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Israelkritik, „Antizionismus“ und Antisemitismus

11. November 2014

Tl;dr Warum Israelkritik wenn sie wie die Kritik an z.B. Russlands daherkommt legitim und richtig ist,  warum „Antizionismus“,  besonders wenn er Bilder von „Zionazis“ aufbaut und die Behauptung „dass Zionisten nach Weltherrschaft streben“ verbreitet schlicht Antisemitismus ist und warum Antisemitismus nichts überwundenes ist, auch wenn es sich „Antizionisten“ nennende Antisemiten immer wieder behaupten.

 Hamas oder andere Antisemiten

Es gibt Tage, da habe ich das Gefühl, wenn ich die rhetorische Frage „Welches Land hasst du am meisten?“ stellen würde, die Antwort recht eindeutig „Israel“ lauten würde.

Das ist so, weil das Bild aus der Vergangenheit, als Juden als der Satan und schuldig an allem Bösen der Welt beschrieben wurden, fortbesteht. Es wird heute nur auf den Staat Israel projiziert.

Wenn die Hamas oder andere Antisemiten den Staat Israel, wie seit Jahren, täglich mit Raketen angreifen, so ist der Schuldige für viele sofort klar: „Israel“. Diese Einstellung zeigt allerdings nur, dass viel zu viele Menschen eine Meinung zum Staat Israel haben, die zu einhundert Prozent aus Gerüchten, Bauchgefühl und Ressentiments bestehen. Und Gerüchte, Bauchgefühl und Ressentiments sind zumindest eng verknüpft mit diesem Antisemitismus, der ja angeblich eine Keule ist.

Wer schwingt die eigentlich? „Der Jude“ selbst? Oder seine Handlanger?

Kommen wir aber zur Israelkritik. Jeder Mensch hat das uneingeschränkte Recht, den Staat Israel zu kritisieren, solange dabei keine Vorurteile reproduziert werden.

Wo ist das Problem mit der Kritik an Israel? Ich halte manche israelischen Politiker, auch Regierungspolitiker, für Spinner. Nennt mich jetzt jemand „Antisemit”? Sicher nicht. Dass man Israel nicht kritisieren darf, ist ein Mythos. Man kann seine Regierung so kritisieren wie die jedes anderes Landes. Allerdings sollte man Israel auch so kritisieren wie jedes andere Land.

Ich frage mich schon lange, warum ausgerechnet von der Bundesrepublik aus so verdammt häufig „Israel kritisiert“ werden muss, während die kritischen Stimmen zu Italien, Frankreich, England, Ungarn oder Gaza, um nur einige zu nennen, lange nicht die Lautstärke annehmen, obwohl es da ja auch so einiges zu kritisieren gäbe.

Einige werden jetzt sagen, dass man eben Prioritäten setzen muss. Sicher, man kann sich nicht um alles kümmern. Aber warum so viele Leute in der Bundesrepublik offenbar die Empfindung haben, dass ein Tag, an dem sie nicht „Israel kritisiert“ haben, ein verlorener ist, erstaunt schon ein wenig. Oder eben nicht, je nachdem wie man das sieht.

Bezeichnend für manche Kritik an Israel ist es oftmals, Analogien zwischen dem Nationalsozialismus und dem Staate Israel zu konstruieren.

Analogien zwischen dem Nationalsozialismus und Israel konstruieren

Mensch könnte es auch so sehen: Die Gleichsetzung Israels mit dem Nationalsozialismus ist verlockend. Die deutsche Vergangenheit wird bestens entsorgt, indem die unschuldigen Opfer der Vergangenheit zu den schuldigen Nazi-Tätern der Gegenwart erklärt werden, gegen die mit allen gebotenen Mitteln vorgegangen werden müsse.

Sich „Antizionisten“ nennende Antisemiten leisten dabei Pionierarbeit. Sie werfen Israel einen „Holocaust“ und eine „Endlösung der Palästinenserfrage“ vor oder fantasieren von Konzentrationslagern in Gaza. Viele endeten folgerichtig bei der Forderung: „Israel muss weg!“ 
Jan Amery schrieb über sich  „Antizionisten“ nennende Antisemiten „Die Allianz des antisemitischen Spießer-Stammtisches mit den Barrikaden ist wider die Natur, Sünde wider den Geist, um in der vom Thema erzwungenen Terminologie zu bleiben, Leute wie der polnische General Moçzar können sich die Umfälschung des kruden Antisemitismus zum aktuellen Anti-Israelismus gestatten Die Linke muß redlicher sein, Es gibt keinen ehrbaren Antisemitismus.

Wie sagte Sartre vor Jahr und Tag in seinen „Überlegungen zur Judenfrage“? „Was der Antisemit wünscht und vorbereitet, ist der Tod des Juden.““ Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen. 

Reichlich daneben finde ich es, die Shoa als Zeugen für die eigene Meinung zu bringen. Die Opfer der Shoa wurden nicht Opfer, weil sie etwas getan oder nicht getan hatten, sondern weil sie aus ideologischen Gründen zu Nichtmenschen erklärt wurden, für die allgemeingültige Maßstäbe nicht mehr gelten. Und der Großteil der Deutschen fand das offenbar auch ganz in Ordnung, wenn man z. B. die Geschwindigkeit beachtet, mit der sich Behörden, Universitäten, Privatfirmen und Vereine stolz „judenfrei“ erklärten.

klammheimliches Einverständnis

Das Problem war genau betrachtet also womöglich nicht so sehr, dass es so wenig heldenhaften Widerstand, sondern dass so viel klammheimliches Einverständnis gab. Dieser Aspekt wurde m. E. bei der „Bewältigung der Vergangenheit“ zu wenig beachtet. Und ich frage mich nun, ob das auf irgendeine Art mit dem dringenden Bedürfnis zusammen hängt, auf jede mögliche und oftmals unmögliche Art Israel „zu kritisieren“.

Wegen dieses Spannungsverhältnisses eignet sich der Nahostkonflikt als Projektionsfläche. Hier kann mit moralischen Ausschließlichkeiten und Gewissheiten von Recht und Unrecht operiert werden, die auf anderen Konfliktfeldern fehlen.

Das liegt daran, dass der Nahostkonflikt nicht ohne die Shoa behandelt, aber auch nicht auf diese reduziert werden kann. Das erhöht die moralische Fallhöhe und damit die Möglichkeit, ein positives eigenes Selbstbild in Abgrenzung vom politischen Gegenüber zu erwerben.

Kaum ein anderes Thema ist geeignet, meist völlig konsequenzlos sein Gegenüber als Rassisten, als Menschenrechtsverletzer, als Holocaustrelativierer und Bombenbauer, als Terrorist, oder als Kriegstreiber zu bezeichnen.

Wo sonst lässt sich so einfach bildlich dargestellt das gesammelte Unrecht der anderen Seite, ob als steinewerfende Flüchtlingslager, Kinder gegen israelische Panzer oder aber Attentatsopfer in belebten Innenstädten, zusammenfassen?

Bilder dieser Art sollen nicht aufklären, sondern sind schlicht dumpfe Propaganda.

Es werden weitere strittige Felder mitverhandelt

Aktuell werden am Nahostkonflikt und an der Frage der Haltung zur Existenz eines israelischen, also explizit jüdischen Staates, weitere strittige Felder mitverhandelt: Erstens die Frage der Faschismusanalyse und zweitens die Frage der Demokratieanalyse.

Diese Fragen haben mit israelisch-palästinensischen Lebensrealitäten wenig zu tun.

Ein Indiz ist, dass bei der Diskussion über den Nahostkonflikt häufig innenpolitische Argumente eingeführt werden.

Auch die Frage der Analyse des Nationalsozialismus wird häufig in den Nahen Osten verlegt. Statt den Nahen Osten in den Kategorien Deutschlands in den 1930er und 1940er Jahren zu analysieren, sollte vielmehr kritisch geprüft werden, wo es um politische Kämpfe und wo um die Verhandlung der eigenen Familiengeschichte geht. Weder Israelis noch PalästinenserInnen sind die „neuen Nazis“.

Oftmals ist das dringende Bedürfnis Israel „zu kritisieren“ genährt von Antisemitismus. Antisemitismus ist zuerst und einzig die Feindschaft gegenüber Jüdinnen und Juden und vermeintlichen Jüdinnen und Juden. Antisemitismus sieht in der Existenz der Juden, ob religiös, kulturell, biologisch oder geografisch begründet, die Ursache von gesellschaftlichen Problemen. Als Weltbild mit Welterklärungsanspruch lässt sich Antisemitismus aber nicht auf die Diskriminierung von jüdischen Menschen beschränken.

Unterschied zwischen Oppositionellen in Gaza und in Israel

Eines scheint mir in der Diskussion immer wieder unterzugehen: die schärfsten Kritiker der israelischen Regierung leben selbst in Israel. Aber den Unterschied zwischen Oppositionellen in Gaza und in Israel scheinen die meisten Israelkritiker offensichtlich nicht zu kennen. Nur zu ihrer Erinnerung: In Israel sitzen Kritiker der Regierung im Parlament und in Gaza im Gefängnis.

Nur einen Nebensatz noch zum Gerede von der Apartheid in Israel: Das Verhältnis der arabischen Bürger zum Staat Israel ist häufig von Spannungen belastet. Dies muss man aber sicher im Kontext der Beziehungen zwischen Minderheiten und staatlichen Organen weltweit gesehen werden. Apartheid ist ein Konstrukt, bei dem strikte Rassentrennung herrscht. In der Republik Südafrika, wo sie jahrzehntelang Staatsdoktrin war, wurde sie massiv und brutal durchgesetzt.

Der schwarzen Bevölkerung wurden alle Menschenrechte genommen und sie waren nicht für mehr als zur Arbeit gut! In dem herbeiphantasierten „Apartheids-Staat“ Israel saßen schon immer Araber in der Knesset. Im Augenblick sind es übrigens 13 von 120. Seit 2004 ist es so, dass im Aufsichtsrat jedes staatlichen Unternehmens mindestens ein arabischer Israeli vertreten sein muss.

Richtig ist allerdings auch, dass es die Diskriminierung arabischer Israelis definitiv gibt! Es ist unumstritten, dass die arabischen Bürger Israels Diskriminierung als Araber erleben! Nur: dies ist keine Apartheid, sondern Rassismus!

Israel ist eine parlamentarische Demokratie und ein Rechtsstaat. Es ist ein beachtlicher Unterschied ob ein demokratischer Staat Demokratiedefizite mit unterschiedlichen Hürden zum Rechtssystem und zum Wahlrecht aufweist oder ob es sich um eine diktatorischen Staat mit repressiver Willkür handelt. Dies gilt zumindest für israelische Staatsbürger und Menschen im israelischen Staatsgebiet und zwar auch für arabische Israelis und Menschen ohne israelische Staatsbürgerschaft in Israel.

Angekündigter Massenmord an Juden und Jüdinnen

Wer jetzt damit kommt – „aber die besetzten Gebiete“ -, der sollte auch daran denken, dass dort Organisationen und Parteien daran arbeiten, „die Juden“ ins Meer zu treiben. Das in Gaza eine Organisation herscht, die in ihrer Gründungscharta zur vollständigen vernichtung der Juden überall auf der Welt aufruft.[1]

Auch wer Nationalstaaten und Militarismus grundsätzlich ablehnt, muss die Frage beantworten, wie ein offen angekündigter Massenmord an Juden und Jüdinnen sowie an Menschen, die dafür gehalten werden, verhindert werden soll. Wer diese Frage nicht beantwortet aber der Existenzberechtigung des Staates Israel dennoch in Frage stellt, macht sich zumindest zum verbalen Helfer eines geplanten Völkermords.

Warum aber sind Israel und die USA Feindbild Nummer eins und zwei bei vielen vermeintlichen Kritikern und Kritikerinnen, während zu Menschenrechtsverletzungen in vielen anderen Staaten nicht einmal halb so laut gerufen wird oder die Kritik gleich ganz ausbleibt? Ist dies nicht bereits ein Hinweis auf die unterschwellig vorhandenen antisemitischen Klischees, die sich auf Israel zuspitzen?

Abschließend: wer die Regierung des Staates Israel kritisiert, tut etwas, das Bürger des Staates Israel täglich tun. Wer dies tut, wird damit nicht automatisch zum Antisemiten.[2] Wer jedoch die Kritik an der Regierung auf den Staat Israel in seiner Gesamtheit und seiner Existenz im Besonderen ausdehnt, scheidet als Diskussionspartner aus.[3]

 

Danksagungen und Anmerkungen

[1] „„Die Stunde des Gerichtes wird nicht kommen, bevor Muslime nicht die Juden bekämpfen und töten, so dass sich die Juden hinter Bäumen und Steinen verstecken und jeder Baum und Stein wird sagen: ‚Oh Muslim, oh Diener Allahs, ein Jude ist hinter mir, komm und töte ihn!’““, zitiert nach Die Hamas

Und um alle Zweifel auszuräumen, widmet sich der gesamte Artikel 22 der detaillierten Aufführung jüdischer Bosheiten.

Gemäss der Hamas sind die Juden verantwortlich für alle Missstände der modernen Gesellschaft: die Französische Revolution, die Kommunistische Revolution, die Gründung von Geheimgesellschaften, die ihnen helfen sollten, die Weltherrschaft mit geheimen Mitteln zu erreichen. Sie kontrollieren die Wirtschaft, die Presse und das Fernsehen. Sie sind verantwortlich für den Ausbruch des Ersten Weltkrieges, den sie initiiert haben, um das muslimische Kalifat (das Osmanische Reich) zu zerstören, die Balfour-Erklärung zur Gründung eines jüdischen Staates zu erhalten und den Völkerbund zu schaffen, der die Gründung ihres Staates umsetzen sollte.

Auch den Zweiten Weltkrieg haben sie initiiert, um ein Vermögen durch den Verkauf von Kriegsmaterial zu verdienen. Sie nutzen sowohl den Kapitalismus als auch den Kommunismus als ihre Komplizen.

Hört sich das bekannt an? Ja, einige dieser Punkte stammen in der Tat direkt aus dem antisemitischen Pamphlet „Die Protokolle der Weisen von Zion“. Andere Passagen, insbesondere diejenigen, die die Weltkriege betreffen, sind eine Erfindung der Hamas selber.

[2] Zusätzlich möchte ich, auf einen lieben Rat hin, auf die 3-D hinweisen, an denen Antisemitismus erkannt werden kann. http://www.hagalil.com/antisemitismus/europa/sharansky.htm

[73 Eine Äußerung wie „Israel ist Böse“ ist übrigens nichts, was darunter fällt. „Böse“ ist eine moralische Kategorie, die zum Guten in einem antagonistischen Verhältnis steht. Zur Politischen Kritik wird diese Kategorie erst, wenn das „Gute“ definiert wird.

Wer schreibt „Israel ist Böse“ und gleichzeitig schreibt „Hamas ist Gut“ bezieht Stellung und wertet. Böse“ ohne Definition von „Gut“ ist nichts, sonder Plakatives Moralisieren ohne Politischen Anspruch. Siehe weiter :Das Böse

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Eine Demonstration in Essen und ein trauriger Tag für Deutschland.

18. Juli 2014

Tl;dr warum es erschütternd ist, das der antisemitische Mob marschiert und wir froh sein müssen, das keine Synagoge gebrannt hat

content warning: Enthält Zitate Antisemitischer Sprüche;

Nach einer abgebrochenen Pro-Palästina-Kundgebung der Linksjugend Solid Ruhr sind mehrere hundert Teilnehmer zu einer Demonstration vor dem Essener Hauptbahnhof gezogen, um die Kundgebung „Gegen Antizionismus und Terror“ zu stören. Eine zweite Demonstration zog in Richtung Alte Synagoge.
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Stellungnahme zum „Statement Landesvorstand Bayern zum #Bombergate“

20. Februar 2014

Gestern Abend hat der Landesvorstand der Piratenpartei Bayern eine „Erklärung zum #Bombergate“ [1] veröffentlicht.

An dieser Stelle stand mein Statement zur Erklärung des bayrischen LaVo zum #Bombergate.

Auch wenn ich den Beschluss des LaVo Bayern an einzelnen Stellen für falsch und untragbar halte, so kann ich mein Statement nicht aufrechterhalten. Dies aus zwei Gründen.

Es hat bei einzelnen Lesern den Eindruck erweckt, dass ich den bayrischen LaVo in die Nähe von Nazis Rücken würde. Dies war nie intendiert und entspricht auch nicht meiner Haltung zu Menschen in dieser Partei.

Ich bedauere, dass dieser Eindruck entstanden ist.

Der andere Grund ist der, das Menschen, die mir sehr nahe stehen, mir zu verstehen gegeben haben, das das Statement als  Versuch verstanden werden könnt, Öl ins Feuer zu gießen und die derzeitige Situation  zu eskalieren.

Das letzte was ich wünsche, ist die Eskalation, wie sie durch die Erklärungen aus Bayern und Hessen vorangetrieben wurde, zu unterstützen.

Abschließend etwas, das mir ein sehr lieber Mensch zu dem Thema geschrieben hat:

„Ich lehnen die Verächtlichmachung und Verhöhnung von Opfern gewaltsamer Auseinandersetzungen ab.

Unberührt  von der Forderung das Andenken Verstorbener in den kriegerischen Auseinandersetzungen zu bewahren und sie nicht zu verhöhnen gilt diese Forderung in besonderem Maße für die wehrlosen entrechteten Opfer der Menschenvernichtungseinrichtungen.

Shoa, Pejioras, werden immer Verbrechen von einmaligem, unvergleichbarem Ausmaß bleiben.“

Abschließend sei gesagt, dass alle Toten eine eigene individuelle Bedeutung haben und einander nicht aufwiegen können. Sie mahnen in Ihrer Unzahl sich den Bestrebungen entgegenzustellen sie zu vergessen oder zu verharmlosen.

[1] https://vorstand.piratenpartei-bayern.de/2014/02/statement-landesvorstand-bayern-zum-bombergate/

AfD, alles, nur keine Alternative zu Irgendwas, Teil Zwei

5. September 2013

tldr: AfD: schwarze Listen, dubiose Wirtschaftsinteressen, Menschenverachter, Demokratiefeinde. Keine Alternative.

Am 25. April habe ich den Post „AfD, alles, nur keine Alternative zu Irgendwas“  veröffentlicht. Dieser beinhaltete eine Kritik der Programmatik der AfD. Ich habe mich danach nicht mehr zu dieser Partei geäußert weil sie sich schneller  zerlegte als es andere Partei-Neugründungen in den letzten Jahren geschafft haben.

Inhaltliche Plattheit und personelle Inkompetenz

Sie war, bedingt durch inhaltliche Plattheit und personelle Inkompetenz, für mich nichts, was irgendwie beachtenswert gewesen wäre.

Dies hat sich in den letzten Tagen geändert.

Nicht, weil die AfD sich bei inhaltlicher Plattheit und personeller Inkompetenz gewandelt hätte.

Nein, vielmehr erstens, weil Mitglieder der AfD im Blog „Gewalt gegen die AfD“ eine „schwarze Liste“ ihrer Kritiker führen, teils mit Foto. Das furchtbare Bild einer Partei mit öffentlicher Feindesliste wird nicht gemildert durch die Tatsache, dass der Parteivorstand der AfD sich offiziell davon distanziert.[1]
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Friedensbewegte Jubelsyrer und Piraten

2. September 2013

tl;dr Seit zwei Jahren wird in Syrien gemordet . Es gibt Menschen die Verharmlosen das und behaupten, die USA seien der Ursprung allen Übels.

Seit zwei Jahren wird in Syrien gemordet, werden Städte und Dörfer zerstört, Menschen vertrieben. Im März 2011 begannen durch die blutigen Reaktionen des syrischen Regimes auf die Proteste gegen Diktator Assad die Auseinandersetzungen, die zum syrischen Bürgerkrieg führten.

Friedensbewegte Propaganda

Das in Syrien eine Regierung die Bevölkerung des Landes nach friedlichen Protesten abschlachten ließ und so einen Bürgerkrieg begann, sollte eigentlich unbestreitbares Allgemeinwissen sein.

Leider ist dieses Allgemeinwissen bei den Jubelsyrern, die das Gros der „Deutschen Friedensbewegung“ stellen, nicht angekommen.

Das „Solidaritätskomitee für Syrien“ stellt die Situation wie folgt dar: „Zu Beginn der Ereignisse in Syrien gab es Proteste gegen die Regierung und ihre Politik, gegen Repression und Korruption. Diese Proteste wurden von Anfang an medial aufgebauscht, unwahr  unkritisch und einseitig dargestellt und von NATO und den Golfmonarchien instrumentalisiert in ihrem Kampf gegen Syrien.

Friedensfreunde“ in Deutschland, auch in der Piratenpartei, haben in letzten Jahren alles darangesetzt, das Regime des syrischen Diktators Baschar Hafiz Al-Assad zu stabilisieren.

Wenn „Friedensfreunde“ sich zu Syrien äußern, dann nicht gegen Diktator Assad. Sie äußern sich auch nicht gegen islamistische Gruppen wie die Terrororganisation Hisbollah, die das Regime in Syrien mit brutaler militärischer Gewalt unterstützt, gegen die Regierung der islamischen Republik Iran, die das Morden durch ideologische und materielle Unterstützung in Gang hält oder dagegen, dass Russland und China den UN-Sicherheitsrat blockieren.
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„Antizionismus“ als Form des Antisemitismus

25. Juni 2013

tl;dr Warum Antisemitismus in teilen des europäischen und Nahöstlichen „Antizionismus“ enthalten ist „wie das Gewitter in der Wolke“.

Wenn einige Menschen über „den Zionismus“ reden, dann werfen sie mit Worthülsen wie Rassismus, Faschismus, Islamophobie, Nationalismus, Kriegstreiberei, Apartheid, Bombenterror um sich.

Ergänzt wird dieses Gerede mit dem Vokabular, das Antisemiten seit Jahrhunderten über „den Juden an sich“ benutzen. So geht es um das Brunnenvergifter, Pestverbreiter, Kindsmörder und nicht zuletzt das Streben nach Weltherrschaft.

Antizionisten“

Man könnte sagen: „Antizionisten“ projizieren alles Negative und Schlechte in der Welt auf „den Zionismus“.
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Jakob Augstein und Anderes

5. Januar 2013

Das Simon Wiesenthal Center ( SWC) in Los Angeles hat Jakob Augstein auf eine Liste der zehn gefährlichsten Israelhasser /Antisemiten gesetzt.[1]

Das SWC ist weder ein akademischer Wächterrat, noch eine Institution, die universell und einzig das Recht hat, Listen von Israelhassern, Antisemiten oder schlich Blöden Menschen und Organisationen auf der Welt aufzustellen. Das SWC ist nichts als eine politische Organisation in den USA. Diese Organisation ist deutlich rechts zu verorten.

Seine Artikel triefen vor Dumpfheit

Augstein ist jemanden, der als unreflektierter Israelhasser gelesen werden kann – ein Antisemit ist er sicherlich nicht; aber er ist auch nicht bloßes Opfer einer Böswilligen Kampagne. Seine Artikel zu Israel sind einseitig und triefen vor Dumpfheit. Zurecht kann man ihn schlicht als tendenziös bezeichnen.

Er ist nichts als ein mittelmäßiger Journalist, der mit seiner Ich-bezogenen, billigen Polemik gegen den Staat Israel ein Skandälchen hervorrief. Dass man ihn nun auf die Liste der zehn gefährlichsten Israelhasser der Welt zusammen mit Ajmadineshad und der faschistischen Jobbik-Partei setzte, ist schlicht daneben.

Ja, Augstein [..hat..] Israel in einer dramatisch verallgemeinernden und diffamierenden Weise dargestellt, das gilt nicht zuletzt für die jüdische Orthodoxie, […] das gilt für die israelische Außenpolitik, das gilt für die israelische Gazapolitik. Er spricht immer von Israel ganz allgemein, er spricht von den Juden ganz allgemein.“[2]

Mehr gibt es dazu nicht zu sagen.

Dramatisch verallgemeinernd und diffamierend

Es ist auffällig, dass, wenn es um den Staate Israels geht, jeder Vorwurf sich selbst als Beweis und legitim gilt – egal wie abstrus er ist. Dies gilt auch in der Piratenpartei.

Alles, was Hamasterroristen und Fatahverbrecher tun, wird hingegen relativiert: Die Verantwortung von Hamas, Fatah und Hizbu ‚llah an der Bombardierung des Staates Israel mit Granaten mit dem Ziel der Verstümmelung und Ermordung seiner Bürger, die Verbrechen des Iranischen Regimes, das Morden von Attentätern etc. Dies gilt ebenso in der Piratenpartei.

Beim Staat Israel wird hingegen jede Handlung moralisch gewichtet. Da ist Gaza dann, in der Sprache der Hamas, ein Konzentrationslager und die Assoziation zum KZ gewollt.

Solches Handeln und Reden hat ein Ziel: die Hamas und Fatah, die das eigene Volk aufhetzen, in der BRD als Opfer darzustellen. Diese Haltung verschärft den Konflikt in Nahost, sie hat keinen positiven Effekt.

Wer dieses Vorgehen kritisiert, wird als linksradikal diffamiert oder von ihm wird einseitig sachliche Kritik eingefordert. Das Recht auf sachliche Kritik wird übrigens immer von denen eingefordert, die weder eine vernünftige Analyse noch sachliche Kritik produzieren.

Dann wird der Vorwurf erhoben, dass “immer mehr Antisemitismus“ geschrien werde. Zahlreiche Studien haben gezeigt, dass antisemitischen Ressentiments tief in der Gesellschaft verankert sind. [3] Der Vorwurf des angeblich inflationären Gebrauchs einer Kritik ist schlicht ein Abwehrreflex, um nicht inhaltlich argumentieren zu müssen. Die Abwehr von Kritik an rassistischen Äußerungen funktioniert genauso.[4]

Nichts als die Vernichtung des Staates Israels

Der Kampf der Hamas, Fatah und Hizbu ‚llah ist kein „gerechter“ Kampf, denn er steht in einer historischen Linie mit den Vernichtungsphantasien der Nazis. Organisationen wie Hamas und die Fatah haben religiöse und völkische Scharfmacher als Mitglieder und Führer; sie verfolgen eine Ideologie, die zurückzuverfolgen ist bis zur Zweitwohnung des Großmuftis von Jerusalem in Berlin unter Adolf Hitler.[5]

Diese Linie zu durchbrechen ist die einzige Chance auf Frieden. Das wird irgendwann geschehen, wenn die Arabischen Staaten demokratische Rechtsstaaten sind; und kein Despot mehr da ist, der die Palästinenser für seine Zwecke benutzt. Bis dahin muss Israel versuchen zu überleben. Den Menschen das klarzumachen wäre ein Dienst am Frieden in Nahost. Die Schmähung des Staates Israel im Gewand der Aufklärung ist es nicht. Eine Politik, die auf den Menschen und den Frieden in Nahost zielt, muss die Existenz des Staates Israel stützen und Demokraten unter den Palästinensern unterstützen.

 

Herzlichen dank an Grashalm GrünGlück @KURHOF für das beseitigen von Fehlern.

[2] In einer Demokratie muss auch Unsinn erlaubt sein  

[3] Antisemitismus in Deutschland

[4] Diskussion unmöglich bei Anti-Antisemitismus?  

[5] Mohammed Amin al-Husseini und Der Großmufti von Jerusalem beim Führer 

Manchmal glaubt man, die Menschenfeinde sind überall.

18. Dezember 2012

Es gibt in der Piratenpartei eine Frau, die davon schreibt, dass „das Konzentrationslager Gaza“ [1] bombardiert wird. Die Worte, die sie verwendet sind eindeutig mit solchen vergleichbar, in denen „die Barbarei des Judenstaates im Konzentrationslager „Gaza-Streifen““ [2] angeprangert wird.

Sie bedient sich dabei der Gedankenfigur, die auch die anderen Verwender der Phrase des „Konzentrationslager Gaza“nutzen. Die Figur, die ich bei dem NPD-Mitglied, nicht jedoch bei dem der Piratenpartei vermute. Dem, dass sich über den Schlüsselbegriff „Konzentrationslager“ die Phrase „Israel=Nazis“ in die Köpfe der Leser einbrennt.

Antisemiten sagen Konzentrationslager = Gaza und meinen Gaza = Auschwitz

Wenn die Gaza-Bewohner im Konzentrationslager schmachten, dann sind die Israelis offenbar die Nazis von heute. Dass, und nur das scheint mir die Idee hinter der Gedankenmäßigen Gleichsetzung von Konzentrationslager = Gaza, was zur Idee, Auschwitz = Gaza führt, zu sein.

Der Hintergedanke: Wer den Juden den Holocaust raubt, der nimmt dem jüdischen Staat seine Legitimation. Dieses Denken steht dahinter und manche erklären dann kurz die Regierung des Staates Israel für abhängig von Rechtsradikalen. Auch eine Methode, dem Judenstaat mit Halbwahrheiten die Legitimation zu Rauben.

Jenes denken gerinnt in Sätzen wie „Streng genommen waren die KZ’s der Nazis gar keine Konzentrationslager, das ist ein Euphemismus. Und nicht umsonst haben die die geläufige Abkürzung „KL“ durch „KZ“ ersetzt.“ [3]

Klar, den in den Lagern der Deutschen hingemordeten Menschen wird es besser gegen, wenn den Überlebenden des Mordens und ihren Nachfahren durch den Nachfahren der Täter erklärt wird, das sie gar nicht in einem „Konzentrationslager“ sondern in einem KL, KZ oder sonst was getötet wurden. Ist wichtig, besonders für Sie.

Sie beglückt die Welt mit ihrer Antisemitismus-Definition, die vom Thema so viel Ahnung hat wie Schweine vom Fliegen oder Nazis von der Gleichheit der Menschen haben: „Antisemitismus ist die Ablehnung von Menschen aufgrund ihrer (in diesem Falle sogar angeblichen) genetischen Bestimmtheit. Er unterscheidet sich in nichts von jeder anderen Art Rassismus, in der Menschen nicht über ihre Persönlichkeit, sondern über ihren Körper definiert werden wie ein Hund.“ [4]

Die Differenz zwischen Gaza ist ein KZ, und Gaza ist ein Konzentrationslager

Damit sie wirklich kein Mensch für eine Antisemitin hält, schreibt sie dann noch solche Dinge; „Und dann nimm bitte zur Kenntnis, dass ich niemals gesagt habe, Gaza sei ein KZ, sondern, Gaza ist ein Konzentrationslager. Was sich nicht wesentlich von der Aussage David Camerons unterscheidet, der Gaza als “prison camp” bezeichnete; ein Konzentrationslager ist ein “prison camp” für missliebige Zivilisten, die weder Straf- noch Kriegsgefangene sind, die dennoch rechtswidrig gefangen gehalten werden.“[5]

Also, sie hat die Nazi-Konzentrationslager nicht gemeint, weil sie „Konzentrationslager“ statt „KZ“ geschrieben hat, und das ist ähnlich einem “prison camp”. Nun, darum haben die Nazis ihre „Inspektion der Konzentrationslager“ die unter anderem für Auschwitz zuständig war, so genannt. Weil sie, wie jetzt jeder weiß, für „Konzentrationslager […] für missliebige Zivilisten, die weder Straf- noch Kriegsgefangene sind“ zuständig war. Bin ich beruhigt, ich dachte schon, in Auschwitz wären Menschen industriell maschinell vernichtet worden.

Natürlich, Sie ist fest davon überzeugt, keine Antisemitin zu sein. Denn nach ihrer Meinung „ist das Wort „Antisemitismus“ Blödsinn.“[6]

Und wenn das Wort schon Blödsinn ist, verklagt Otla Pinnow rundweg jeden, der zu behauten wagt, sie sei eine Antisemitin [7]. Darum behaupte ich das hier auch nicht, aber wer lesen kann, der lese.

Danke an @Elquee und @harryliebs für Korrektur und Kritik.

1] https://news.piratenpartei.de/showthread.php?tid=252035&page=2

[2] http://www.npd-sachsen.de/index.php?s=28&aid=337

[3] https://news.piratenpartei.de/showthread.php?tid=263391&page=2

[4] https://news.piratenpartei.de/showthread.php?tid=263391&page=21

[5]https://news.piratenpartei.de/showthread.php?tid=263391&pid=1390142&highlight=prison#pid1390142

[6]https://news.piratenpartei.de/showthread.php?tid=263391&page=7&highlight=prison

[7] https://news.piratenpartei.de/showthread.php?tid=262887&pid=1387235&highlight=peukert#pid1387235

 

Wenn Antisemiten von Gaza als Konzentrationslager Phantasieren

19. November 2012

Es gibt Tage, da bin ich es so unendlich leid, mir das Geseiere der Antisemiten in dieser Republik anzuhören. Nicht das, mit dem sie ihren Hass auf alles Jüdische und den Staate Israel im besonderen Ausdruck verleihen.

Das gehört in breiten Bereichen der BRD schon zum guten Ton. Es tarnt sich dort als Antizionismus und gibt sich kritisch, Menschenfreundlich und human. Sein Ziel ist das aller Antisemiten, nur seine Sprache ist anders. Geben Antisemiten wenigstens zu, Juden zu hassen, so verpesten die Antizionisten die Welt mit Geschwafel, das ihren Hass auf alles Jüdische als „Kampf gegen den Zionismus und nicht die Juden“ tarnen soll.

Entlarven tut sich dies immer dann, wenn irgendwo außerhalb des Staates Israel eine Synagoge brennt und sie entschuldigende Worte für die Täter finden. Sie Stammeln dann Sätze wie „Die Jüdischen Gemeinden in XXXX (hier irgendein Land einsetzen) sind Komplizen der Zionistischen Besatzungsmacht.“

Henryk M. Broder hat einmal in einem Interview über Menschen wie die Vorstehenden gesagt: „Der Antizionismus ist für Nichtjuden wie für Juden nur eine Ausrede, ihren Antisemitismus sozusagen in einer politisch aseptischen Form präsentieren zu können.“ [1] Damit hat er unzweifelhaft Recht.

Antisemiten, die die Sprache des Nationalsozialismus benutzen

Wie gesagt, um diese Antisemiten geht es nicht.

Es geht um jene Menschen, die die Taten des Nationalsozialismus durch Ethisch unzulässige Vergleiche Verharmlosen .

Zuerst wir behautet, „Der Gaza-Streifen ist ein Konzentrationslager.„. Nun frage ich mich natürlich, wie es sein kann, das ich über die Hotels in diesem „Konzentrationslager“ lese „Ein wunderschönes Hotel, toller Service und freundliches Personal” [3]

Ein „Konzentrationslager“ mit Hotels ist nun etwas außergewöhnliches, aber was ist schon die Realität, wenn es gegen Israel geht?

So als wären seit 2001 nicht über 11.000 Raketen aus Gaza gegen Israel abgeschossen worden, wird gelogen „letztlich beansprucht Israel darüber zu bestimmen, was dort [in Gaza] geschehen darf und was nicht.“ Klar, die Raketen sind der Wunsch Israels. Ach ja, dieses, „Israel“ statt „Regierung des Staates Israel“ zu schreiben und damit alle Bürger dieses Staates zu in Haftung für die Regierung zu nehmen macht sie voller Freund. Die Differenzierung nicht das ihre, das grobe, holzschnittartige ist ihr alles.

Antisemitischer Dreisprung

Jetzt setzt unsere Piratin zum Dreisprung des Spurenverwischens an.

Behauptete sie eingangs noch, Gaza wäre ein Konzentrationslager und weckte so Assoziationen an die Nazis, so Folgt jetzt der Erklärbär.

Schritt 1) „Konzentrationslager wurden nicht von den Nazis erfunden, sondern von den Briten im Burenkrieg in Südafrika.“

Historisch korrekt, wird auch gerne von der NPD [4] und anderen unappetitlichen Gruppen genommen. [1]

Schritt 2) „Mit einem solchen kann Gaza ohne weiteres verglichen werden.“

Nö, kann es nicht, den in den Konzentrationslagern der Buren hatten die gefangenen weder Hotels noch Waffen. Kann man aber mal versuchen. Ist doch so: man muss nur Häufig genug die Unwahrheit sagen, irgendwann findet sich jemand, der den Dreck glaubt.

Schritt 3) „Unter den Nazis gab es Konzentrations- und Vernichtungslager.“

Ja, das stimmt, ich sehe nur die Rückkehr zu den Nazis nicht, ist Gaza doch ein dem Britischen Kz’s ähnlicher Ort. Die Diktion ähnelt aber jener der Hamas Freunde, die die Shoa gerne einem „Genozid an den Palästinensern“ gegenüberstellen. [5] Ansonsten ist das die Unwahrheit, es gab Schutzlager, Arbeitslager, Nebenlager, Gettos.

Schritt 4) „Zudem das Warschauer Ghetto, das im Prinzip auch ein Konzentrationslager war.“

Ich bin verwirrt ob des Gedankensprungs. Will uns die Autorin sagen, das das Warschauer Getto mit seinen Tägliche Transporten nach Auschwitz vergleichbar mit einem Burischen Lager im Südlichen Afrika war? Oder meint sie, das, wie im Warschauer Getto in Gaza Täglich Menschen für die Vernichtung aussortiert wird? Sie lässt uns mit diesen Fragen alleine. Und dies scheint auch das Ziel zu sein: das Pflanzen der Fragen in unsere Köpfe.

Unsere Freizeithistorikerin kehrt um Ausgangspunkt zurück und vergleicht Gaza mit dem Warschauer Getto, das nach ihren Worten ein Konzentrationslager war, das den britischen Konzentrationslagern im Südlichen Afrika vergleichbar war. Somit ist die Saat der Verharmlosung von Warschau und der Überbewertung von Gaza gesät.

Aber unsere Hobby Historikerin ist mit ihrer Umdeutung der Geschichte noch nicht fertig.

Konzentrationslager mit Hotels

Sei schwadroniert „ Niemand kann den Israelis unterstellen, dass sie Palästinenservernichtungslager unterhalten; solches ist bisher einzigartiges Verbrechen deutscher Nazis.“

Und, die Dreiste Verleumdung des Staates Israel, die Perfide Dreckschleuderei, gefunden?

Erstens: die Nazis haben nie Palästinenservernichtungslager unterhalten. Palästinenser waren ihre Freunde bei dem betrieb der Judenvernichtungslager. [6]

Und dann der Höhepunkt das Wort „bisher“ im Kontext. Hier wird die Behauptung aufgestellt, das die Nazis Palästinenservernichtungslager unterhalten haben und damit einzigartig waren, bis die Israelis ihnen folgen.

Der Sätze sind genug geschrieben. Man ist geneigt zu sagen: Piratenpartei, warum tust du dir dieses Gewäsch an? Aber man weiß: Meinungsfreiheit, auch wenn sie Millionen tote Juden und Abermillionen lebende Juden in Israeli und der Welt schändet ist heilig.

Ich hoffe, die Piratenpartei zeigt dieser Piratin, schnellstmöglich die Tür und den Finger. Ich hoffe, aber weiß, es wäre zu schön um wahr zu sein.

Nachtrag vom 11. Dezember 2012:

Von @gormulus zu Otla Pinnow, die glaubt, keine Antisemitin zu sein, sondern nur was gegen „den Juden an sich“ hat.

“Das wird man ja wohl noch sagen dürfen!”

[1] Henryk Broder über jüdischen Antisemitismus, Selbsthass und Judenfragen

[2] https://news.piratenpartei.de/showthread.php?tid=252035&page=2

[3] http://www.tripadvisor.de/Hotel_Review-g663088-d1974787-Reviews-Al_Mathaf_Recreational_and_Cultural_house-Gaza_City.html

[4] http://www.npd-sachsen.de/index.php?s=28&aid=337

[5] http://islamonline.net/en/552

[6] http://de.wikipedia.org/wiki/13._Waffen-Gebirgs-Division_der_SS_%E2%80%9EHandschar%E2%80%9C_(kroatische_Nr._1)

Die Freunde der Jüdischen Vorhaut, Reloaded

4. September 2012

Um im Jahre 2012 über die Beschneidung von Jüdischen und Muslimischen Jungen schreiben zu können, muss am Anfang immer eine klare Positionierung für oder gegen Beschneidung erfolgen.

Egal aber, ob der Stellungnehmende gegen oder für Beschneidung ist, das Antisemitische und antimuslimische Pack ruft immer „Ich bin auch schon hier.“

.. Das hier ist für alle die“

Wenn z.B.  Michael Wolffsohn in der Welt aus Jüdischer Sicht gegen die Beschneidung argumentiert, tauchen in den Kommentare dazu Bemerkungen „Wer ist Mose? War das nicht ein Tier?“ oder „Nur tollerante Juden und Moslems sind gern wilkommen.“, sowie „man niemanden ohne seine erklärte Zustimmung einen Körperteil amputiert.“ auf. [1]

Man könnte sich über den Geisteszustand des  Wolffsohn Applaus spendenden Pöbels Gedanken machen, aber das wäre Zeitverschwendung. Diese Menschen, die gefangen sind in einer Melange aus Desinformation, grundlegender Blödheit und Halbwahrheiten sind keine Diskussionspartner in der Beschneidungsdiskussion, denn sie sind keinem Rationalen Gedankengang zugänglich.

Schlimm ist es, wenn das einzige „Argument“ für die Beschneidung in den Kommentaren „aber woran sollen wir sie dann erkennen?“ ist. [1]

Wenn ein Ex-Muslim und Gegner der Beschneidung wie @AliCologne sich zu dem Thema äußert, sind die normalen Kommentare des Fan Clubs ihm nicht angemessen. In diesem Fall ist der Intellektuellen Standard auf  dem Niveau von „Politically Incorrect“, auch wenn es auf youtube gepostet wird.

Hier kann man dann Statements wie „Dass die Moslems die Schöpfung Ihres eigenen Gottes beleidigen indem Sie sich verändern, das ist lächerlich und doppelt krank..“ neben Äußerungen wie „Ich begrüße dieses Urteil, weil ich in ihm ein erstes kleines Bollwerk gegen den islamischen Gewaltexzess sehe“ sich aber weltoffen geben und argumentieren, das „ein Moslemkind empfindet dieselbe Tortur genauso wie ein jüdisches“.

… Die es wissen“

In all diesem liegt mein Problem!

Nicht, das ich alle Gegner der Beschneidung von Jungen, in welchem Lebensjahr auch immer, pauschal für Antisemiten oder antimuslime halten würde. Wie auch, den das wäre pauschalierend und das ist der Gegner jedes (Klugen) Gedankens.

Was mich verunsichert ist der breite Konsens innerhalb der Gesellschaft, das auch das plumpste, dümmste und vor Menschenverachtung triefende „Argument“ in dieser Debatte noch willkommen  ist.

Anders gesagt: es erschreckt,  wie schnell der dünne Firnis der Zivilisation in der BRD vergessen ist, wenn Teile der Bevölkerung auf nicht erfolgenden Widerspruch, der Zustimmung beinhaltet, stoßen , wenn sie dumpfe Ressentiments gegen Minderheiten schüren..

Hinzu kommt, dass auch Menschen, denen niemand es zutraut, sich plötzlich im Ton vergreifen.  So werden Menschen, die beschnitten sind, oftmals pauschal als „amputiert“ oder  „verstümmelt“ bezeichnet. [3]

Die Menschen, die sich der Klassifizierung als „amputiert“ oder „verstümmelt“ verweigern werden psychosomatische Störungen unterstellt. Am beliebtesten ist die, das sie sich, weil sie, als Juden, ja schon am achten Tag seines Lebens beschnitten wurden, an die Schmerzen nicht mehr erinnern können, sie verdrängt haben. [4]

Besonders perfide ist dies, wenn Menschen aus der Piratenpartei oder Freidenker so argumentieren, den sie, die gegen Bevormundung eintreten, maßen sich an, zum Erreichen eines Zieles Menschen zu bevormunden und zu Psychologisieren.

… Dass man alles kann“

Besonders peinlich wird es, wenn Freidenker gegen die Beschneidung argumentieren und, neben der Bereitschaft sich Klischees zu bedienen auch noch null Historisches Bewusstsein beweisen sowie klar machen, das sie eigentlich nichts von universellen Rechten halten.

Da schreibt ein Autor „Darüber hinaus ist es ein Treppenwitz der Geschichte: Ausgerechnet Vertreter der monotheistischen Religionen berufen sich auf Freiheiten, die damals wie heute gegen ihren erbitterten Widerstand erstritten werden mussten.

Angesichts dessen entlarven sich Nazivergleiche, wie man sie nicht nur von jüdischen Vertretern liest und hört („Schwerster Angriff auf das jüdische Leben seit dem Holocaust“, “Töten des Judentums in Deutschland”), als das, was sie sind: Als billige Polemik. Und Heuchelei. Denn die zahlreichen Privilegien, die religiöse Körperschaften genießen, bleiben natürlich unerwähnt.“.[5]

Ich sitze vor diesen Sätzen und denke mir: ist der eigentlich intellektuell Satisfaktionsfähig oder einfach nur unappetitlich?

Also da wird mit großen Donner den Religionsgemeinschaften in der BRD vorgehalten, das sie sich „auf Freiheiten, die damals wie heute gegen ihren erbitterten Widerstand erstritten werden mussten“, berufen.

Na, das ist mal eine steile These gegen das Judentum. Da sitze ich nun und befrage mein Wikipedia, wo auf dieser Welt  Freiheiten wie, Historisch, die Menschenrechte gegen den erbitterten Widerstand des Judentums erkämpft werden mussten?  Ich suche und denke und denke und suche.

Und finde:  Nichts!

…Doch man muss nichts müssen“

Eigentlich geht es den Autor ja nur darum, die, aufgrund der Historie diese Landes nicht ganz unbegründete Furcht einiger(?) Juden, das das Ziel der Vergangenheit, die Welt judenfrei zu machen, noch nicht aus dem Denken vieler Deutscher  verschwunden ist, zu diskreditieren.

Er hat aber schlicht, wie die meisten Deutschen, keinen Bock darauf, sich damit auseinanderzusetzen, sondern tut es, weil ja die Freiheit in Deutschland auch gegen die Jüdische  Religion erkämpft wurde, „als billige Polemik“ ab.

Das ist mal eine Denkfigur: ich behaupte, etwas gegen eine Religion erkämpft zu haben und darum ist das, was sie gegen meine Forderungen sagt, nichts wert („ billige Polemik“).

Dann kommt er aber mit dem schwersten „Argument“ daher. Er unterstellt den jüdischen Gemeinden in Deutschland Heuchelei, weil sie bei der Beschneidungs Debatte nicht permanent auf ihre Privilegien hinweisen.

Ich versuche mal die Argumentationskette zu fassen: Auch gegen das Judentum musste die Freiheit in der BRD erkämpft werden, darum ist die Angst vor dem erneuten Versuch, das jüdische Leben in der BRD auszurotten, billige Polemik und das auch deshalb, weil die Jüdische Religionsgemeinschaft die gleichen Rechte wie z.B. die Evangelische Kirche hat.

… Die es laut sagen“

Und weil Juden in Deutschland ähnliche Rechte wie „deutsche“ Religionsgemeinschaften haben, wird das Privilegien genannt. Ist halt so in Deutschland.

Und eines noch, Freidenker der du frei vom Denken bist: Freiheiten gelten universell und gerade auch für jene, die sich ihnen in den Weg gestellt haben. Es gibt nur ein Recht für alle, auf das sich jeder jederzeit beziehen darf.

Warum sind Menschen, die doch eigentlich ähnliche Ziele haben wie ich, „Intellektuell“ zu so was fähig?

Ich weiß es nicht und ich glaube, ich will es auch nicht wissen.

Ein letztes: im Rahmen der Beschneidungsdebatte sind verschiedene Diskussionen mit Moscheegemeinden und mit Jüdischen Gemeinden geführt worden. Dabei tauchte, von Seiten einzelner Menschen, auch aus der Piratenpartei, immer wieder die Forderung auf, auch Betroffene in die Diskussion einzubeziehen.

Auf meine entgeisterte Gegenfrage, als was sie den Vorbeter der Moschee oder den Rabbi der Synagoge bezeichnen würden, war immer die Antwort, dass man mit Betroffener einen Beschnittenen Gegner der Beschneidung meint.

Betroffenheit erfordert wahrscheinlich Qualen und Leiden und ist nicht vom Zustand der Vorhaut abhängig, sondern von der Haltung ihr gegenüber?

Ok, auch hier will ich lieber nicht wissen, wieso jemand der Beschnitten ist und nicht gegen Beschneidung ist, kein Betroffener von Beschneidung ist.

Über die, eine wie auch immer geartete eine Form von Intellekt nicht erkennbar machende, Gleichsetzung von Beschneidung mit sexuellen Missbrauch lasse ich mich hier nicht aus.

… Dass das Leben zu kurz ist“

Eine grundlegende Diskussion über das Elternrecht, die begonnen wurde, als das Schlagen von Kindern in die Diskussion kam, ist auch bei der Beschneidung unabdingbar.

Der Versuch, Menschen die einen Teil ihrer Persönlichen Identität aus ihrem Glauben beziehen, und darum der Beschneidung ihrer Kinder zustimmen, zu kriminalisieren, ist keine  Diskussion.

Eine Bewegung gegen Beschneidung muss klar machen, das sie den Antisemitischen und antimuslimischen Pöbel eindeutig in die Schranken weisen und ihm zeigen, das seine Intentionen nicht die der Beschneidungsgegner sind.

…Um nichts zu wagen“

Ach, mir fällt auf, dass ich noch kein Bekenntnis abgelegt habe.

Da die Diskussion über Beschneidung eine Bekenntnisfrage ist, hier ist es:

  1. Ich finde , das @AliCologne für sein Anliegen eine  tollen Job macht, weil er über die Schilderung seines Persönlichen Empfindens auch viele Menschen, die beschnitten wurden, zum Nachdenken bringt;
  2. Ich finde die Diskussion zur Beschneidung, die in einzelnen Bereichen der jüdischen Gemeinschaft in der BRD läuft, spannend;
  3. Ich finde die Diskussion zur Beschneidung, die in einzelne Bereichen der muslimischen Gemeinschaft in der BRD läuft, spannend;
  4. Ich finde es fatal, wenn in Deutschland angefangen wird, Juden und Muslime anzugreifen, weil sie eine Religiöse Einstellung besitzen, die mit Kulthandlungen verbundene ist. Nach meinem Verständnis bekämpfen Atheisten Religion und nicht die Menschen, die ihr angehören;
  5. Ich bin gegen Beschneidung von Kindern, egal ob Jungen oder Mädchen, akzeptiere aber die 4000 jährige Tradition einer Religionsgemeinschaft, der ich mich, auch als Atheist, verbunden fühle.

Die Zwischenüberschriften stammen aus Klee “ Für Alle, Die “ hier der link zum Viedeo http://www.youtube.com/watch?v=ao1ZLuYyZok

[1] http://www.welt.de/debatte/article108845278/Nicht-die-Beschneidung-macht-den-Juden.html

[2] http://www.youtube.com/all_comments?v=1VQyLvhd28o

[3] hier http://blog.sebi-rockt.de/2012/08/24/beschneidung-verstummelung-aus-religiosen-grunden/

und hier http://bremen.piratenpartei.de/Blog/2012-7-19/das-beschneidungsurteil-von-koeln—ein-richtiges-zeichen/

und hier http://piraten-erlangen.de/2012/07/18/kolner-beschneidungsurteil-ist-moralischer-meilenstein-piratenpartei-sieht-kinderrechte-gestarkt/

und hier http://www.politik-forum.eu/viewtopic.php?p=1594407

und und und

[4] so ab Min. 14 http://www.youtube.com/watch?v=K5RpxXKo3Nw&feature=related

[5] http://gbs-berlin.org/beschneidung-die-allianz-der-heuchler/