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Beschneidungsverbot von Jungen: die Kriminalisierung von Juden und Muslimen

26. Februar 2015

Tl;dr Gegen die Kriminalisierung der Beschneidung von Jungen – deutlich machen, dass Muslima und Muslime sowie Jüdinnen und Juden Teil dieser Gesellschaft sind.

In Zeiten wie diesen, in der #pegida Demonstrationen auf Deutschen Straßen Muslimas und Muslimen Verstehen geben „Ihr gehört nicht zu uns“ und deutsche Gerichte mit der Erklärung, das Anzünden von Synagogen sei kein Antisemitismus Jüdinnen und Juden zu Verstehen geben „Ihr gehört hier nicht hin“, gibt es Unverantwortliche symbolische Aussagen, die beiden Gruppen verdeutlichen: „macht was wir für Richtig halten oder geht weg.“

Zu diesem symbolischen Aussagen,deren Inhalt ein Deutliches „Ihr gehört nicht zu uns“ beinhaltet, gehört das bejubeln des Fehlurteils vom 7. Juni 2012 des Landgericht Köln zur Beschneidung von Jungen aus religiösen Gründen im Jahr 2015 als ein Symbol für Freiheit und Selbstbestimmung

Im Folgenden Gründe, warum eins nicht „Für“ Beschneidung sein muss, aber gegen gegen jegliche Form der Kriminalisierung von Beschneidung von Jungen sein sollte.

Für jüdische und muslimische Bürgerinnen und Bürger ist die Frage existentiell, ob sie zukünftig einen wesentlichen Teil ihrer religiösen und kulturellen Tradition in Deutschland ausüben und in der von ihnen gewählten Art und Weise Beschneidungen von Jungen durchführen können.

Hier sind sich konservative und liberale Jüdinnen, Juden, Muslima und Muslime einig.

In der Debatte um die Beschneidung von Jungen konkurrieren Rechte miteinander

Bei der Debatte um die Beschneidung kleiner Jungen konkurrieren mehrere Rechte miteinander: das Recht auf Religionsfreiheit, das Recht auf körperliche Unversehrtheit, das Recht auf religiöse Selbstbestimmung, Elternrechte, Kinderrechte.

Eines steht fest: Menschen müssen sich in Abwägung der Argumente und Rechtspositionen letztlich politisch positionieren.

Leitmotiv dabei ist der gesellschaftliche Zusammenhalt unter Anerkennung und Respekt unterschiedlicher Lebensweisen,Weltanschauungen und religiöser Überzeugungen auf der Basis der allgemeinen Menschenrechte.

Wichtig und Grundsätzlich ist: Die Beschneidung von Jungen ist nicht vergleichbar mit der genitalen Verstümmelung von Mädchen. Analogien verbieten sich deshalb.

[Die Debatte um Beschneidung wird begleitet von Antimuslimischen und antisemitischen Klischees. Die Tatsache, dass es in Deutschland einen seit Jahren wachsenden Antisemitismus und antimuslimischen Rassismus gibt, muss immer Teil der Erwägungen beim Reden über Beschneidung sein.]

Das Kölner Landgericht führt in seinem Urteil vom 7. Juni 2012 das Recht auf religiöse Selbstbestimmung als ein Grund für die Forderung nach einem Verbot der Beschneidung von Jungen an. Das Landgericht stellt in seinem Urteil fest: „Diese Veränderungen [des Körpers des Kindes durch Beschneidung] läuft dem Interesse des Kindes, später selbst über seine Religionszugehörigkeit entscheiden zu können, zuwider.“  Das Argument trifft nicht zu.

Uns ist keine Religion oder Weltanschauung bekannt, die Beschnittenen die Aufnahme in ihre Reihen verwehrt.

Die Unterstellung, jüdischen und muslimischen Eltern gingen unverantwortlich mit Kindern um

Umgekehrt ist es auch nicht so, dass jeder der beschnitten ist, automatisch Jude oder Muslim ist oder wird.

Die Befürworter des Kölner Urteils argumentieren, dass Beschneidung aus religiösen Gründen ein nicht medizinisch notwendiger körperlicher Eingriff ist und deswegen als Körperverletzung zu werten sei.

Aber alle medizinischen Eingriffe haben immer eine gesellschaftlich-kulturelle Dimension. Eltern haben einen Ermessensspielraum bei körperbezogenen Entscheidungen für ihre Kinder bei Heileingriffen, Impfungen, Schönheitsoperationen, Geschlechtszuweisungen bei Intersexualität. Von daher müssen sich wir uns die Frage stellen, warum es gerade jetzt eine Kampagne für eine Einschränkung der Beschneidung gibt, andere körperliche Eingriffe aber außen vor bleiben.

Die Auffassung, die Beschneidung widerspreche dem Kindeswohl, unterstellt der Mehrheit der jüdischen und muslimischen Eltern, unverantwortlich mit ihren Kindern umzugehen.

Durch die Drohung mit dem Strafrecht erreicht eins nicht weniger Beschneidungen, sondern eine Verunsicherung und Stigmatisierung der Betroffenen. Das kann dazu führen, dass zukünftig mehr Beschneidungen nicht medizinisch sachgerecht durchgeführt werden und Komplikationen verschwiegen werden, aus Angst, ansonsten strafrechtlich belangt zu werden. Komplikationen werden durch eine Kriminalisierung und Tabuisierung eher häufiger auftreten.

[Immer wieder wird auf Diskussionen über andere formen der Beschneidung von Jungen in Religionen als Teil der Argumentation für eine Kriminalisierung der Beschneidung verwiesen.]

Wenn die Praxis einer Religion sich ändern soll, muss der Impuls von innen kommen

[Ich] sehe es nicht als die Aufgabe von Parteien an, Vorschläge für die Änderung der Religionspraxis von Juden, Jüdinnen, Muslima und Muslimen zu machen. Von daher halten ich den Vorschlag […], Beschneidung bei unter 14 Jährigen in Deutschland zukünftig nur noch als symbolische Beschneidung durchzuführen, für nicht richtig. Die Mehrheit der muslimischen und jüdischen Gemeinden und Organisationen halten eine „symbolische Beschneidung“ nicht für einen adäquaten Ersatz für die Beschneidung.

[Ich] bin überzeugt: Wenn die Praxis einer Religion verändert werden soll, dann muss der Impuls von innen kommen.

Die Beschneidung ist für viele jüdische und muslimische Menschen auch Symbol von Zusammengehörigkeit, das in Situationen gesellschaftlicher Diskriminierung und Stigmatisierung eine hohe Bedeutung bekommt. Wir haben nicht das Recht, diese Eigendefinition in Frage zu stellen, schon gar nicht im Land der Schoa.

[Aus all den Voranstehenden Gründen ist eine Beteiligung an der Unterstützung Demo zur genitalen Selbstbestimmung und die Unterstützung der Dort aufgestellten Forderungen falsch.]

[Menschen müssen nicht „für“ Beschneidung sein, wenn sie sich gegen jegliche Form der Kriminalisierung von Beschneidung von Jungen einsetzen und damit deutlich machen, dass Jüdinnen, Juden, Muslima und Muslime und ihre religiösen Traditionen Teil dieser Gesellschaft sind.]“

Der Text erschien am 27. September 2012 als gemeinsame Erklärung von Christine Buchholz (MdB DIE LINKE), Werner Dreibus (MdB DIE LINKE), Stefanie Graf (Mitglied im Parteivorstand DIE LINKE), Nicole Gohlke (MdB DIE LINKE), Claudia Haydt (Mitglied im Vorstand der Europäischen Linken (EL)), Luc Jochimsen (MdB DIE LINKE), Caren Lay (MdB DIE LINKE), Bodo Ramelow (MdL DIE LINKE,Ministerpräsident Thüringen), Katina Schubert (Landesgeschäftsführerin DIE LINKE Berlin)

Aus gründen habe ich ihn hier Re-Bloggt. Er ist an einzelnen stellen geringfügig geändert worden. Nicht zum Text gehören die in Eckigen Klammern gesetzten stellen und die Zwischenüberschriften. Sie sind entweder von mir oder weichen stark vom Orginal ab.

Das Orginal findest eins hier.

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Die Freunde der Jüdischen Vorhaut, Reloaded

4. September 2012

Um im Jahre 2012 über die Beschneidung von Jüdischen und Muslimischen Jungen schreiben zu können, muss am Anfang immer eine klare Positionierung für oder gegen Beschneidung erfolgen.

Egal aber, ob der Stellungnehmende gegen oder für Beschneidung ist, das Antisemitische und antimuslimische Pack ruft immer „Ich bin auch schon hier.“

.. Das hier ist für alle die“

Wenn z.B.  Michael Wolffsohn in der Welt aus Jüdischer Sicht gegen die Beschneidung argumentiert, tauchen in den Kommentare dazu Bemerkungen „Wer ist Mose? War das nicht ein Tier?“ oder „Nur tollerante Juden und Moslems sind gern wilkommen.“, sowie „man niemanden ohne seine erklärte Zustimmung einen Körperteil amputiert.“ auf. [1]

Man könnte sich über den Geisteszustand des  Wolffsohn Applaus spendenden Pöbels Gedanken machen, aber das wäre Zeitverschwendung. Diese Menschen, die gefangen sind in einer Melange aus Desinformation, grundlegender Blödheit und Halbwahrheiten sind keine Diskussionspartner in der Beschneidungsdiskussion, denn sie sind keinem Rationalen Gedankengang zugänglich.

Schlimm ist es, wenn das einzige „Argument“ für die Beschneidung in den Kommentaren „aber woran sollen wir sie dann erkennen?“ ist. [1]

Wenn ein Ex-Muslim und Gegner der Beschneidung wie @AliCologne sich zu dem Thema äußert, sind die normalen Kommentare des Fan Clubs ihm nicht angemessen. In diesem Fall ist der Intellektuellen Standard auf  dem Niveau von „Politically Incorrect“, auch wenn es auf youtube gepostet wird.

Hier kann man dann Statements wie „Dass die Moslems die Schöpfung Ihres eigenen Gottes beleidigen indem Sie sich verändern, das ist lächerlich und doppelt krank..“ neben Äußerungen wie „Ich begrüße dieses Urteil, weil ich in ihm ein erstes kleines Bollwerk gegen den islamischen Gewaltexzess sehe“ sich aber weltoffen geben und argumentieren, das „ein Moslemkind empfindet dieselbe Tortur genauso wie ein jüdisches“.

… Die es wissen“

In all diesem liegt mein Problem!

Nicht, das ich alle Gegner der Beschneidung von Jungen, in welchem Lebensjahr auch immer, pauschal für Antisemiten oder antimuslime halten würde. Wie auch, den das wäre pauschalierend und das ist der Gegner jedes (Klugen) Gedankens.

Was mich verunsichert ist der breite Konsens innerhalb der Gesellschaft, das auch das plumpste, dümmste und vor Menschenverachtung triefende „Argument“ in dieser Debatte noch willkommen  ist.

Anders gesagt: es erschreckt,  wie schnell der dünne Firnis der Zivilisation in der BRD vergessen ist, wenn Teile der Bevölkerung auf nicht erfolgenden Widerspruch, der Zustimmung beinhaltet, stoßen , wenn sie dumpfe Ressentiments gegen Minderheiten schüren..

Hinzu kommt, dass auch Menschen, denen niemand es zutraut, sich plötzlich im Ton vergreifen.  So werden Menschen, die beschnitten sind, oftmals pauschal als „amputiert“ oder  „verstümmelt“ bezeichnet. [3]

Die Menschen, die sich der Klassifizierung als „amputiert“ oder „verstümmelt“ verweigern werden psychosomatische Störungen unterstellt. Am beliebtesten ist die, das sie sich, weil sie, als Juden, ja schon am achten Tag seines Lebens beschnitten wurden, an die Schmerzen nicht mehr erinnern können, sie verdrängt haben. [4]

Besonders perfide ist dies, wenn Menschen aus der Piratenpartei oder Freidenker so argumentieren, den sie, die gegen Bevormundung eintreten, maßen sich an, zum Erreichen eines Zieles Menschen zu bevormunden und zu Psychologisieren.

… Dass man alles kann“

Besonders peinlich wird es, wenn Freidenker gegen die Beschneidung argumentieren und, neben der Bereitschaft sich Klischees zu bedienen auch noch null Historisches Bewusstsein beweisen sowie klar machen, das sie eigentlich nichts von universellen Rechten halten.

Da schreibt ein Autor „Darüber hinaus ist es ein Treppenwitz der Geschichte: Ausgerechnet Vertreter der monotheistischen Religionen berufen sich auf Freiheiten, die damals wie heute gegen ihren erbitterten Widerstand erstritten werden mussten.

Angesichts dessen entlarven sich Nazivergleiche, wie man sie nicht nur von jüdischen Vertretern liest und hört („Schwerster Angriff auf das jüdische Leben seit dem Holocaust“, “Töten des Judentums in Deutschland”), als das, was sie sind: Als billige Polemik. Und Heuchelei. Denn die zahlreichen Privilegien, die religiöse Körperschaften genießen, bleiben natürlich unerwähnt.“.[5]

Ich sitze vor diesen Sätzen und denke mir: ist der eigentlich intellektuell Satisfaktionsfähig oder einfach nur unappetitlich?

Also da wird mit großen Donner den Religionsgemeinschaften in der BRD vorgehalten, das sie sich „auf Freiheiten, die damals wie heute gegen ihren erbitterten Widerstand erstritten werden mussten“, berufen.

Na, das ist mal eine steile These gegen das Judentum. Da sitze ich nun und befrage mein Wikipedia, wo auf dieser Welt  Freiheiten wie, Historisch, die Menschenrechte gegen den erbitterten Widerstand des Judentums erkämpft werden mussten?  Ich suche und denke und denke und suche.

Und finde:  Nichts!

…Doch man muss nichts müssen“

Eigentlich geht es den Autor ja nur darum, die, aufgrund der Historie diese Landes nicht ganz unbegründete Furcht einiger(?) Juden, das das Ziel der Vergangenheit, die Welt judenfrei zu machen, noch nicht aus dem Denken vieler Deutscher  verschwunden ist, zu diskreditieren.

Er hat aber schlicht, wie die meisten Deutschen, keinen Bock darauf, sich damit auseinanderzusetzen, sondern tut es, weil ja die Freiheit in Deutschland auch gegen die Jüdische  Religion erkämpft wurde, „als billige Polemik“ ab.

Das ist mal eine Denkfigur: ich behaupte, etwas gegen eine Religion erkämpft zu haben und darum ist das, was sie gegen meine Forderungen sagt, nichts wert („ billige Polemik“).

Dann kommt er aber mit dem schwersten „Argument“ daher. Er unterstellt den jüdischen Gemeinden in Deutschland Heuchelei, weil sie bei der Beschneidungs Debatte nicht permanent auf ihre Privilegien hinweisen.

Ich versuche mal die Argumentationskette zu fassen: Auch gegen das Judentum musste die Freiheit in der BRD erkämpft werden, darum ist die Angst vor dem erneuten Versuch, das jüdische Leben in der BRD auszurotten, billige Polemik und das auch deshalb, weil die Jüdische Religionsgemeinschaft die gleichen Rechte wie z.B. die Evangelische Kirche hat.

… Die es laut sagen“

Und weil Juden in Deutschland ähnliche Rechte wie „deutsche“ Religionsgemeinschaften haben, wird das Privilegien genannt. Ist halt so in Deutschland.

Und eines noch, Freidenker der du frei vom Denken bist: Freiheiten gelten universell und gerade auch für jene, die sich ihnen in den Weg gestellt haben. Es gibt nur ein Recht für alle, auf das sich jeder jederzeit beziehen darf.

Warum sind Menschen, die doch eigentlich ähnliche Ziele haben wie ich, „Intellektuell“ zu so was fähig?

Ich weiß es nicht und ich glaube, ich will es auch nicht wissen.

Ein letztes: im Rahmen der Beschneidungsdebatte sind verschiedene Diskussionen mit Moscheegemeinden und mit Jüdischen Gemeinden geführt worden. Dabei tauchte, von Seiten einzelner Menschen, auch aus der Piratenpartei, immer wieder die Forderung auf, auch Betroffene in die Diskussion einzubeziehen.

Auf meine entgeisterte Gegenfrage, als was sie den Vorbeter der Moschee oder den Rabbi der Synagoge bezeichnen würden, war immer die Antwort, dass man mit Betroffener einen Beschnittenen Gegner der Beschneidung meint.

Betroffenheit erfordert wahrscheinlich Qualen und Leiden und ist nicht vom Zustand der Vorhaut abhängig, sondern von der Haltung ihr gegenüber?

Ok, auch hier will ich lieber nicht wissen, wieso jemand der Beschnitten ist und nicht gegen Beschneidung ist, kein Betroffener von Beschneidung ist.

Über die, eine wie auch immer geartete eine Form von Intellekt nicht erkennbar machende, Gleichsetzung von Beschneidung mit sexuellen Missbrauch lasse ich mich hier nicht aus.

… Dass das Leben zu kurz ist“

Eine grundlegende Diskussion über das Elternrecht, die begonnen wurde, als das Schlagen von Kindern in die Diskussion kam, ist auch bei der Beschneidung unabdingbar.

Der Versuch, Menschen die einen Teil ihrer Persönlichen Identität aus ihrem Glauben beziehen, und darum der Beschneidung ihrer Kinder zustimmen, zu kriminalisieren, ist keine  Diskussion.

Eine Bewegung gegen Beschneidung muss klar machen, das sie den Antisemitischen und antimuslimischen Pöbel eindeutig in die Schranken weisen und ihm zeigen, das seine Intentionen nicht die der Beschneidungsgegner sind.

…Um nichts zu wagen“

Ach, mir fällt auf, dass ich noch kein Bekenntnis abgelegt habe.

Da die Diskussion über Beschneidung eine Bekenntnisfrage ist, hier ist es:

  1. Ich finde , das @AliCologne für sein Anliegen eine  tollen Job macht, weil er über die Schilderung seines Persönlichen Empfindens auch viele Menschen, die beschnitten wurden, zum Nachdenken bringt;
  2. Ich finde die Diskussion zur Beschneidung, die in einzelnen Bereichen der jüdischen Gemeinschaft in der BRD läuft, spannend;
  3. Ich finde die Diskussion zur Beschneidung, die in einzelne Bereichen der muslimischen Gemeinschaft in der BRD läuft, spannend;
  4. Ich finde es fatal, wenn in Deutschland angefangen wird, Juden und Muslime anzugreifen, weil sie eine Religiöse Einstellung besitzen, die mit Kulthandlungen verbundene ist. Nach meinem Verständnis bekämpfen Atheisten Religion und nicht die Menschen, die ihr angehören;
  5. Ich bin gegen Beschneidung von Kindern, egal ob Jungen oder Mädchen, akzeptiere aber die 4000 jährige Tradition einer Religionsgemeinschaft, der ich mich, auch als Atheist, verbunden fühle.

Die Zwischenüberschriften stammen aus Klee “ Für Alle, Die “ hier der link zum Viedeo http://www.youtube.com/watch?v=ao1ZLuYyZok

[1] http://www.welt.de/debatte/article108845278/Nicht-die-Beschneidung-macht-den-Juden.html

[2] http://www.youtube.com/all_comments?v=1VQyLvhd28o

[3] hier http://blog.sebi-rockt.de/2012/08/24/beschneidung-verstummelung-aus-religiosen-grunden/

und hier http://bremen.piratenpartei.de/Blog/2012-7-19/das-beschneidungsurteil-von-koeln—ein-richtiges-zeichen/

und hier http://piraten-erlangen.de/2012/07/18/kolner-beschneidungsurteil-ist-moralischer-meilenstein-piratenpartei-sieht-kinderrechte-gestarkt/

und hier http://www.politik-forum.eu/viewtopic.php?p=1594407

und und und

[4] so ab Min. 14 http://www.youtube.com/watch?v=K5RpxXKo3Nw&feature=related

[5] http://gbs-berlin.org/beschneidung-die-allianz-der-heuchler/

Heuchler 2.0 oder Die Piratenpartei als Freunde der Jüdischen Vorhaut?

2. Juli 2012

Um es gleich zu sagen: ich bin gegen die Beschneidung von Jungen, egal ob Jüdisch, Muslimisch oder Indigen, egal ob exakt am 8 Tag nach der Geburt oder  später vor Erreichen des 16 Lebensjahres. Aber ich bin auch gegen die Taufe und jedes andere archaische Ritual, das zur Zementierung von Religionen durch den Elternwillen dient. Gegen die  Verstümmelung von Mädchen durch Beschneidung  aus  Tradition, Ethnischen oder  Religiösen Gründen bin ich ebenso.  Als Atheist kann ich gar nicht anders.

Dass das Kölner Urteil zur Beschneidung vom 26.06.2012 die besondere Situation von Angehörigen des Jüdischen Glaubens aufgrund der historischen Ereignisse in Deutschland konsequent ignoriert, darf nicht unwidersprochen bleiben. Aus Persönlicher Betroffenheit, kann ich, auch hier, gar nicht anders als wiedersprechen.

Beschneidungsverboten als Teil der Verfolgungsgeschichte

Fakt ist, Historisch verschiedene Arten von Beschneidungsverboten sind  Teil der Verfolgungsgeschichte des Jüdischen Volkes. Gerade einmal vor knapp 200 Jahren wurde in Württemberg ein über 80 Jahre lang gültiges Verbot der Beschneidung abgeschafft. Wer dies Verkennt, oder gar von „Faschismuskeule“ bei dem Hinweis auf dieses Faktum Lamentiert, der will zum Beschneidungsverbot auch noch ein Schweigegebot verhängen!

Ein deutsches Gericht verteidigt die Vorhaut Jüdischer Jungs gegen Ansprüche  ihrer beschnittenen Väter. Eine entrüstete deutsche Öffentlichkeit,  unter anderem jene Piraten, die die lqfb Initiative 3733 „Bräuche, die in die körperliche Unversehrtheit von Kindern eingreifen, sind abzuschaffen.“(1) gestartete habe,  bemerkt, offensichtlich und unübersehbar, erst in Folge des Urteils, welch eine „Unmenschliche Tortur“ den jüdischen Jungs acht Tage nach ihrer Geburt angetan wird.

Vielfach ist in einschlägigen Kommentaren zu lesen, dass, wer solches tut, auch fähig ist, den Mädchen die Klitoris wegzuschneiden, Witwen zu verbrennen und wegen des erlittenen frühkindlichen Traumas eigentlich zu allen möglichen Bösartigkeiten in der Lage ist.

Man merkt den Kommentaren und den daraufhin gestarteten initiativen an, das schon jetzt, voller Freude und Erwartung, drauf gelauert wird, erste jüdische Eltern oder Ärzte von deutschen Gerichten hinter Schloss und Riegel geschickt zu sehen, da sie meinen, am Glauben festhalten zu müssen oder zu wollen.

Hass und Verachtung statt Empathie und Diskussion

Die extreme spirituelle Bedeutung, die Berit Mila für das Jüdische Volk einnimmt, scheint den Menschen, die die Ächtung dieses Rituals fordern, nicht klar zu sein.  Ach, was schreibe ich.  Wenn ich ehrlich zu mir selbst bin, so ist mir klar, das  Empathie und Diskussion in ihrem wollen und streben keinen Platz haben. Sie haben ihr Urteil gefällt. Dieses Urteil basiert bei vielen auf Erkenntnissen, die sie exakt nach dem 26. Juni 2012 gewonnen haben.

Sie wollen nichts hinterfragen, Diskutieren, mit den Augen anderen sehen. Sie haben sich am 26.06.2012 eine, in Granit gehauene Meinung über etwas, was die meisten vor dem 25. Juni 2012 nicht kannten, gebildet.

Vom Licht in der Finsternis

Wie kein anderes Gebot steht die Brit Mila symbolisch für die Zugehörigkeit zum Judentum, sowohl für Juden als auch für Nichtjuden.

„Wie die Brit Mila in der Vergangenheit eine wesentliche Grundlage der jüdischen Religion und damit des jüdischen Volkes bildete, so wird sie auch in der Zukunft unverzichtbar und unabänderlich ein prägendes Element für die Zugehörigkeit zum Judentum darstellen, in Einklang mit dem ethischen Gesetzeswerk der Halacha, und als Ausdruck des Annehmens des Bundes mit dem Ewigen durch Sein Volk.“ (2)

Berit Mila wurde  an den Finstersten Orten, die ein Mensch sich vorstellen kann, seien es die Gettos von Warschau, Riga, Lemberg,  in KZ’s wie  Auschwitz-Birkenau ebenso wie in Majdanek und an all den anderen Orten, deren Namen schrecken, Leid und Vernichtung bedeuten, voll Freude, als  Zeichen, das es auch in den Dunkelsten Stunden Hoffnung auf eine überleben gibt, gefeiert.

Dieses Ritual, das nicht nur an diesen Orten des Schreckens, eines der wichtigsten jüdischen überhaupt ist, ist es deshalb, weil sich in ihm der unerschütterliche Glaube an den Fortbestand des jüdischen Glaubens ausdrückt, die Hoffnung darauf, dass der Bund Abrahams mit Gott in alle Ewigkeit Bestand haben wird!

Finsteren Phrasen statt Innehalten und Nachdenken

Ich habe ein massives Problem damit, dass just nach dem Urteile die Hasser alles Jüdischen und Islamischen aus ihren Löchern gekrochen kommen. Das sie  Morgenluft witterten und allem, was sich der wohlfeilen Zustimmung zum Urteil nachdenklich in den Weg stellt mit finsteren Parsen bewerfen.

Besonders aber habe ich ein Problem damit, dass es auch bei der Piratenpartei Freibeuter des Populismus gibt, die in den trüben Gewässern des antijüdischen und antiislamischen Beute zu machen hoffen und dafür das Feld der  „religiös motivierter Gewalt gegen Kinder“ entdecken.

Wo waren diese tapferen Kämpfer für die Vorhaut jüdischer und muslimischer Jungen vor dem 26. Juni 2012 eigentlich?  Wer, wie TERRE DES FEMMES, schon seit Jahren Teil des weltweiten Kampfes gegen Genital-Verstümmelung ist, der ist für mich glaubwürdig, auch in seinen Äußerungen gegen Beschneidung bei Jungen, wenn dies auch ein vollkommen anderes Feld als das ihre Arbeit ist.

Wer aber meint, ein Menschenrecht auf die Intakte Vorhaut  erfinden zu müssen, exakt zu der Zeit, zu der in den Foren er deutschen Zeitungen Sätze über Juden wie  „es wird niemand gezwungen hier zu bleiben wen es ihm nicht mehr in Deutschland gefällt “ und sachliche Diskussionsbeiträge zum Thema wie  „Zum Bezahlen sind die Ungläubigen immer gut. So sieht’s aus. Aber darüber redet keiner.“ zu tausenden Verbreitet werden, der hat meines Erachtens nach ein Problem!

Der hat ein Problem mit seiner Verortung. Vor dem 25.Juni 2012 wäre eine Diskussion über die lqfb Initiative 3733 eine halbwegs rationale gewesen. Vor dem 25. Juni wäre es eine initiative gewesen, bei der ich gesagt hätte, ok, ich mache mir die Mühe, alle mir bekannten Initiationsriten als Vorschlag zur Erweiterung einzubringen.

Vor dem 25.Juni 2012 hätte ich gesagt, lasst uns das tun, was die Piratenpartei auszeichnet: mit den Menschen, die  Initiationsriten, auch die Beschneidung  als Teil ihres Glaubenskonzeptes begreifen, reden.

Als Letztes: vor dem 25.Juni 2012 hätte ich das Nachdenken über eine symbolische Beschneidung von Kindern als Auseinandersetzung mit einem Ritus, der mir als archaisch erscheint, und als Bereicherung der Diskussion empfunden.

Wie gesagt, dies war einmal.

Ich kann einfach Initiativen nicht als unabhängig vom Zeitgeist und als Ausdruck einer tieferen Überzeugung identifizieren wenn die Initiatoren so absurd abhängig von einer aus dem Ruder gelaufenen Diskussion wie der über ein Beschneidungsverbot handeln. Hier muss ich sie aber als teil der Menschen, die in den Kloaken des Internets den Traum der Einschränkung der Religionsfreiheit von Juden und Muslim Träumen, wahrnehmen.Mir beleibt aber, durch die einseitige Aufmachung der Initiative und den Zeitpunkt der Präsentation, gar nichts anderes Übrig. Alles andere würde bedeuten, das ich mich selber betrügen würde!

Heuchelei und Doppelmoral

Hinzu kommt noch die abgrundtiefe Heuchelei der Freunde der jüdisch/muslimischen Vorhaut.

Denn, und das muss man ganz klar sagen: Die lqfb Initiative 3733 „Bräuche, die in die körperliche Unversehrtheit von Kindern eingreifen, sind abzuschaffen.“ richtete sich eindeutig und ausschließlich gegen Juden und Muslime!

Ich wünschte mir, dass die Piratenpartei nicht mit zweierlei Maß messen würde. Wenn Piraten dem jüdischen und muslimischen Glauben ihre Initiationsriten mit der Begründung des Selbstbestimmungsrechts verweigern, müssen ebenjene Piraten das auch mit dem Christentum machen und Kindertaufe, Kommunion, Firmung, und Konfirmation verbieten.

Nun, dabei müsste man sich aber als Laizistische Partei Präsentieren, müsste über zwang in Religionen allgemein Diskutieren. Das wäre natürlich Zuviel verlangt von Menschen, denen es einzig darum geht, auf der Welle der augenblicklichen Empörung zu reiten!

Aber eines ist klar, nach dem Urteil und dem Überbordenden Hass, der ihnen und ihren Traditionen entgegenschlägt, werden Juden und Muslime sich fortan in Deutschland noch weniger heimisch als zuvor fühlen.

Nachtrag:

Wie üblich in der Bundesrepublik kommt man auch bei der Frage der Beschneidung nicht um die Vermengung einer Einzelfrage, die auch Juden betrifft,  mit der Politik des Staates Israel herum. Hier eins der nicht ganz so Widerwärtigen Exemplare: „kann ruhig auch gefragt werden, inwiefern sich eine irreversible religiöse Körpermodifikation,….. Ironie: Analog zum Siedlungsbau in Palästinensergebieten werden auch hier Tatsachen geschaffen.“ ( http://storify.com/ath_nikow/das-beschneidungsverbot-von-koln )

https://lqfb.piratenpartei.de/pp/initiative/show/3733.html

Beschneidung und jüdische Identität, von Rabbinerin Dr. Yael Deusel, http://a-r-k.de/britmila/