ein,“

Der so agierende Hertrosexistische Xenophobe Pirat ist in seiner Dumpfheit nur zufrieden, wenn er klar gemacht hat, das er lieber Männer und Frauen, die z.B. im Iran am Kran oder unter der Peitsche enden, elendig verrecken lässt, als auch nur einen Menschen, der lügt, um in Sicherheit vor was auch immer zu sein, diese Sicherheit gewähren.[2]

Der „Gemeine“ Hertrosexistische Xenophobe Pirat an sich ist aber auch zu Gedanken fähig, die niemals zuvor einen Hauch Intelligenz gesehen haben.

Er stellt mal so, im Wahn seiner weißen, Heterosexuellen Überlegenheit, Überlegungen an wie: Nun, wenn in dieser Initiative den Menschen das recht gegeben wird, aufgrund von Sexueller Verfolgung in mein geheiligtes Land zu kommen, wie verhindere ich das?

Um die zu erreichen teilt er die Initiative in einzelne Sätze auf und konstruiert dann, aus den kontextlosen Bestandteilen, einen neuen, um in ihn seine Überfremdung-Phantasien zu Projizieren.

„Jedem der aus einem Land kommt, in dem einvernehmliche Sexualität verfolgt wird, die in Deutschland erlaubt ist, ist Asyl zu gewähren, unabhängig davon, ob auf die betreffende Person der „theoretische“ Verfolgungsgrund tatsächlich zutrifft. “.

Unser, dem Kindergartenniveau Sprachkritik mächtiger Pirat nimmt also diesen, von ihn konstruierten Satz, und Fängt an, sich in dem von ihm konstruierten willen der Initiatoren zur Freigabe der Flucht in die BRD zu Suhlen, wie das Schwein im Koben.

Er glaubt, die Deutungshoheit gewonnen zu haben und fängt an, seine Wahnvorstellungen von der Übernahme der BRD durch „Pseudo verfolgte“ zu konkretisieren und schreibt:

„In Indien ist unter 18-jährigen Sex verboten:

http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/indien-verbietet-teenagern-sex-nach-neuem-gesetz-a-836393.html

und beendet seine Phraseologie des Grauens mit den worten: „Hallo indischer Mittvierziger, wir gewähren dir Asyl, weil in deinem Land einvernehmliche Sexualität verfolgt wird, die in Deutschland erlaubt ist“.

Wenn es um eine Klarstellung ginge, wäre es ja mit einer Anregung gut gewesen.

Nicht so bei dem Heterosexisten.

Er Fordert, Kerl wie er ist: „Nein, der Asylbeantragende sollte schon glaubhaft darlegen können, dass er tatsächlich politisch verfolgt wird und hier dieselben Kriterien gelten, wie bei anderen Verfolgungsgründen auch.“ glaubhaft darlegen“ muss also in den Antrag rein;“

…Doch Ausnahmen wie diese schliesst die Regel ein.

Wer schon schon einmal an CSD Paraden oder Veranstaltungen teilgenommen hat, kennt sie und hat sie schon einmal ertragen müsse.

Ich Rede von Anhänger diverser Christlich Extremistischer Gruppen, die wie Quartals-irre im Umfeld dieser Veranstaltungen Pamphlete Verteilen, die Queer als Opfer von Propaganda abstempeln oder ihnen Heilung anbieten.

So Agiert auch der Heterosexiste Pirat an sich. [2] Er ist so verfangen in seinem Wahn, dass alles, was nicht den heteronormativen Grundlagen seines Denkens entspricht, also anders ist, nachweisbar sein muss, in seiner Abweichung messbar ist.

Da er Queer eigentlich für Krank hält, geht er davon aus, das eine, von Normen abweichende Sexualität feststellbar ist wie eine Grippe.

Nun, er kann so mal zeigen, was er ist. Nicht schlich ein Arschloch sondern jemand, der Freude dabei Empfindet, Queer zu erniedrigen. Er tut das, indem er von Menschen, die sich nicht wehren können, die Tests verlangt, die er Einheimischen Queer niemals aufzwängen könnte.

Die Tests zum Nachweis ihrer Sexualität. Denn nichts anderes bedeuten die Worte “glaubhaft darlegen“ in Bezug auf den Fluchtgrund „Verfolgung wegen der Sexuellen oder geschlechtlichen Identität“.

Dem denkenden, LSBTTI nicht für Krank und anders haltenden Menschen ist klar,  das die Gefahr, dass Flüchtlinge eine Zugehörigkeit zur Gruppe der LSBTTI vortäuschen könnten, um Asyl zu erlangen, Abwegig ist. Dies nicht zuletzt angesichts der enormen Stigmatisierung der Zugehörigkeit zur Gruppe der LSBTTI in den Herkunftsländern der Betroffenen.

Dem Heterosexistischen Xenophoben Piraten jedoch sind die ungeheuren Schwierigkeiten, Beleidigungen und Schmerzen, die Flüchtlinge auf sich nehmen, wenn sie eine Zugehörigkeit zur Gruppe der LSBTTI als Fluchtgrund angeben, schlicht egal.

Hinzu kommt-Wie soll das mit dem Test zum Nachweis von Nicht Heterosexueller  Sexualität gehen? Medizinische und Psychiatrische Gutachten sind ungeeignete und auch unangemessene Methoden zum Nachweis der sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität des Antragsstellenden Menschen.

Es stellt außerdem eine Anmaßung gegenüber hier lebenden LSBTTI dar, zu erklären, ihre sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität sei auf irgendeinen wie auch immer gearteten Wege überprüfbar.

„Hinzuzufügen ist, dass eine Schuldannahme a priori unrechtmäßig ist, und die Verweigerung von Menschenrechten auf Basis einer solchen (jeder Grundlage entbehrenden) Argumentation als nicht akzeptabel gelten kann.“[3]

…Auch lesbische schwarze Behinderte können ätzend sein!“

Um es deutlich zu machen: es ging in dem Vorangestellten um Menschen, die Lieber Tote Queer sehen, als auch nur einen hetero in die BRD zu lassen, der sich als Queer tarnt.

Kein Schlusswort, ich bin Kotzen bei der Liste von Piraten, die einfach mal so, beschließen, die Sexualität von Queer überprüfbar machen zu können.

Ihr Glück ist, das Menschen, Schwule wie ich, in unserem Leben von Pack wie ihnen Abhängig sind. Das wir dem Pöbel, der einen von uns lieber tot sieht als einen, der so tut als sei er wie wir, hier leben zu lassen, nichts entgegensetzen können, außer unsere Wut.

Zwischenzeilen aus Die gtoten hosen, Lesbische, Schwarze Behinderte http://www.youtube.com/watch?v=QHTu4ZlOB2U

[1]https://lqfb.piratenpartei.de/lf/initiative/show/4522.html?tab=suggestions

[2] https://lqfb.piratenpartei.de/lf/suggestion/show/9505.html

und https://lqfb.piratenpartei.de/lf/suggestion/show/9560.html

[3] Ein Mensch aus der Piratenpartei

Vier männliche Weißeuropäer

21. August 2012

Wenn Piraten gerade mal nichts zu tun haben, dann streiten sie untereinander.

So zum Beispiel zur Zeit darüber, was die „richtige“ Rassismusdefinition ist.

Ursache dieser Auseinandersetzung ist der Artikel „Querulantenwahniges“ von Julia Schramm zur Klage gegen den Ankauf der Steuerdaten-CD, in dem sie schreibt , dass „vier männliche Weißeuropäer“ beschlossen haben, Anzeige gegen den Finanzminister von NRW zu erstatten [1].

Statt eine Diskussion über die Anzeige zu beginnen, wurde über „männliche Weißeuropäer“, Sexismus und Rassismus diskutiert. So wie Piraten halt sind: immer das Unwichtigste in einem Beitrag fest im Visier und dann auf Angriffsmodus schalten.

„…das ist nicht white man’s burden reloaded“

Da wurden gewagte Behauptungen wie „Die Bezeichnung “männliche Weißeuropäer” würde ich in dem Zusammenhang – sexistische Kackscheiße nennen“ in das Wohnzimmer der Piratenpartei, das Internet gestellt.

Mir ist nicht ganz klar, wie in der Benennung von Menschen als “männliche Weißeuropäer” ein „wertendes Verhalten“ oder die „ungefragte Zuschreibung von Verhaltensmustern aufgrund des Geschlechts oder eines Rollenbildes“ liegen soll, aber egal.

Ist der Mensch, der das geschrieben hat, halt ein Fall für diese Lektüreempfehlung [3] .

Schlimmer wird es mit den Menschen, die meinen, der Beitrag sei „rassistische Kackscheiße“ oder schreiben „Das [Nennen von Geschlecht, Herkunft und Rasse] ist in dem Zusammenhang so was von unnötig und pure sexistische, rassistische Hetze“. Diese Beiträge tauchten haufenweise auf Twitter und in der Blogsphäre auf.

„…das ist kritisch ist wer kritisch ist zu dem worin er steht“

Demgegenüber steht ein Beitrag, der klar macht, dass die Bezeichnung von Menschen als „vier männliche Weißeuropäer“ nicht rassistisch ist. Dieser Beitrag ist „Critical Whiteness in action“ [5] von Dorothee Scholz und Fabio Reinhardt. Und hier will ich ansetzen.

Die grundlegende Differenz zwischen „Critical Whiteness in action“ und den Kritikern von Julia Schramm ist der unterschiedliche Rassismusbegriff.

Einerseits berufen sie sich auf einen nicht passenden Rassismusbegriff wie „Rassismus ist die Diskriminierung von Angehörigen einer ethnischen Minderheit“. Auf der Basis dieses Rassismus Begriffs kann nicht begründet werden, warum die Bezeichnung “männliche Weißeuropäer”, und sei es nur in der BRD, auch nur irgendwie rassistisch sein sollte. Klar sind “männliche Weißeuropäer” in der BRD eine Minderheit, da sie aber das Glück haben, der selben Ethnie angehören wie die “weiblichen Weißeuropäer” stellen sie dann doch die Mehrheit. [N]

Also, keine Zeit verschwendet, hin zum Nächsten.

„…und ich will’s weder hören noch supporten“

Andere Kritiker von Julia Schramm benutzen den von Heitmeyer definierten Rassismusbegriff.

Dieser definiert Rassismus [6] wie folgt: „Rassismus umfasst jene Einstellungen und Verhaltensweisen, die Abwertungen auf der Grundlage einer konstruierten „natürlichen“ Höherwertigkeit der Eigengruppe vornehmen.“

Nach dieser sehr allgemeinen Definition ist es natürlich möglich, dass Menschen, die Teil einer rassistisch diskriminierten Gruppe sind, von sich aus Menschen einer anderen Gruppe rassistisch diskriminieren.

Ihnen fehlt allerdings die Wirkungsmacht, aus den eigenen Vorurteilen heraus negativ gegen diese Gruppe zu wirken.

Ein Beispiel: „People of Colour“ gehören in der BRD einer diskriminierten Minderheit an. Wenn sie nun alle der Überzeugung sind, das alle Weißen minderwertig sind, so ist das zwar eine rassistische Idee, hat aber ansonsten keine weiteren Folgen für die Weißen.

Die „People of Colour“ können ihnen weder den Arbeitsplatz verweigern, da sie nicht im Besitz der ökonomischen Macht in der BRD sind, noch sie bei der Wohnungssuche im gleichen Maße benachteiligen, wie dies mit ihnen durch die Weißen geschieht.

Auch andere Mechanismen gesellschaftlicher Diskriminierung stehen ihnen nicht zu Verfügung.

„…wenn du kritisch bist, doch dich nicht siehst, bleibt das dein Privileg“

Dies durchzieht alle Bereiche, in denen Diskriminierung auftreten kann, gleichermaßen.

Die einzige Möglichkeit, wie sich der „Rassismus“ einer Minderheit gegen Teile einer Mehrheit Ausdruck verschaffen kann ist verbal oder mit Gewalt.

Gewalt wird sich aber immer nur gegen Einzelne richten. Diskriminierte Minderheiten sind, auch wenn sie über ein rassistisch aufgeladenes Denken verfügen, nicht dazu in der Lage, als Eigengruppe der Masse der Mehrheitsgruppe gewalttätig gegenüber zu treten.

Um es zu versinnbildlichen: ein Pogrom wie in Rostock-Lichtenhagen kann nur von gewalttätigen Angehörigen der Mehrheitsgruppe in der BRD, z.B. von “männlichen Weißeuropäern”, durchgeführt werden.

Selbst alle „People of Colour“ in der BRD sind nicht dazu in der Lage, die Wirkungsmacht zu entfalten, um so ein Pogrom in der bekannten Form zu organisieren.

„People of Colour“ können immer nur individuell rassistisch wirken, also niemals gesellschaftlich.

Direkte, rassistische Gewalt von „People of Colour“ gegen Teile der Mehrheitsgesellschaft aber steht in einem direkten Zusammenhang mit den rassistisch diskriminierenden Strukturen und den Machtverhältnissen in unserer Gesellschaft.

„…alle kennen ihn im Squad, alle machen Platz für ihn“

Begreifen wir Rassismus als Ausdruck von gesellschaftlichen Machtverhältnissen, wird klar, dass direkte rassistisch motivierte Gewalt, die von Angehörigen der Minderheit ausgeht, niemals die gleiche Form von Gewalttätigkeit annimmt wie die der Mehrheit.

Rassismus der Mehrheit gegen die Minderheit muss immer im Zusammenhang mit den strukturellen, alltäglichen und ideologischen Aspekten von Rassismus gesehen werden.

Entscheidend ist aber: wegen „People of Colour“, die ”männliche Weißeuropäer” für minderwertig halten werden keine Gesetze geändert, “männliche Weißeuropäer” werden deswegen keinen sinnlosen Polizeikontrollen aufgrund der Hautfarbe ausgesetzt, kein Arbeitsgericht wird feststellen, das der Anblick von “männliche Weißeuropäer” in einem Restaurant keinen anderen zuzumuten ist und darum ein Kündigungsgrund ist usw.

Man könnte auch sagen: Rassismus ohne Macht ist zahnloser Rassismus, da er keine gesellschaftliche Wirkung entfalten kann.

Ganz, ganz herzlichen Dank Doro Scholz für das Korrigieren!

[N] das mit dem Patriarchat, der Herrschaft von Männer über Frauen und warum eine Minderheit von weißen Männern gesellschaftliche Macht in dem Maße ausübt, in dem sie sie ausübt, erkläre ich ein anderes mal!

Zwischenüberschriften aus: Sookee // bitches butches dykes & divas // 2011, ..09.. einige meiner besten Freunde sind Männer

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch Birgit Rommelspacher, die einen Queer-Rassismus- Begriff definiert, der in klarer Abgrenzung zu Heitmeyer zu sehen ist  und dem in „Critical Whiteness in action“ genutzten nahe kommt.

http://www.birgit-rommelspacher.de/pdfs/Was_ist_Rassismus.pdf

Quellen:

[1] http://juliaschramm.de/2012/08/18/querulantenwahniges-2/

[2] http://pastebin.com/JMkqUBME

[3] https://lqfb.piratenpartei.de/lf/initiative/show/3786.html

[4] http://die13.wordpress.com/2012/08/19/sexistische-rassistische-scheise/

[5] http://blog.fabioreinhardt.de/equalism/critical-whiteness-in-action/

[6] Deutsche Zustände, Folge 2, 2003: Wilhelm Heitmeyer: Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit. Die theoretische Konzeption und empirische Ergebnisse aus 2002 sowie 2003, 20f

Denke ich an Rostock in der Nacht, bin ich um den Schlaf gebracht!

21. August 2012

Vom 22. bis zum 26. August 1992 ereigneten sich im Rostocker Stadtteil Lichtenhagen das schlimmsten Rassistischen Pogrom der Bundesrepublik seit 1945!

150 Menschen gerieten in akute Lebensgefahr, weil ein entfesselter Lynchmob bereitstand, jeden von ihnen zu töten. Zu diesem Mob gehörten Neonazis aus der ganzen Bundesrepublik, aber auch Anwohner und „Normale“ Bürger Rostocks. Der Versuch, das „Sonnenblumenhaus“ zu stürmen wurden durch etwa 2.000 bis XX.000 Sympathisanten und Schaulustige vor Ort unterstützt.

Deine Gewalt ist nur ein stummer Schrei nach Liebe

Der Mob zündete unter Beifall tausender Zuschauer auf dem Höhepunkt des Pogroms ein Wohnhaus, in dem sich noch über 100 Vietnamesen und einige deutsche befanden, sowie die benachbarte „zentrale Anlaufstelle für asylsuchende“, kurz „zast“, an.

Am Sonntag will Joachim Gauck in Rostock Lichtenhagen bei einer Gedenkveranstaltung reden. Er wird sicherlich gesetzte Worte der Abscheu, des Entsetzens über das geschehen, aber auch des Lobes für die irgendwo demonstrierende Zivilgesellschaft, die Polizei und wen sonst auch immer finden.

Was er nicht erwähnen wird ist die Tatsache, das der Rassistische Lynchmob, der sich  im Rostocker Stadtteil Lichtenhagen zum Töten von Menschen zusammengefunden hat, gewonnen hat. Zwar konnte das Mord-lüsterne Pack nur ein Paar Häuser anzünden, Steine und Flaschen werfen.

Ihr vorrangiges Ziel, 150 Menschen zu töten, ist dann doch noch verhindert worden.

Politisch hat der Mob trotzdem gewonnen!

Deine Springerstiefel sehnen sich nach Zärtlichkeit

Erinnern wir uns:

Ermutigt wurde der Mob durch eine monatelange Hetzkampagne in Politik und Medien, in der rassistische Kampfbegriffen ganz selbstverständlich waren. Begriffe wie “Überfremdung”, “Scheinasylant”, “Das Boot ist voll” usw. waberten in den Medien wie Nebel.

Die CDU, die gerade erfolgreich die „Blühenden Landschaften“ im Osten Erfunden hat, machte Front gegen das im GG stehende Asylrecht. Sie versucht, die SPD von einer GG Änderung zu Überzeugen. In diesem Jahr gab es, laut Verfassungsschutzbericht (und das will was heißen) mindestens 3 Todesopfer und einige hundert Verletzte durch Rechtsradikale Gewalt.

Doch das Pogrom von Rostock-Lichtenhagen sticht heraus, und das nicht nur wegen der tagelangen Übergriffe vor laufenden Kameras.

Die Bilder aus Rostock wurden politisch ausgeschlachtet und führten zur Abschaffung des Grundrechts auf Asyl.

Nach Rostock-Lichtenhagen rief Bundeskanzler Kohl den “Staatsnotstand” aus – nicht wegen des Pogroms, sondern wegen der angeblich unerträglichen “Asylantenflut”. Nach Rostock-Lichtenhagen ist die SPD eingeknickt und hat der Grundgesetzänderung zugestimmt.

Erst als die in trockenen Tüchern war gab’s die ganzen Lichterketten gegen Rassismus. Seither fährt die Berliner Republik zweigleisig: man ist “für Demokratie und Toleranz” und “gegen Rechts”. man schiebt aber auch gnadenlos ab, sortiert und drangsaliert Menschen nach Nützlichkeit und Herkunft.

Du hast nie gelernt dich zu artikulieren

Eines noch, was den Umgang der Freunde des Mobs mit Menschen, die die Herrschaft des Mobs nicht  akzeptieren wollen, deutlich macht: Einige Wochen nach dem Pogrom hatte eine aus Frankreich angereiste Delegation der „Söhne und Töchter der deportierten Juden Frankreichs“ um Beate Klarsfeld am Rostocker Rathaus eine Gedenktafel angebracht. Die Inschrift erinnerte an die “rassistischen Gewalttaten” der Gegenwart, aber auch an die Deportation und Ermordung von Juden und Sinti und Roma während des Nationalsozialismus.

Damit hatten sie offenbar einen Nerv getroffen.

Die Verwaltung ließen alle beteiligten festnehmen, im Gegensatz zu den Pogrom Tagen fanden sich plötzlich genug Polizisten, um die Bürger Rostocks vor „diesen Anmaßungen“zu schützen, drei Mitglieder der Delegation wurden inhaftiert, die Tafel wurde entfernt.

Die Besoffenen, den Hitlergruß zeigenden Menschen in vollgepissten Jogginghosen werden belohnt, indem man ihnen verspricht, die Bundesrepublik von der Asylkantenflut” zu befreien und die Gegner des Mobs werden verhaftet.

Passt!

Und deine Eltern hatten niemals für dich Zeit

Rückschwenk zu heute:

In Deutschland ist Erinnern zu einer Art Volkssport geworden, mit dem man sich selbst ein reines Gewissen sichert.

Darum wird am Sonntag, den 26. August, auch Joachim Gauck über die Krawalle von Rostock-Lichtenhagen eine Rede Halten. Was uns blüht hat er schon mal in einem Interview mit der „Märkische Allgemeine“ [1] zu Protokoll gegeben.

Mensch muss nicht alles lesen, was er dort absondert. Kernsätze, die die Bereitschaft zur Reinwaschung der Täter und fehlender Empathie gegenüber den Opfern ausdrücken, reichen eigentlich.

Wie üblich, wenn Deutsche Politiker über das Pogrom von Rostock Lichtenhagen Reden, darf der Satz „Anfang der 90er Jahre waren viele Menschen im Osten ohne Arbeit und orientierungslos.“ nicht fehlen.  Unabhängig von der Frage, ob es nicht Zeit ist, sich einen Neuen Phrasomat anzuschaffen, will ich das mal ernst nehmen!

Ohoho, Arschloch!

Also, Arbeitslosigkeit, verbunden mit Orientierungslosigkeit sind schuld. Na, toll, das der Rest der Menschen, die 1992 in der BRD ohne Arbeit waren, nicht angefangen haben, Asylkantenheime anzuzünden. Kurz: eine saublöde Erklärung für Totalen Kontrollverlust und das abstreifen jedes zivilisatorischen Firnis! Arbeitslosigkeit  macht Arm, vielleicht Mut und Perspektivlos. Arbeitslosigkeit macht Menschen aber nicht zu Häuseranzündenden Menschenfeinden!

Aber auch J. G. Erahnt, das sein Erklärungsversuch daneben ist. Darum schiebt er nach „Ein Teil von ihnen war anfällig für einfache Wahrheiten und für Schwarz-Weiß-Denken.“ Mensch muss nicht Rechnen können, um den Blödsinn der aussage zu erkennen. Und wer nicht: im Osten waren damals knapp 2 Mio. Menschen Erwerbslos gemeldet. Warum war der Teil, der anfällig war für schwarz-weiß denken, nur in Rostock beheimatet? Ein Mirakel, das zu erklären J.G. aber keine Zeit findet!

Hallo, was ist los, Gauck. Einige tausend Randalierende Rassisten willst du mit millionen- Arbeitslosen begründen? Wie Hohl! Warum haben, wenn diese Erklärung ziehen soll, 1992 nicht tausende von Menschen im Ruhrgebiet vor „Asylantenheimen“ gestanden und versucht, sie anzuzünden?

 Bist du ein Faschist

Der Hohlheit folgt noch viel in diesem Interview, aber die Zeit und  der Platz ist knapp, darum genug geblogt!

Lassen wir den Gauck nochmals für sich selber sprechen: „„National befreite Zonen“ gibt es ja […] nicht.“ Dieses Verleumden der Verhältnisse in Teilen der Bundesrepublik zeigt, das verharmlosen und Beschönigen die Hauptaufgabe in der Stellenbeschreibung des Bundespräsidenten ist!

 [1] http://www.maerkischeallgemeine.de/cms/beitrag/12378638/492531/Bundespraesident-Joachim-Gauck-ueber-die-Krawalle-von-Rostock.html

Ach ja, Mensch glaubt es kaum, aber dieser blogeintrag hat mich dazu gebracht, den obenstehenden Beitrag zu schreiben, Danke!

[2] http://kollegejansen.wordpress.com/2012/08/18/einmal-und-nie-wieder/

Nachtrag: Die Zwischenüberschriften stammen aus „Die Ärzte, Schrei Nach Liebe“