#Hatespeech und die #AfD

tl;dr Die AfD versucht, durch die Nutzung von Nazisprache, faschistische Gedanken als eine Meinung unter vielen anderen Meinungen darzustellen.

Die AfD wolle weg von diesem links-rot-grün verseuchten, man könne auch sagen, leicht versifften 68er-Deutschland. Mit diesem Bild versuchte Jörg Meuthen das Programm seiner Partei auf den Punkt zu bringen. „Verseuchung“ meint, schlägt man im Duden nach, „mit Krankheitskeimen verunreinigen“. Es geht der AfD also um „rein und unrein“, sprich „gut und böse“. Der Kampf gegen das „leicht versifften 68er-Deutschland“ ist von seiten der AfD her auch immer ein Kampf um Begriffe, ein Kampf um Sprache. Gleichzeitig werden Begriffe von der AfD manipulativ genutzt. „Lügenpresse“ ist ein Beispiel dafür. Die frage „Lügt die Lügenpresse wirklich?“ erübrigt sich im AfD umfeld. Und wenn man, wie die AfD, „Flüchtlinge“ fortgesetzt als „MigrantInnen“ bezeichnet, glaubt irgendwann niemand mehr, dass sie zu recht geflohen sind.

In Vielen Öffentlichen Wortmeldungen versuchen AfD PolitikerInnen mit „wiederbelebten Begriff von damals auch ein Stück der Ideologie dieser Zeit in aktuellen Debatten zu verankern„. AfD PolitikerInnen  arbeiten bei Öffentlichen Wortmeldungen  immer mit der gleichen Methode: Das “Wir” ist stets positiv belegt. Die Wörter zur Beschreibung der “Anderen” rufen beim Rezipienten negative Assoziationen hervor. Begriffe wie „Asozial“, “Volksverräter”, “Burka-Versteher”, “Gutmenschen”, die Etikettierung als “sozial erfolglose Underdogs” oder „Sozial Schwach“ sind nur einige Beispiele dafür. Immer häufiger versucht die AfD, durch die Nutzung von Nazisprache, „faschistische Gedanken als eine Meinung unter vielen anderen Meinungen darzustellen„.

Eine Profane Erkenntnis ist: Sprache wird oft zur Waffe. Einzelne versuchen andere durch die Benutzung von diffamierenden Begriffen zu vernichten.

Lingua Tertii Imperii

1947 veröffentlichte Victor Klemperer das Buch „LTI – Notizbuch eines Philologen“.[2] In diesem Buch analysiert er die „Lingua Tertii Imperii“, die Sprache des Dritten Reichs.Dieses Buch ist aus verschiedenen Gründen nicht nur ein fulminantes Stück Zeitzeugenliteratur, sondern es ist auch essentiell für die Entwicklung der Sprachanalyse. In der LTI  untersucht Klemperer anhand der Analyse der Alltagssprache den Zusammenhang zwischen Sprache und Denken.   

Sprache dient dem Menschen nicht nur zur Deutung und Beschreibung der Welt („Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt“ ,Ludwig Wittgenstein), sie dient ihm auch als Werkzeug der Verständigung und als Mittel der Gestaltung und Veränderung der Welt.   

Noch immer werden Wörter benutzt, die, in ihrer verbreiteten Bedeutung, Schöpfungen der Nazis sind. Dies geschieht oft ohne Kenntnis der Wortherkunft. Es sind Ausdrücke wie „Fremdarbeiter„, „Überfremdung„, „asozial„, „Untermenschund andere. Es zeugt von der tiefen Verankerung der gewaltsamen Umformung der Sprache durch die Nazis,so dass sie selbst in der x-ten Generation noch existiert. Natürlich hat sich, da Sprache lebendig ist, an der Definition der Worte viel geändert. Im Kern sind sie trotzdem diffamierend geblieben. 

Die Nutzung des Begriffes „Lügenpresse“ ist ein Beispiel dafür. Die frage „Lügt die Lügenpresse wirklich?“ erübrigt sich. Und wenn man, wie die AfD „Flüchtlinge“ fortgesetzt als „Migranten“ bezeichnet, glaubt irgendwann niemand mehr, dass sie zu recht geflohen sind.

Aber nicht nur die alte Nazisprache durchsetzt unser Leben, sondern auch eine Weiterentwicklung dieser Sprache durch neue Wortkreationen bahnt sich Wege aus den Enklaven der Barbarei in das Bewusstsein der Menschen. Dies gilt  z.B. auch für die #AfD.

Sprache ist Ausdruck des Gedankens

Victor Klemperer  schrieb in der LTI: „Die Sprache ist Ausdruck des Gedankens“ [3]. Eigentlich eine schlichte Wahrheit.

„Je länger die Hetze im Netz gegen Flüchtlinge andauert, desto öfter finden sich auch verschwörungsideologische Aussagen.Politiker werden zu »Volksverrätern«, Journalisten als »Lügenpresse« diffamiert und Unterstützer aus der Zivilgesellschaft gelten als »Linksversiffte Gutmenschen« und Verursacher der »Flüchtlingswelle«“

Doch wenn Sprache „Ausdruck des Gedankens“ ist, was sind das für Gedanken, wenn z.B. Mitglieder der AfD immer und immer wieder einen Begriff, mit dem Demokraten von Nazis lächerlich gemacht werden, wie den der „Systemparteien“ nutzen? Wenn Mitglieder der AfD eine Wortschöpfung von Menschenfeinden nehmen, um diese wieder auferstehen lassen, Ausdruck von welchen Gedanken ist dies dann? 

Wenn die Sprache „Ausdruck des Gedankens“ ist, was sind das für Gedanken, wenn Mitglieder der AfD von „Volksverräter“ sprechen, wenn sie Mitglieder anderer Parteien oder Menschen, die sich für Flüchtlinge einsetzen, meinen?

Was für ein Denken beherrscht Menschen, wenn sie andere Menschen mit dem Begriff „Gutmenschen“ belegen? Ein Begriff, der genutzt wird, „um Andersdenkende pauschal und ohne Ansehung ihrer Argumente zu diffamieren und als naiv abzuqualifizieren“. Eine Wortkreation, die lediglich als „Kampfbegriffs gegen Andersdenkende zwecks Diffamierung eben dieser Andersdenkenden fungiert.

Was für ein Denken steckt hinter der Diffamierung von Menschen, die als „sozial erfolglose Underdogs“ betitelt werden? „Sozial erfolglos“ ist nichts anderes als die neoliberale Umschreibung von asozial„.

Was ist denn „sozialer Erfolg“? Der Besitz materieller Güter? Die öffentliche Anerkennung aufgrund eines hohen Einkommens? Und was ist das Gegenteil davon? Nichts, was uns berühren sollte. Sätze, wie die von den „sozial erfolglosen Underdogs“, zeigen nur einen weiteren Baustein im menschenverachtenden Denken einzelner AfD Mitglieder.

Wenn die Sprache „Ausdruck des Gedankens“ ist, was sind das für Gedanken, wenn Frauke Petry, die Vorsitzende der AfD sagt, „Es sei eine „unzulässige Verkürzung“, wenn gesagt werde, „‚völkisch‘ ist rassistisch„? Der begriff Völkisch „ist bis heute ein Symbol für den Nationalsozialismus und seine Ideologie, alles auszurotten und umzubringen, was nicht deutsch ist.“ Er wird von Frauke Petry genutzt um  die Grenzen zwischen dem „Wir“ und „Denen“ Sprachlich zu vertiefen. dürfen“ Sprache ist hier ein Mittel, um die Denkhemmungen und Toleranzgrenzen aufzubrechen, welche die gehemmte Tat mental vorbereiten. Sie versucht so, die verunsicherte Wir-Gruppe ihrer WählerInnen zu stärken, indem sie andere herabwürdigt und als schmutzig definiert. „Völkisch grenzt aus. Es ist benennt den Wunsch, alles abzulehnen, was nicht zum eigenen Volk gehört. Es soll die Angst schüren, dass zu viele fremde Menschen herkommen und das Bestehende verändern könnten. Es ist die gleiche Angst, die sich auch im Begriff Umvolkung ausdrückt, den rechte Ideologen derzeit benutzen. Und es ist der gleiche Kampf, der versucht, lange verbrannte Worte wieder hoffähig zu machen, hinter denen sich eine Ideologie verbirgt.

Das Schaffen verunglimpfender Termini und zynischer Euphemismen sind Ausdruck ihrer Geisteshaltung. Dennoch verraten solche Sprachschöpfungen mehr, als man auf den ersten Blick vermuten mag. Die Verschleierungstaktik, wenn man das so nennen möchte, offenbart eben erst recht, was sich dahinter versteckt.

Sprache bringt es an den Tag

Klemperer dazu: „Was jemand willentlich verbergen will, sei es nur vor andern, sei es vor sich selber, auch was er unbewußt in sich trägt: „Die Sprache bringt es an den Tag.“[4] 

Wer also Kampfbegriffe nutzt, deren Aufgabe es ist, andere zu entmenschlichen, kann sich noch so sehr bemühen, als „aufrechter Demokrat“ dazustehen denn „die Sprache bringt es an den Tag“.. Die Geisteshaltung, der der Sprechende verhaftet ist, entlarvt die Menschenverachtung als konstituierenden Bestandteil seines Charakters. Die Wahl seines Ausdrucks gibt Aufschluss über seine Sicht, seine Perspektive der Welt.

Worte können sein wie winzige Arsendosen: sie werden unbemerkt verschluckt, sie scheinen keine Wirkung zu tun, und nach einiger Zeit ist die Giftwirkung doch da.“ [5]

Wenn Worte, die Unmenschliches beinhalten, immer und immer wieder benutzt werden, wird das Gift der Verharmlosung der Inhalte verbreitet. Die hinter den Worten stehende Ideologie wird eingespeist in den Kreislauf der AfD und so in die Gesellschaft, durch das „hoffähig machen“ der Worte. Wenn Klemperer das Bild der Arsendosen benutzt, so hätte er nicht treffender die Vorgehensweise einzelner in der AfD beschreiben können. Sie nutzen wieder und wieder verfremdete Nazi-Begriffe, bedienen sich ausgrenzender Worte oder nutzen diffamierende Ausdrücke. Was bleibt, ist die Gewöhnung an die Diffamierung, die Akzeptanz von solchen Begriffen. Man kann es drehen und wenden wie man will: Wenn die Gewöhnung an das Abwertende und Menschenverachtende Normalität wird, wird Abwertendes und Menschenverachtendes Teil unserer Alltagssprache.

Wenn die Gewöhnung an das Menschenverachtende Normalität wird

Wer Menschenverachtende Ausdrücke benutzt, oder Ausdrücke, die unmenschliches verniedlichen, muss sich mit dem Ursprung der Worte oder dem Wunsch, Unmenschliches zur Diskreditierung anderer einzusetzen, identifizieren lassen. 

Klemperer sagt mit dem Satz „Die Sprache bringt es an den Tag“: Manch einer kann sich anstrengen, wie er will, aber er wird mit seiner Sprache immer wieder aller Welt mitteilen, wie sehr er gedanklich der Verachtung anderen Menschen gegenüber verhaftet ist.

AfD Mitglieder, die menschenverachtende Sprache benutzen und auf Mitglieder anderer Parteien oder Flüchtlinge anwenden, zeigen damit eines: Wie sehr ihnen das menschenverachtendende Denken gefällt, das hinter dieser Sprache steckt.

Wenn wir anders sein wollen als andere, dann müssen wir das Einsickern der Menschenverachtung in unseren Sprachgebrauch und in das Denken verhindern. 

Wir dürfen nicht zulassen, das Menschen uns durch die Benutzung des Prinzips der Selbstaufwertung durch Abwertung anderer spalten, ausgrenzen und somit Mitglieder anderer Parteien oder Flüchtlinge gezielt diffamieren. Dies bedeutet, dass wir unseren eigenen Umgang mit Sprache reflektieren und die Nutzung von diffamierenden Begriffen unterlassen müssen. 

Wer Menschenverachtende Sprache benutzt, will nicht irgendwelche Begriff positiv besetzen. Er oder sie will damit die diesen Begriff innewohnenden rassistischen Gedanken verbreiten und Andersdenkende bekämpfen.

Nachtrag:

[1] Als „Sozial erfolglose Underdogs“ werden umstandslos sowohl Menschen bezeichnet, die ein über 6 Stelliges Jahreseinkommen verfügen und Beruflich und Sozial sehr erfolgreich sind wie auch ALG 2 Bezieher, die sozial vielfach engagiert sind. Dies macht diese Bezeichnung zu einem Kampfbegriff analog  von asozial.

[2]Victor Klemperer. LTI, Leipzig (Reclam) 1996

[3] LTI, Seite 27

[4] LTI, Seite 20

[5] LTI, Seite 27 

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