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Aufbruch in Fahrtrichtung links.

21. Januar 2016

Eine Erkenntnis des Jahres 2015 ist: Die Piratenpartei ist tot. Als ehemalige Angehörige, Funktionsträger*innen und Mandatsträger*innen der Piratenpartei arbeiten wir seit Jahren an den Fragen für die Politik des 21. Jahrhunderts. Die Unzulänglichkeit gewohnter Vorstellungen von Gesellschaft und Politik in einer immer enger zusammenwachsenden Welt gehört genauso zu diesen Fragen wie die konkreten politischen, ökonomischen und sozialen Umwälzungen durch Migration und Digitalisierung. Klassische Begriffe der deutschen Politik, des sozialen Austauschs und der privatrechtlichen Ordnung – wie Arbeit, Wissen und Sicherheit – funktionieren inzwischen anders und verhalten sich in aktuellen politischen Kontexten völlig unterschiedlich zu unseren politischen Erfahrungswerten. Wir haben erkannt, dass – wenn wir ein offenes und menschliches Europa und einen sozialen und freien Umgang mit neuen Technologien wollen – es unsere Aufgabe ist, ebensolchen Unzulänglichkeiten zu begegnen und neue Antworten zu finden.

Keine Politik zu machen ist für uns keine Option.

Obwohl einst genau zu diesem Zweck angetreten, ist die Piratenpartei dabei keine Hilfe mehr.

Dem zum Trotz haben wir uns dazu entschieden, uns weiter für ein sozialeres und offeneres Europa und Berlin einzusetzen. Keine Politik zu machen ist für uns keine Option.

Deutschland hat im Jahr 2015 mehr als 700.000 Geflüchtete aufgenommen und zunächst notdürftig versorgt. Wie sehr die europäische und die bundesrepublikanische Gesellschaft durch

diesen Umstand erschüttert worden sind, ist noch nicht erforscht. Die Implikationen können uns noch nicht klar werden, sie beginnen und sie enden sicher nicht mit dem Aufstieg der Deutschen Rechten in Form rechtspopulistischer Bewegungen und der rechtsradikalen AfD. Wie sich unsere Gesellschaft verändern muss und verändern wird mit den Menschen in Not, denen wir die Hand reichen, lässt sich sicher auch nicht im Jahr 2016 beantworten. Das muss in den nächsten

Jahrzehnten diskutiert und gestaltet werden. Wir sind überzeugt, dass es eine linke Diskurshoheit bei diesen und allen anderen umwälzenden Prozessen der globalisierten Gesellschaft und Ökonomie braucht, wenn nicht nur der gesellschaftliche Fortschritt der nächsten Jahre vorangetrieben, sondern auch der Fortschritt der letzten Jahrzehnte bewahrt werden soll.

Das 21. Jahrhundert zeichnet sich durch eine technologische und gesellschaftliche Entwicklung aus, die Kommunikation global und somit grenzübergreifend ermöglicht. Primat linker Politik muss es jetzt sein, diese globale Bewegungsfreiheit für alle Menschen zu ermöglichen. Nach der industriellen Revolution bietet sich durch die rasante Digitalisierung der globalen Gesellschaft die nächste Chance, grundlegende Prinzipien neu zu bewerten. Immer stärker automatisierte Produktionsprozesse können es ermöglichen, menschliche Arbeit weitgehend überflüssig zu machen. Damals wie heute liegt es in der Verantwortung der menschlichen Gesellschaft selbst, dafür zu sorgen, diese Entwicklungen zu nutzen. Wenn uns Maschinen noch mehr Arbeit abnehmen können, muss das auf eine Art geschehen, dass Arbeiter*innen nicht schlechter dastehen als zuvor, denn die Befreiung von der Arbeit kann auch befreiend für uns alle sein. Es gilt, dem dystopischen, permanent überwachenden und verwertenden Repressionsapparat eine positive, in Freiheit vernetzte Gesellschaftsvision gegenüberzustellen.

2016 nimmt Schlüsselrolle ein

Das Jahr 2016 nimmt dabei nicht nur für uns eine Schlüsselrolle ein, angesichts der Tatsache, dass die Piratenpartei, mit der immer noch viele von uns identifiziert werden, im Herbst des Jahres sehr wahrscheinlich keine Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus mehr stellen wird.

Es ist vielmehr das erste Wahljahr, nach dem die Migrationsbewegung nach Europa auch Deutschland erreichte. Es ist das Jahr in dem nach fünf Jahren völligen Versagens einer uneinigen Zweckregierung in Berlin wieder neu gewählt werden muss. Die fehlende linke Diskursmehrheit hat sich in den letzten Jahren der großen Koalition deutlich bemerkbar gemacht.

Die Seehofers, die Henkels und die Czajas dieser Republik stören sich nicht an dem etablierten braunen Mob, begründet er doch ihre „besorgte Bürger“-Rhetorik und entschuldigt das Versagen bei Aufklärung und Verhinderung von rechten Gewaltexzessen.

Wir halten dagegen.

Wir halten dagegen.

Wir fordern politischen Umschwung und werden dafür kämpfen, dass rechte Parolen und Ressentiments in der Berliner Politik nicht weiter Fuß fassen. Wir treten mit aller Kraft gegen die AfD ein, die droht in das Abgeordnetenhaus einzuziehen.

Wir arbeiten daran, die Menschen in der Stadt über den wahren Charakter ihrer rechtsnationalen völkischen Verirrung aufzuklären.

Wir stehen für „Netze in Nutzerhand“ und „Religion privatisieren“.

Wir fordern endlich eine transparente und offene Verwaltung und nachvollziehbares Regierungshandeln ein. Das hat sich seit dem Einzug der Berliner Piratenfraktionen in das Abgeordnetenhaus und die Bezirksverordnetenversammlungen weder geändert, noch ist es heute weniger nötig als 2011. Im Gegenteil, das Parlament der Hauptstadt wird seit fast fünf Jahren kontinuierlich entmachtet und in seinen Kontrollmöglichkeiten behindert. Es ist kein Zufall, dass Untersuchungsausschüsse sprießen, wo eine transparentere Verwaltung und ein handlungsfähiges Parlament gemeinsam mit der Öffentlichkeit Skandale schon in der Entstehung hätten verhindern können.

In einem Klima des Filzes und der Handlungsunfähigkeit empfinden wir es als Pflicht, politisch aktiv zu bleiben und zu werden und rufen dazu auf, sich mehr und nicht weniger in demokratische Prozesse und Diskurse einzubringen.

Für uns ist der freie Zugang zu Wissen und Informationen für alle eine Frage der sozialen Gerechtigkeit.

Für uns sind Gleichstellung und ein diskriminierungsfreier Zugang zu Sicherheit, Wohlstand und individueller Entfaltung kein Versprechen für eine ferne politische Zukunft, sondern eine Frage der Notwendigkeit. Das Aufbegehren der „technologisierten Jugend“ gegen den Missbrauch von Technologie zur lückenlosen Überwachung aller Menschen ist zum Kampf vieler gesellschaftlicher Gruppen gegen den offen auftretenden Polizei- und Überwachungsstaat geworden.

Wir brauchen ein Gesellschaftsbild, dass fundamental vom Status quo der Leistungs- und Segregationsgesellschaft abweicht und über den nächsten Wahltermin hinaus reicht.

Die organisierte Linke – und damit auch die Partei die LINKE – entwickeln und diskutieren als einzige in Deutschland ein solches Gesellschaftsbild in unserem Sinne. Wir möchten dazu beitragen, diese politische Vision gemeinsam mit der Linken zu entwickeln.

Wir haben uns dazu entschieden, die Linke in Berlin im Jahr 2016 und darüber hinaus kritisch und solidarisch zu unterstützen und so an einer solidarischen Alternative zum bürgerlichen Mainstream in Europa mitzuarbeiten.

Wir sehen uns.

Unterstützende

Gerhard Anger, ehem. Landesvorsitzender Piratenpartei Berlin

Monika Belz, Mitglied BVV Treptow-Köpenick

Leonard Bellersen, Generalsekretär Junge Pirat*innen

Benjamin Biel, ehem. Pressesprecher Piratenpartei Berlin

Florian Bokor, ehem. Vorstand Piratenpartei Sachsen

Joachim Bokor, ehem. Justiziar Piratenpartei Deutschland

Frederik Bordfeld, Mitglied BVV Pankow

Marius J. Brey, ehem. Piratenpartei

Steffen Burger, Mitglied BVV Neukölln

Katja Dathe, ehem. Schatzmeisterin Piratenpartei Berlin

Martin Delius, Mitglied des Abgeordnetenhauses

Konstanze Dobberke, ehem. Piratenpartei

Cornelius Engelmann-Strauß, Mitglied BVV Treptow-Köpenick

Anisa Fliegner, Sprecherin BAG Netzpolitik die LINKE

Marcel Geppert, Mitglied BVV Marzahn-Hellersdorf

Björn Glienke, Bürgerdeputierter Marzahn-Hellersdorf

Anne Helm, Mitglied BVV Neukölln

Oliver Höfinghoff, Mitglied des Abgeordnetenhauses

Michael Karek, ehem. Vorstand Piratenpartei Berlin

Jan Kastner, ehem. Kandidat für die Piratenpartei

Deutschland

Steven Kelz, Mitglied BVV Marzahn-Hellersdorf

Martin Kliehm, Fraktion DIE LINKE Römer Frankfurt a.M.

Fabian Koleckar, ehem. Vorstand Junge Pirat*innen Berlin

Lasse Kosiol, Mitglied BVV Spandau

Matthias Koster, ehem. Vorstand Piratenpartei Trier

Andreas Krämer, ehem. Vorstand Piratenpartei Bremen

Peter Laskowski, Bundeskoordinierungskreis der Ema.Li

Hartmut Liebs, ehem. Piratenpartei

Steffen Ostehr, Mitglied BVV Marzahn-Hellersdorf

Julia Schramm, ehem. Bundesvorstand Piratenpartei

Deutschland

Volker Schröder, Mitglied BVV Treptow-Köpenick

Daniel Schwerd, Mitglied des Landtages NRW

Dr. Benedict Ugarte Chacón, ehem. Piratenpartei

Dr. Simon Weiß, Mitglied des Abgeordnetenhauses

Jan Zimmermann, ehem. Vorstand Piratenpartei Berlin

Piraten und Abtreibung

16. Januar 2014

Tl;dr Es geht um Spätabbruch, Fakten zu Schwangerschaftsabbrüchen und die Frage des Selbstbestimmungsrechts der Frau

Da wirft ein Mensch die Idee eines Schwangerschaftsabbruchs bis zum 9. Monat (auch Spätabbruch genannt) ohne Zwangsberatung in den Raum und sofort empören sich reihenweise Mitglieder der Piratenpartei. [1]

Würde es beim Empören bleiben, so wäre das ja ok.

Aber sie gehen weiter: Die, die NICHT diskutieren wollen ersetzt die Diskussion durch die Beschimpfung der Stichworgeberin. Wörter wie „Kindermörderin“, „Verfassungsfeindin“ , „Terroristin“ oder „Wegbereiterin für Euthanasie“ werden von einzelnen genutzt, als sei „Lebensschützer“-Propaganda Teil des Grundsatzprogramms der Piratenpartei. [2]

Der UN-Menschenrechtsrat und das BVerfGE als „Kindermörderin“?

Der UN-Menschenrechtsrat hat bei seiner 18. Generalversammlung im Jahre 2011 seine „Besorgnis über Hindernisse zum Ausdruck gebracht, die Schwangerschaftsabbrüchen da, wo sie gesetzlich zugelassen sind, in den Weg gestellt werden“ [3]. Der Berichterstatter, Anand Grover aus Indien, forderte bei der Übergabe des Berichts, „sämtliche Hindernisse zu Abtreibungen zu beenden“.

Nun ist die „soziale Indikation“ oder auch die „Fristenlösung“ sicherlich nichts anderes als eine „legale Restriktion“, deren Abschaffung der UN-Menschenrechtsrat fordert. Auch die „medizinische Indikation“ bei dem Spätabbruch bis zum 9. Monat stellt eine solche Restriktion dar, die beseitigt werden soll. Nun kann ich mich aber nicht erinnern, dass die, welche sich jetzt am lautesten empören, im Jahre 2011 schrieben: „Der „@UN-Menschenrechtsrat ekelt mich mit seiner Meinung zu Abtreibung einfach nur an“.
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Queer und Quoten in der Piratenpartei

30. Oktober 2013

tl;dr Die (Un-) Sichtbarkeit von Frauen* in der Piratenpartei, der Widerspruch von Queer gegen Quoten und warum Queer Quoten unterstützen

Wir leben in einer Gesellschaft, in der das Geschlecht das Leben der Menschen bestimmt.[1]  Das ist ein Faktum, das zu akzeptieren ist, da es die gesellschaftliche Realität abbildet.

Darum ist Geschlechterpolitik auch ein Dauerbrenner in den Auseinandersetzungen der Piratenpartei. Und wer jetzt sagt „Das ist erst so, seitdem die ganzen Feministinnen dabei sind“, der belügt sich selber. Denn auch wenn in der Piratenpartei die Geschlechterfrage nicht diskutiert wurde, so war sie doch immer manifest. Sie war manifest durch die Tatsache der Abwesenheit und die Unsichtbarkeit von Frauen* in der Partei. Diesen sichtbaren Mangel durch Verweis auf Nichterfassung des Geschlechts in Beitrittserklärungen oder mit „Postgender“ Geschwurbel weg leugnen zu wollen ist unehrlich und realitätsfremd.

In dieser Unehrlichkeit gleichen Teile der Piratenpartei der katholischen Kirche, die auch nicht wahr haben will, dass die Abwesenheit von Frauen* in Führungspositionen sie gesellschaftlich isoliert. Und gegenüber der Piratenpartei ist die katholische Kirche in ihrer Mitgliedschaft sogar noch im Vorteil, denn dort stellen Frauen* einen Anteil, der ihrem gesellschaftlichen Anteil entspricht. 

Postgender“

In Bezug auf Geschlecht, gleichberechtigte Teilhabe von Menschen, Sexismus und die strukturelle Benachteiligung von Frauen* in der Gesellschaft haben wir in dieser Partei verschiedenste Positionen und oft auch inkompatible Ansichten.

Es gibt in der Piratenpartei einerseits Menschen, die die Kategorie „Geschlecht“ für überkommen und nicht relevant halten.
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Wenn der Otto-Versand Post erhält oder: Offene Briefe und Politik

6. März 2013

Seit gestern steht auf der Web-Seite der Piratenpartei Baden Württemberg ein „Offener Brief an den Otto-Versand, 22172 Hamburg“[1]

In diesem offenen Brief geht es darum, dass im Otto-Onlineshop ein Mädchen-T-Shirt mit dem Aufdruck »In Mathe bin ich Deko« angeboten wird, welches es in dieser Form nur für Mädchen erhältlich ist. Dazu stellt der offene Brief richtig fest: „Dieser Aufdruck ist ein klassisches Beispiel für Diskriminierung und Alltagssexismus, wie ihn Frauen täglich erfahren müssen.“

Ich habe diesen offenen Brief unterstützt.

Es folgen viele unterstützenswerte Fakten zu der Tatsache, dass Mädchen in Mathematik genauso begabt wie Jungen sind, außer wenn sie dummgeredet werden. Insgesamt ist der Brief klug formuliert und argumentiert weit ab von eifernden missionarischem Gehabe.

Ich habe diesen offenen Brief unterstützt, weil er die private Meinung von Mitgliedern der Piratenpartei Baden-Württemberg darstellt. Ich finde, wenn Menschen das mit der Mitmachpartei machen, so will ich dem nicht im Wege stehen und einen Streit vom Zaun brechen, was mir an der Position nicht passt. Mitglieder einer Partei sollen und müssen ihre eigene Meinung artikulieren, auch wenn andere Mitglieder dieser Partei eine widerstreitende haben, solange beide vom Grundsatzprogramm und den Werten dieser Partei gedeckt sind.

Wäre dieser Brief allerdings als Meinung der Piratenpartei Baden-Württemberg verbreitet worden, so hätte ich ihn nicht unterstützt.

Otto ist der falsche Adressat

Das Otto-Shirts mit einem sexistisch-blöden Spruch verkauft ist das eine. Das andere ist: es gibt anscheinend einen Markt dafür und der will bedient werden. Der moralisierende Aufschrei darüber ist heuchlerisch.

Eine Diskussion darüber, ob man mit Sexismus Geld verdienen darf ist eine rein moralische. Sie ist nie politisch und würde auch keine politischen Folgen haben. Indem Otto Sexismus nicht mehr als Umsatzquelle ansieht, verschwindet er nicht aus der Gesellschaft. Wenn Otto das Shirt aus dem Sortiment nimmt ist erreicht, dass der Spruch in dem Sortiment nicht mehr erkennbar ist. Sonst nichts.

Der „Datenträger“ verschwindet, aber nicht die Daten. Das aber ist nichts anderes als reine Symbolpolitik. Ich will, das sexistisches Denken aus dieser Gesellschaft verschwindet. Ich will nicht, dass es durch moralische Ächtung unter den Ladentisch verbannt wird, aber weiter existiert.

Aussagen wie „Umso mehr würden wir von einem Versandhaus Ihrer Größe und Ihres Standes erwarten, dass Sie solchen Unsinn nicht unterstützen“[1] sind schlicht irreführend. Ab welcher Größe eines Unternehmens erwarten wir denn, dass Sexismus unterstützt wird? Welchen Ruf hat ein Unternehmen zu haben, das Sexismus als Kleidung verkauft?

Intelligenzallergiker, die diese Shirts für Kinder kaufen

Der richtige Adressat für diesen Brief wären Intelligenzallergiker, die diese Shirts für ihre Kinder kaufen und so ihre sexistische Einstellung den Kindern auf den Leib schneidern.

Es ist das Recht dieser „Eltern“, das zu tun. Es entspricht unserem Wertesystem, klar zu machen, dass es einerseits das Recht der Eltern ist, solche Shirts zu kaufen. Wir müssen auch klar machen, dass es andererseits das Recht der Kinder ist, das Tragen solcher Shirts zu verweigern.

Als drittes, und wichtigstes, müssen wir klären, wie wir als Partei zu dem Denken, das die Shirts ausdrücken, stehen.

Wenn wir Sexismus ablehnen, weil er pauschalisierendes Denken über Menschen fördert und Menschen diskriminiert, müssen wir politisch gegen ihn Stellung nehmen. Die Sprüche sind sexistisch, Sexismus ist politisch zu bekämpfen.

Wir müssen klar machen, dass wir es für politisch fatal halten, wenn Kinder solche Shirts tragen. Ohne moralisches Geifern, Zeigefinger und Verbotsalarmismus. Sachlich und politisch.

Wie gesagt, Respekt vor der Arbeit, die in dem Brief steckt, danke für die klaren Worte zu Sexismus. Der Rest ist Politik und muss politisch betrachtet werden. Darum sind wir in einer Partei.

Ich danke Bastian Haas für das Lektorieren diese Beitrags

[1] Offener Brief an den Otto-Versand, 22172 Hamburg http://piratenpartei-bw.de/2013/03/05/offener-brief-an-den-otto-versand-22172-hamburg/

Sexismus und andere Widerlichkeiten

29. November 2012

Am 27. November ist ein Mann von seiner Funktion im Landesvorstand BW zurückgetreten. [1]

Am 26. November ist eine Frau von ihrer Funktion in einem Bezirksvorstand in BW zurückgetreten und aus der Piratenpartei ausgetreten.[2]

Der Mann tritt ohne Angabe von Gründen von seiner Funktion zurück.

Seinen Rücktritt bedauern, öffentlich auf der Mailingliste des LV BW: der Landesvorsitzende, ein Stellvertretender Bundesvorsitzender, ein Bezirksvorsitzender, und andere. Keiner von 17 Schreibern Fragt nach Gründen.

Die Frau tritt ohne Angabe von Gründen von ihrer Funktion zurück.

Ihren Rücktritt bedauern, öffentlich auf der Mailingliste des LV BW: der Vorsitzende ihres Bezirks und ein weiteres Mitglied der Piratenpartei. Zwei von 4 Schreibern bemängeln das fehlen von Informationen bezüglich des Rücktritts.

Am 28. November 2012 nimmt der Mann auf seinem Blog Stellung zu seinem Rücktritt und gibt dort unter anderem den Vorwurf der Intransparenz bei der Arbeit im Lavo gegen ihn als Grund an.[3]

Am 27. November 2012 nimmt die Frau auf der Mailingliste BW Stellung zu ihrem Rücktritt und erklärt dort unter anderem „Das Sexisten-Thema hat enorm zugenommen, ich habe mich am Ende als Frau nicht mehr wohl gefühlt“.[4]

Der Erklärung des Mannes folgen wortreiche Postings auf der Mailingliste, in denen klarstellt wird, das die die Vorwürfe, die ihm gemacht wurden, haltlos sind. Hier äußert sich auch ein stellvertretender Bundesvorsitzender.

Der Erklärung der Frau folgt eine bitte um Konkretisierung des Sexismus Vorwurfs.

Die Erklärung erfolgt.

Die Erklärung, die sie Liefert, ist ein Armutszeugnis für die Piratenpartei.

Sie schreibt, das in ihrem Umfeld „zu viele Sexistische Kommentare gefallen sind“. Sie schreibt, das sie sich „nicht mehr als Mensch (Frau) sondern wie ein Stück Fleisch das man in ein Rudel Wölfe wirft“ gefühlt hat.

Ein einziger Schreiber bezieht dazu Stellung, er zeigt sich entsetzt über das geschehene und  zieht Rückschlüsse für die Piratenpartei.

Your back’s against the wall

There’s no one home to call

An diese stelle mache ich einen cut. Das pure gegenüberstellen der beiden fälle zeigt sehr deutlich das Vorhandensein von Doppelstandards in der Behandlung von Mann und Frau in der Piratenpartei. [5]

Die pure Gegenüberstellung beider Fälle zeigt, das der Mann dieser Partei wichtiger ist. Als er seinen Rücktritt Begründet, wird er, höchst Prominent, gegen Angriffe verteidigt.

Von der Frau wird eine Begründung für ihren schritt eingefordert. Als sie ihn begründet, wird von ihr eine Klarstellung gewünscht. Nachdem sie diese geliefert hat, passiert ….nichts.

Ich war nach, nachdem ich gelesen habe, das sich Mel in der Piratenpartei nicht „mehr als Mensch (Frau) sondern wie ein Stück Fleisch das man in ein Rudel Wölfe wirft“ fühlt, entsetzt.

Ich kenne Mel eigentlich als sehr offenen, Freundlichen, aber auch verletzlichen Menschen. Ich habe in den letzten Monaten mehrmals mit ihr über twitter und per Mail verschiedene Themen diskutiert. Dabei ist mir nie aufgefallen, wie unwohl sie sich in der Piratenpartei fühlt. Das bedauere ich für mich und es tut mir leid. Es tut mir leid, das ich Mel nicht das Gefühl vermittelt habe, mit mir über „Sexistische Kommentare“ und das vorgehen gegen die Urheber Reden zu können.

Das ist die eine ebene, die des persönlichen Versagens im Konkreten Fall.

Die andere Ebene ist die des Politischen Umgangs mit diesem Fall.

Ein solcher Politische Umgang ist schlich nicht vorhanden.

You’re forgetting who you are

You can’t stop crying

Wenn eine Frau, weil sie das sie umgebende Sexistische Klima nicht erträgt, von ihrer Funktion zurück und aus der Partei austritt, wird dies nicht diskutiert.

Klar ist, dass die Piratenpartei nicht außerhalb der Gesellschaft steht, sondern tief in ihr und ihren Strukturen und Denken verwurzelt ist. Nur aufgrund ihrer emanzipatorischen Ansprüche werden Mitglieder der Piratenpartei nicht zu besseren Menschen. In unserem Umfeld, zum Beispiel bei Stammtischen, deren Teilnehmer als weitestgehend politisiert bezeichnet werden können, fehlt viel zu häufig das Bewusstsein für antisexistische Themen.

Eine Verbale Ablehnung von Sexismus gehört zwar in der Piratenpartei inzwischen beinahe zum Selbstverständlichen Standard, wird jedoch kaum mit Inhalten gefüllt. So kommt es nicht selten vor, dass Blogs mit sexistische Texten unreflektiert weiterverbreitet werden. Wird dies, selten genug, thematisiert, ist die Reaktion oft Unverständnis. Da wird geschrieben, man dürfe das alles nicht zu ernst nehmen, schließlich sei es ja nur ein Text, das alles sei nur eine Interpretationsfrage etc.

Auch in anderen Piraten Strukturen ist Sexismus ein niemals endendes Thema. Trotz des vielen Geschriebenen und Gesagten sind im Bezug auf die Sensibilisierung gegenüber Sexismus und den Umgang miteinander kaum Fortschritte sichtbar geworden. Im Gegensatz zu anderen Themen verlaufen Diskussionen über Sexismus oft emotional aufgeheizt und kommen über das Gerede von nötigen Strukturänderungen selten hinaus.

It’s part not giving in

Part trusting your friends

Außerdem scheint es, als immer und immer wieder dieselben Diskussionen geführt werden.

Wir sprechen das Thema immer und immer wider an, weil es immer und immer wieder „Fälle“ wie die den jetzigen gibt.

Diese „Fälle“, die vieles, nur keine „Einzelfälle“ sind, sollten uns innehalten lassen und von uns zur Ruflektion unserer Strukturen und des Umgangs Miteinander bewegen.

Wir müssen uns der Frage stellen: warum sprechen Frauen Sexistische Vorfälle, Queer homophobe Vorfälle nicht offen an? Und wenn sich sich zu Ohnmächtig fühlen, den Diskriminierenden offen entgegenzutreten, warum sprechen sie solche Vorfälle nicht bei Menschen an, denen sie Vertrauen?

Das Problem hier ist die Angst, zu versagen, das Unbehagen, sich durch ansprechen des Problems aus der Gruppe zu Exkludieren. Die Angst, wenn man die Diskriminierung anspricht, nicht gegen den Diskriminierenden alleine zu stehen, sondern sich auch noch mit den immer vorhandenen Verharmlosern solcher fälle auseinander setzen zu müssen.

Diese Ängste können nur überwunden werden, wenn sie aktiv angegangen werden und sich nicht auf einem Status Quo ausgeruht wird.

Frauen in der Piratenpartei gehen oftmals, aufgrund der angst, aus „der Gruppe“ ausgeschlossen zu werden, Kompromisse in Bezug auf die Thematisierung sexistischer Verhaltensweisen ein.

Oft genug verzichten sie auf das Ansprechen von Sexismus, obwohl sie ihnen eigentlich wichtig wäre, weil sie negative Reaktionen befürchten.

Diese Reaktionen müssen nicht verbal geäußert werden, ein Augenrollen oder andere Anzeichen von genervt sein reichen oftmals aus, um Frauen einzuschüchtern.

Das diese Anzeichen unwidersprochen belieben vermittelt Frauen, dass kein Interesse an einer Auseinandersetzung über das Thema gibt.

Sexismus wird innerhalb der Piratenpartei nicht nur belächelt, sondern auch gerne übergangen oder kleingeredet. Frauen werden so gezwungen, Kompromisse einzugehen. Sie tun das, um sich nicht den Vorwurf auszusetzen, sie würden ständig Nebensächlichkeiten „eskalieren lassen“.

Wenn die Piratenpartei gesellschaftlichen Sexismus und eigenes sexistisches Verhalten ignoriert, wird sich nichts ändern.

You do it all again and I’m not lying

Wir müssen aber dringen etwas ändern.

Wir müssen aus der Piratenpartei (wieder?) einen Ort machen, in dem jeder Mensch sich traut, seine Probleme mit Wertenden Äußerungen, Abwertungen und Diskriminierung ohne Angst anzusprechen.

Wir müssen ein Klima erzeugen, das Menschen nicht verängstigt, sondern in der Gruppe stark macht. Wir müssen, wenn ein Mensch Diskriminierung anspricht, dies nicht zerreden und instinktiv dem Diskriminierenden beispringen, weil er angeklagt ist.

Wir müssen Diskriminierendes Reden gemeinsam objektiv analysieren und dann Partei ergreifen, ohne Opfer aus der Gruppe zu Exkludieren. Sogar wenn wir anderer Meinung als das Opfer sind: wir müssen dem Opfer zuhören, dürfen seine Gefühle und Empfindungen nicht als von vornherein Unbegründet abtun.

Wir alle müssen uns aufgefordert fühlen, unser verhalten und handeln selbst zu Reflektieren und die Diskussion bzw. Befassung mit dem Thema Sexismus ernst zu nehmen!

 

Zwischenüberschriften aus The Gossip – „Standing in the way of control

[1] Rücktritt

[2] Rücktritt BZV S

[3] Macht euren Scheiss doch selbst…

[4] Stellungnahme Rücktritt BzV S

[5] Doppelstandard

Herr Vetter im Bundestag?

12. November 2012

Udo Vetter will in den Bundestag. Es gibt Gründe, die dafür sprechen und Gründe, dagegen zu sein.

Was kein Grund sein sollte, ist, das er als Rechtsanwalt sowohl Vergewaltiger als auch Neonazis beistand und Freisprüche für sie verteidig [1].

Ich schrieb es schon und ich wiederhole es gerne:  Auch Nazis haben das Recht auf einen Anwalt! Der Rechtsstaat muss umstandslos immer und Uneingeschränkt für absolut jeden gelten, ansonsten ist es reine Willkür, die Herrscht.

„From where you are, you see the smoke start to arise, where they play cards.“

Es ist überhaupt keine Frage dass jeder das Recht auf Verteidigung hat. Das gilt für BTM-Delikte, das gilt für Sexual-Delikte, das gilt auch für die erbärmlichen Wichte, die @herenurbach verprügelt haben. Das ist und muss, in der zivilisierten Welt,  völlig unbestritten sein.

Um deutlich zu machen, was die Abgrenzung von Recht zu Willkür bedeuten kann, Möchte ich an einen Umstand aus dem Eichmann Prozess erinnern.

Die Regierung des Staates Israel hat anlässlich des Prozesses gegen Adolf Eichmanns ein Gesetz erlassen das Ausländischen Anwälten den Zugang zu einem israelischen Gericht erlaubte, da sich kein Israelischer Anwalt gefunden hat, der bereit war, Eichmann zu verteidigen!

Die Regierung des Staates Israel hat im Vorfeld erwogen, einen Israelischen Anwalt zur Verteidigung zu verpflichten, ist aber, aus Rechtsstaatlichen Prinzipien, davon abgerückt. Sie war der Meinung, dass eine Pflicht Verteidigung durch einen unwilligen Anwalt das Recht des Völkermörders auf einen gerechten Prozess unterminiert. [2]

Ich erwähne diese, um die Bedeutung des Rechts auf Anwaltliche Vertretung in einem Rechtsstaat zu unterstreichen, nicht um die Bedeutung von Udo Vetter zu überhöhen.

Toleranz in einer doch irgendwie modernen, Zivilisierten Gesellschaft heißt nicht, Straftaten Hinzunehmen, es heißt aber, sich mit ihnen auf der Basis dieser Rechtlichen Ordnung Auseinanderzusetzen.

„And you walk over, softly moving passed the guards. The stakes are getting higher.“

Wer Udo Vetter vorwirft, Vergewaltiger verteidigt zu haben oder Freisprüche von der Vergewaltigung  Angeklagten positiv rezipiert zu haben, muss sich fragen lassen: warum? [1]  Bedeutet dieser Vorwurf, dass jeder, der einer Vergewaltigung bezichtigt wird, es auch zwingend war und nicht mehr verteidigt werden darf? Ja, bedeutet das, im Endergebnis, das ein der Vergewaltigung angeklagter sich selber  nicht mehr verteidigen darf?

Nadine Lantzsch  hat Recht, wenn sie schreibt: „Begründet wird das dann gern mit dem Rechtsstaatlichkeitsprinzip, der Aufklärung und all dem Rotz, der von weißen europäischen Männern in mächtigen Positionen erfunden wurde, um ihren Besitzstand zu wahren und universale Menschenrechte für ihren eigenen Vorteil zu instrumentalisieren.“ [3]

Das Problem ist doch, das es asynchrone Entwicklungen bei der Bildung von Bewusstsein und Erkenntnis über die die Geschlechterverhältnisse Reproduzierenden Strukturen dieser Gesellschaft gibt.

Darum die Frage: warum macht sie Udo Vetter zum Vorwurf, dass er ihren Erkenntnisstand über Macht und Moral, Patriarchat und Gesetz noch nicht erreicht hat?

Geschlechterstereotypen und Verharmlosungen sexistischer Verhältnisse sind Teil der Gesellschaft, teil des alltäglichen Lebens. Ich wäre glücklich, könnte ich sagen: ich will, das der rotz eine Ende hat und es wäre ein Ende.

So ist es aber nicht. Erkenntnis über gesellschaftliche Verhältnisse verbreiten sich langsam, werden auch nur langsam Rechtsstaatliche Materiell Gewalt, schlagen also vom Rechtsempfinden um in Gesetze und ihre Auslegung.

Und das ist auch gut so. Wäre nicht der firniss der Zivilisation zwischen dem Subjektiven Unrechtsempfinden des einzelnen und der staatlichen Gewalt in Form von Gesetzen vorhanden, ich wollte in diesem Staat nicht leben.

Es bedeutet auch, den Konflikt zu suchen, wen die Gesellschaftlichen Verhältnisse zu einer Verharmlosung einer Tat führen. Aber eben nicht, indem ich den Träger des falschen Denkens bekämpfen, sondern das Falsche denken, das verharmlosen und Beschwichtigen niederringe.

„You can feel it in your heart.He calls you bluff.“

Aber noch zu einem anderen Aspekt der Kandidatur von Udo Vetter.

Udo Vetter mag ja ein intelligenter Kopf sein. Er mag auch wichtige und richtige Themen für die Piratenpartei in den bundestagt tragen. Alleine die epische Idee, ihn für die Abschaffung des Verfassungsschutzes streiten zu sehen wäre seine Wahl wert.

Was ich aber langsam für unerträglich halte ist, das Mitglieder der Piratenpartei, die sich selber den Status der Prominenz zuschreiben, ihre Kandidatur über  SPON verbreiten. Und ich bin gespannt, wann ich höre, dass er kein Pirat von 2009 ist. Noch gespannter bin ich auf die Riege der Männer, die aufheulen, er wäre einzig um der Karriere willen Teil dieser Partei geworden.

Freuen tue ich mich auf  die Fragen, die ihm zu Quoten gestellt werden. Sorge bereiten mit Tweets über Karriere F…. und das hochschlafen als Prinzip.

„He is the ace you never thought he played that much.“

Ach, ne, sorry, jetzt bin ich bei Anke Domscheit Berg und die Kampagnen, die gegen sie losgetreten wurde, um sie zu Verunglimpfen. Das wird Udo Vetter kaum zu erwarten haben. Denn er Mann, Prominent und Kompetent, und das erste unterscheidet ihn von Anke und bewahrt ihn vor der Schmutz Kampagne.

Udo Vetter ist, zu Recht, umstritten. Aber ich will seine Themen, wie die Themen von Anke Domscheit Berg im Bundestag besprochen wissen. Und ich will ihn gerne dort sehen, nicht weil er Vergewaltiger und Nazis verteidigt, sondern Trotz alledem.

Zwischenüberschriften aus Caro Emerald – „A Night Like This

[1] Ein unverständlicher, aber richtiger Freispruch

[2] Temporär hassen und langfristig dagegen sein.

[3] Erweiterte Wiederauflage: Hannah Arendt: Eichmann in Jerusalem. Ein Bericht von der Banalität des Bösen. Mit einem einleitenden Essay und einem Nachwort zur aktuellen Ausgabe von Hans Mommsen, Piper, München / Zürich 2011, ISBN 978-3-492-26478-5 (= Piper Taschenbuch 6478).

Du bist, was du Fickst? Der nicht Skandal um Nadja Drygalla!

7. August 2012

Berliner Morgenpost, die Taz, die Welt, BZ,  Rhein-Zeitung und einzelne Schreiber in den Foren der Piratenpartei. Was eint all diese?

Sie machen aus einer jungen Frau, die mit einem Rechtsradikalen, vulgo: einem Nazi, verpartnert  ist, eine „Nazi-Braut“. Mal mit, mal ohne Anführungszeichen oder binde strich.

Immer aber mit dem Wunsch, zu denunzieren, sie zu etwas zu machen, was der Skandalisierung einer Beziehung dienen kann. Die degradieren einer Frau zu einem Anhang, zu etwas nicht eigenständigen, ist zutiefst Sexistisch! Der „Braut“ wird jede Individualität genommen, ihr wird jede eigene Politische Meinung abgesprochen. Sie ist zum Anhängsel eines Mannes gemacht worden, der eine, zurecht als Widerwärtig Kritisierte, Politische Ideologie vertritt.

Was sie denkt, interessiert nicht. Nadja Drygalla ist für die Öffentlichkeit eine „Nazi-Braut“! Sie ist kein eigenständiges Wesen, sondern Anhang eines Mannes!

Um es mit aller Deutlichkeit zu sagen: wer in Bezug auf Nadja Drygalla von einer „Nazi-Braut“ spricht und meint, etwas anderes als eine armselige Sexistische Gestalt zu sein, ist nicht ernst zu nehmen!

Sexismus bleibt Sexismus, auch wenn die Opfer Freundinnen von Nazis sind.

Aber das ganze hat einen viel Tiefer gehenden Sexistischen Aspekt.

Nur zutiefst Sexistische Denkstrukturen gepaart mit billigen Populismus und antifaschistischen Attitüden können dazu führen, das die Idee „Du bist, was du Fickst“ bei Nadja Drygalla zu einem Politischen Thema werden konnte!

Nur eine Gesellschaft, die zutiefst von Sexistischen Denkstrukturen durchdrungen ist, kann  ernsthaft darüber diskutieren, dass es bei einer Frau von irgendeiner Relevanz sein könnte, was ihr Partner denkt!

Natürlich kommt dabei zum Tragen, das sich hierbei Sexistische Denkstrukturen mit Pseudo-Antifaschismus verknüpfen lassen.

Dieses Muster funktioniert sowohl in der Paarung Frau+Nazi als auch in der Paarung Kluge und erfolgreiche (eher Linke) Frau+Einflussreicher Man.

Sara Wagenknecht ist um Beispiel Opfer der Verbindung von Sexistischen Denkstrukturen mit plumpem Antikommunismus geworden.

Eine Frau wie Sara Wagenknecht, die über Jahre hinweg für politisch unpopuläre Ziele gekämpft hat, dabei Karriere gemacht, wird plötzlich zum Anhängsel von Oskar Lafontaine.

Nicht sie entscheidet, zu kandidieren, sondern O.L. entscheidet dies, beziehungsweise hält sich die Option Wagenknecht offen. Seitdem die Welt Weiß, das Sara Wagenknecht mit OL verbunden ist, wird sie nicht mehr über sich selbst, sondern über OL definiert und alle schauen zu und niemanden wundert es!

Aber zurück zum Thema.

Ich frage mich nur, warum bei Marga Beckstein niemand von der „ChrsistSozi Braut“, bei Andrea Gysi niemand von der „Linken-Braut“ bei Anke Stadler niemand von der „Sozi Braut“ spricht?

Nein ist natürlich keine Frage. Das lässt sich nicht skandalisieren. So was würde sofort als Sexistisch gebrandmarkt werden.

Der nicht Skandal  um Nadja Drygalla hingegen lies dem feuchte Träume Träumenden Mob in den Zeitungen und den Foren dieser Republik Gestalt verleihen.

Das ist das widerliche an der ganzen Sache. So zu tun, als ginge es um Antifaschismus und eigentlich an den Deutschen Ruf im Ausland zu denken. Die Biographie eines Mannes zu Veröffentlichen und eine Frau zu meinen. Konsequenzen, ja Aufklärung und Untersuchungsausschüsse zu fordern, weil eine Frau einen Mann liebt.

Was gibt es schöneres für Sexisten, als öffentlich eine Frau zu demütigen und zu erniedrigen und dabei noch so zu tun, als kämpfe MAN um etwas Richtiges?

Nichts, aber auch Garnichts an dieser Pseudo Affäre ist von Sexistischen Denken zu Trennen. Es gibt niemanden, der Nadja Drygalla nachgesagt hat, das Gedankengut ihres Freundes zu vertreten.  Was ihr nachgesagt wurde ist, das sie freiwillig(?) den Polizei dienst in Mek-Pom verlassen hat. Dies wird als Beweis dafür genommen, das  bei ihr ja doch was nicht stimmt.

Andersherum wird ein Schuh draus! Wäre sie im Polizeidienst verblieben, wäre der Spießrutenlauf, dem sie ausgesetzt wäre, noch Brutaler,  als das, was zurzeit abläuft!

Die gesamte Affäre Michael Fischer ist ein Beweis dafür, wie sehr die Öffentlichkeit auch  heutzutage noch bereit ist, unkritisch eine Frau über ihren Mann zu definieren, wenn den der Mann nur einer „Pfui“ Gruppe angehört.

Die Täter, die die Gesinnung von Michael Fischer zum Anlass genommen haben, die mediale Hetzjagd auf Nadja Drygalla zu eröffnen, sind zurzeit dabei, ihr schäbiges Verhalten mit Pseudo Argumenten zu Verteidigen.

Sie bringen „Beweise“ vor, die ihre Mediale Sippenhaft  untermauern sollen.

Zum einen wird aus der die Dauer der Beziehung auf Ideologische Gemeinsamkeiten geschlossen.

Die Dauer einer  Beziehung lässt kaum Schlüsse auf die Gesinnung zu, es sei denn, man ist bei der Bild, dem Spiegel, der Zeit oder der BZ (um nur einige zu nennen)  beschäftigt. Was wählt eigentlich die Frau von Gregor Gysi? Ausgeblendet wird hierbei  die Frage, ob und inwiefern die politische Anschauung innerhalb der Partnerschaft überhaupt eine Rolle spielt.

Der andere „Beweis“ ist der Rückzug von Nadja Drygalla aus dem Olympischen Dorf.

Hierzu kann man sagen: blöder geht es nicht mehr.

Das Rückzug-Indiz ist absolut haltloser Quatsch. Jemandem eine nicht getätigte Aussage als Schuldeingeständnis anzulasten ist unverfroren und Dreist. Einem Angeklagten wird in einem Rechtsstaat das Recht auf Aussageverweigerung eingeräumt, im Falle von Nadja Drygalla wird diese Aussageverweigerung als Schuldeingeständnis gewertet.

Im Übrigen ist es unverfroren, die Weigerung, Auskünfte über das eigene Liebesleben zu erteilen, als Eingeständnis irgendeiner Schuld zu benutzen. Beweise sehen anders aus.

Wo bleiben eigentlich die Stimmen der Vernunft in dieser nicht Affäre?

Und: wo bleiben die Feministinnen, die den Sexismus in der Affäre Michael Fischer kritisieren?

Warum Frauenparkplätze widerlich sind!

7. Juli 2012

„Was ist eigentlich die Rechtfertigung für Frauenparkplätze, insbesondere in Abwesenheit von vergleichbaren Männerparkplätzen?

Wenn es um den Schutz von Frauen geht, dann ist dem entgegen zu halten, dass Männer auch in Tiefgaragen überfallen werden können und häufig genau so schutzlos sind. Dürfen Männer nicht ängstlich sein? Sind Frauen per se schutzbedürftiger als Männer?“

Männer, die so was schreiben, sind anscheinend in einem anderen Land zuhause als und gleichzeitig Mitglieder der gleichen Partei wie ich!

Von Intellektuellen Totalausfällen und Männerparkplätzen

Wir brauchen also Männerparkplätze?

Stimmt, die Statistiken geben dem Mann, der das obenstehende geäußert hat, recht.

Männer werden in dieser Gesellschaft Tag für Tage belästigt. Lüsterne Menschen Fallen an allen Orten dieser Republik über Männer her und benutzen sie auf widerlichste Arten zum Triebabbau, weil sie der Meinung sind, das Männer Gegenstände sind.

Gebrauchsgegenstände, derer man sich an jedem Ort, jederzeit, ungefragt, bedienen darf, wenn Mensch es wünscht.

Und ist klar, Männer leben in diesem Land immer und permanent in einer Situation, in der Menschen meine, sie mit blöden Sprüchen, dummen Gesten und primitiven Grapschern zu Objekten degradieren zu müssen.

Von Werbung, in der Männer noch immer als permanent Willige, immer verfügbare, Menschen jederzeit dienstbaren Wesen dargestellt werden. Natürlich ist es normal, das Menschen Reifen nur Kaufen, wen sich auf ihnen ein, mit  Stringtanga bekleideter Mann breitbeinig Räkelt. Das verdeutlicht schließlich die Qualität des Reifens!

Gewalt-Verhältnisse

Ich höre und lese oft blödes, aber das Menschen sich im 21 Jahrhundert nicht zu schade sind, so was wie das obenstehende abzusondern, lässt mich immer wieder an der Idee des Gesellschaftlichen Fortschritts zweifeln!

Ich glaube ja, Menschen, die so was schreiben, sind nichts als Keifende Jammerlappen, die einen Frust auf Frauen schieben!

Klar, Menschen werde überfallen, und es stimmt, ich als mann weiß nicht, wie Erfahrungen von Frauen mit Sexueller Gewalt sich anfühlen.

Ich weiß, wie ein Raubüberfall ich anfühlt und kenne das Gefühl,  Schutzlos zu sein. Und ich weiß, wie es sich anfühlt, als Schwuler überfallen zu werden, schlicht weil ein Mensch meint, man wäre schwul und und hätte dafür aufs Maul verdient! Ja, ich kenne das Gefühl, in dieser Situation Schutzlos zu sein.

Und ich lasse mich jederzeit wieder wegen Geld Überfallen, den dieser Überfall dient einem Ziel (dem Geld) und nicht der puren Machtausübung und Vernichtung!

Und alle Schilderungen von Frauen über Vergewaltigungen haben eines mit meiner Gewalterfahrung als Schwuler gemeinsam: Es ging, den Worten der Opfer nach, immer puren Machtausübung und Vernichtung.

Letztendlich aber: mir ist es so was von egal, gegen wen sich Sexuelle Gewalt Richtet!

Sexuelle Gewalt ist Menschenfeindlich

Ihre pure Existenz ist etwas, was mich in meinem Menschsein beleidigt. Ihre Pure Existenz ist etwas, was jeder Mensch als Beleidigung seinen Menschseins empfinden sollte!

Und da sie sich in der Masse aller fälle gegen Frauen Richten, nehme ich mir das Recht heraus, sie als das, was sie ist, zu identifizieren. Darum Zugespitzt: sexuelle Gewalt gegen Frauen ist etwas, was mich in meinem Menschsein beleidigt. Sexuelle Gewalt gegen Frauen ist etwas was jeder Mensch als Beleidigung seinen Menschseins empfinden sollte!.

Und darum zurück zum Ausgangspunkt: Frauenparkplätze sind Widerlich, denn sie existieren, weil es Männer gibt, die schlich Brutale, sexistische Schweine sind!

Frauenparkplätze führen mir immer und immer wieder vor Augen, das ich in einer Gesellschaft lebe, in der Sexuelle Gewalt gegen Frauen existiert!

Das Vorkommen Sexuelle Gewalt ist es, was mich und alle anderen Biologischen Männer daran hindert, einen unbefangenen Austausch mit Frauen nachzukommen. Sexuelle Gewalt ist etwas, was uns am Freien Umgang miteinander hindert. Heteronormativität bestimmt unser Leben, damit unser verhalten damit auch unser handeln.

Darum empfinden auch einige wenige Schwule Präventive Maßnahmen zur Eindämmung von Sexueller Gewalt gegen Frauen als falsch. In ihrem Leben sind Frauen auch „Gebrauchsgegenstände“ derer sie sich nur nicht bedienen wollen. Sie sind schlicht nicht in der Lage, anti schwule Gewalt in einen Kontext mit sexueller Gewalt gegen Frauen zu setzen.

Eine Gesellschaft,  in der Gewalt gegen Frauen auch heute noch ein alltägliches Massenphänomen ist, ist widerlich.

Eine Gesellschaft,  in der Männer sich anmaßen, bestimmen zu wollen, welche Maßnahmen zur Abwehr von sexueller Gewalt gegen Frauen richtig und welche Falsch sein, ist widerlich.[1]

 Haben emanzipierte Frauen so was noch nötig

Daraus folgt, Männer, die Meine, so was bestimmen zu müssen „Haben emanzipierte Frauen so was noch nötig oder dienen sie nur der Männerdiskriminierung?“ sind, da sie sich nicht der Realität der Herrschenden Gewaltverhältnisse stellen, widerlich!

Natürlich werden Gewaltverhältnisse durch Frauenparkplätze nicht beseitigt, aber sie machen Deutlich, das diese Gewaltverhältnisse existieren. Letztendlich kann man sagen, das, solange die Existenz von z.B. Frauenparkplätzen verteidigt werden muss, solange existieren auch die sie erforderlich machenden Gewaltverhältnisse.

Solange es in dieser Gesellschaft Gewalt gegen Frauen gibt, solange muss man Respektieren, wenn Frauen ihr Sicherheitsempfinden durch Sondermaßnahmen, die andere Menschen nicht in ihrer Freiheit beschränken, gesteigert sehen wollen. Fakt ist: solange es sexuelle Gewalt gegen Frauen gibt, muss man einfach Akzeptieren, das es Maßnahmen geben muss, wie Frauen, die dazu beitragen, Frauen die Gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen.

Wenn andererseits Frauen diese Maßnahmen als diskriminierend empfinden, dann ist das ein ebenso subjektives empfinden wie das der Angst vor sexueller Gewalt. Der Unterschied zwischen beiden Wahrnehmungen der gesellschaftlichen Realität ist aber ein Gravierender.

Frauen, die aufgrund ihrer Ängste Maßnahmen zur Steigerung ihres Subjektiven  Sicherheitsempfindens wünschen, würden ohne diese Maßnahmen von gesellschaftlicher Teilhabe ausgeschlossen. Frauen, die sich durch diese Maßnahmen gestört fühlen, können trotz deren Existenz an der Gesellschaft Teilheben.

Und jene wackeren Kämpfer gegen Frauenparkplätze oder für Männerparkplätze, jene Verfechter der abstrusen These, das Frauen Parkplätze sexistisch sind, übersehen eines: sie haben keine Lösungen, das subjektive Sicherheitsempfinden von Frauen zu erhöhen!

Gewaltverhältnisse werden sicherlich nicht mit Frauenparkplätzen beseitigt, aber nun mal auch nicht mit ihrer Abschaffung!

Wenn die Menschen, die sich so unglaublich über Frauenparkplätze aufregen, mit auch nur einem Bruchteil ihrer Energie Ideen gegen sexuelle Gewalt produzieren würden, diese Gesellschaft wäre ein ganzes Stück weiter.

[1] bestimmen meint übrigens bestimmen im Wortsinn, nicht mitentscheiden. Merkwürdigerweise wird dies von manchen Männern immer verwechselt. Sie sagen mitentscheiden und meinen Bestimmen.