Posted tagged ‘Queer’

Mit der #AfD Diskutieren?

14. September 2014

Im Vorfeld der am 13. März Bevorstehenden Landtagswahlen in drei Bundesländern ist erneut eine Diskussion über den Umgang mit der AfD losgebrochen. 

Mit der AfD muss umgegangen werden wie mit der NPD?

Die einen sagen: Mit Funktionären der AfD muss genauso umgegangen werden wie mit der NPD oder den Republikanern in den 90’er Jahren. Andere argumentieren, dass sie ja schließlich durch demokratische Wahlen in die Parlamente gelangt seien, und man mit allen demokratisch gewählten Abgeordneten reden müsse.

Gibt es einen „Königsweg“ im Umgang mit Funktionären der AfD?
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Ein Schutzraum ist ein Schutzraum weil er ein Schutzraum ist

17. Juli 2014

Tl;dr Warum das Schaffen von Schutzräumen wichtig ist, und wieso nicht jeder einen Anspruch darauf hat, in einen Schutzraum zu gelangen und kein Anspruch auf Mitgliedschaft in der @pplattform existiert

Der Begriff >Schutzraum< lässt an einen Ort denken, der Sicherheit vor Katastrophen bietet. Vielfältige Gewalteinflüsse und Machtformen machen sehr verschiedene individuell oder kollektiv eingenommene Schutzräume nötig. Auch Kulturen, Lebensweisen und Organisationsformen, Ansichten und Überzeugungen, Denkweisen und Artikulationsformen können Schutz benötigen. Umgekehrt sind sie in der Funktion von Schutzräumen erfahrbar. Geschützte Räume müssen nicht notwendigerweise physische Orte sein und ihre Schutzformen reichen von der momentanen Sicherung des bloßen Überlebens bis hin zur dauerhaften Einrichtung von Freiräumen. Schutzräume wirken als exklusive Räume, als Rückzugsorte und Gewebe von mehr oder weniger vertrauensvollen Beziehungen.
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#BuntSpenden unterstützen, denn es gibt kein Blut erster und Zweiter Klasse

21. Juni 2014

tl;dr Menschen aufgrund von Vorurteilen vom Blutspenden auszuschließen ist nicht nur Diskriminierend, sondern auch nicht hilfreich! Darum „Bunt Spenden“ unterstützen und hier unterschreiben


Diesen Sommer wird Flagge gezeigt, und das nicht nur beim Fußball. Der Lesben- und Schwulenverband in Deutschland (LSVD), der Christopher Street Day e. V. Berlin und DDB Tribal Berlin starten eine Petition gegen eine immer noch aktuelle Diskriminierung: Bi- und homosexuelle Männer dürfen hierzulande auch 2014 kein Blut spenden. Los geht’s mit einem echten Heimspiel vor 700.000 Menschen auf dem Christopher Street Day (CSD) am 21. Juni 2014.“  Mit diesen Worten Kündigt der LSVD die Aktion „Bunt Spenden“ an. Die Frage, ob ihr Blut schlechter ist als das Anderer, stellen sich seit Jahren viele Menschen.

In Deutschland gibt es Blut erster und zweiter Klasse

Wer als Mann einmal (!) in seinem Leben Sex mit einem Mann hatte, darf sein ganzes Leben lang weder Blut noch Knochenmark spenden. Wenn er lebend Organe spenden will, so darf ein Arzt ihn, ohne weitere Begründung von der Spende ausschließen. Einzig Toten wird in der Bundesrepublik dem Mann der (einmalige) Sex mit einem Mann verziehen.

Doch nicht nur Einmaliger Sex mit einem Mann ist ein Ausschlussgrund bis zum Grab.
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„#Molligate“, Unwahrheiten von #Piraten und die Instrumentalisierung des @LSVD

16. Juni 2014

Tl;dr Wie Unwahrheiten von #Piraten über Positionen und Handlungen des @LSVD Arbeit beschädigen

Seit Monaten schwirren in der Piratenpartei Gerüchte umher, die das Verhältnis von LSVD und verschiedener anderer lesbisch-schwul-bisexuell-transsexuell-transgender-intersexuell und queer (LSBTTIQ) Gruppen zu den Piraten betreffen.

Auslöser soll die Aktion der Femen am 7. Februar vor der russischen Botschaft gewesen sein („#Moligate“), bei der auch ein Femen Mitglied beteiligt war, das gleichzeitig Mitglied der Piratenpartei ist. Aufgrund dieser Aktion sollen diverse Verbände, Bedenken wegen der Zusammenarbeit mit den Piraten und Queeraten haben. So wurde auch behauptet, dass der LSVD bedenken habe, Piraten und Queeraten künftig zu Aktionen einzuladen.

Diese Behauptung schreckte Mitglieder des LSVD auf, da ein solches Verhalten den Grundsätzen und Regeln des LSVD widersprechen würde. Sie haben das getan, was man bei Gerüchten immer tun sollte: sie haben nachgefragt. So auch ich.

Eine Erfundene LSVD Position zum „#Moligate“

Das Ergebnis dieser Nachfrage kann hier nachgelesen werden, für Lesefaule folgt hier die Zusammenfassung:

Als Beweis für die Behauptung, dass der LSVD sich mit der Aktion der Femen („#Moligate“)  auseinandergesetzt und nun Probleme mit der Piratenpartei habe, präsentiert Ali @AliCologne Utlu eine Mail von Tobias Zimmermann an ihn.

Er  schreibt auf seinem Blog dazu, es handele sich bei dieser Mail um eine von vielen Stellungnahmen von Verbänden „bezüglich des #Molligates„. Es wird von Ali als „LSVD zum #Molligate„, also explizit als das Statement des LSVD bezeichnet.
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Legalisiertes Unrecht in der Bundesrepublik und der 27. Januar

27. Januar 2014

Tl;dr die Bedeutung des § 175 als Legalisiertes Unrecht und der Kampf von Queer gegen Demütigungen, Anfeindungen, Verleumdungen und Ausgrenzungen

Wer behauptet, in der Bundesrepublik habe es kein systematisches legalisiertes Unrecht gegeben, der Lügt.

In der Bundesrepublik wurden, abgesegnet und teilweise vorangetrieben durch Gerichte  und mit Billigung der überwältigenden Mehrheit der Bevölkerung zehntausende mal Menschenrechte verletzt.

Gemeint ist die Repression, der Homosexuelle durch die Exzessive Nutzung des § 175 ausgesetzt waren.

Die Repressionen, mit denen die Justiz Homosexuelle verfolgte stellt, Historisch gesehen, eine jahrzehntelange Aneinanderreihung von legalisiertem Unrecht dar. [1]

Die Repressionen gegen Schwule in der BRD

Die Nationalsozialisten hatten den § 175 StGB verschärft und Homosexuelle in Konzentrationslagern ermordet oder ins Zuchthaus geworfen.

Der Straftatbestand konnte nun auch ohne eine körperliche Berührung des anderen Mannes verwirklicht werden. Damit waren nicht nur die wechselseitige, sondern auch die gleichzeitige Onanie und sogar der Zungenkuss und das Berühren des fremden Geschlechtsteils strafbar.
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Queer und Quoten in der Piratenpartei

30. Oktober 2013

tl;dr Die (Un-) Sichtbarkeit von Frauen* in der Piratenpartei, der Widerspruch von Queer gegen Quoten und warum Queer Quoten unterstützen

Wir leben in einer Gesellschaft, in der das Geschlecht das Leben der Menschen bestimmt.[1]  Das ist ein Faktum, das zu akzeptieren ist, da es die gesellschaftliche Realität abbildet.

Darum ist Geschlechterpolitik auch ein Dauerbrenner in den Auseinandersetzungen der Piratenpartei. Und wer jetzt sagt „Das ist erst so, seitdem die ganzen Feministinnen dabei sind“, der belügt sich selber. Denn auch wenn in der Piratenpartei die Geschlechterfrage nicht diskutiert wurde, so war sie doch immer manifest. Sie war manifest durch die Tatsache der Abwesenheit und die Unsichtbarkeit von Frauen* in der Partei. Diesen sichtbaren Mangel durch Verweis auf Nichterfassung des Geschlechts in Beitrittserklärungen oder mit „Postgender“ Geschwurbel weg leugnen zu wollen ist unehrlich und realitätsfremd.

In dieser Unehrlichkeit gleichen Teile der Piratenpartei der katholischen Kirche, die auch nicht wahr haben will, dass die Abwesenheit von Frauen* in Führungspositionen sie gesellschaftlich isoliert. Und gegenüber der Piratenpartei ist die katholische Kirche in ihrer Mitgliedschaft sogar noch im Vorteil, denn dort stellen Frauen* einen Anteil, der ihrem gesellschaftlichen Anteil entspricht. 

Postgender“

In Bezug auf Geschlecht, gleichberechtigte Teilhabe von Menschen, Sexismus und die strukturelle Benachteiligung von Frauen* in der Gesellschaft haben wir in dieser Partei verschiedenste Positionen und oft auch inkompatible Ansichten.

Es gibt in der Piratenpartei einerseits Menschen, die die Kategorie „Geschlecht“ für überkommen und nicht relevant halten.
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Drei Ex-Piraten schreiben ein „Buch“

31. Juli 2013

tl;dr Drei Ex-Piraten schreiben ein „Buch“, das in seiner Gesamtheit ein Stück larmoyanter Pöbelei ist.

Mit der Überschrift „Drei Ex-Piraten schreiben ein „Buch““ könnte ich hier schon enden. Tue ich aber nicht.

Weil ich es so sehe, das das Pamphlet „Piraten auf falschem Kurs“ [1] von Ex-Piraten zur Diskreditierung der Piratenpartei geschrieben wurde.

Das könnte mir ja eigentlich egal sein und wäre es auch, hätten dies drei nicht Anhänger in der Piratenpartei. Anhänger, die ernsthaft meinen, dass  Rückwärtsgewante selbstverliebte gepöble gegen die Piratenpartei von diesen Dreien hätte irgendetwas mit einer „anderen“, „neuen“ Politik zu tun. Hat es aber nicht. Es ist nur einzig dem Wunsch geschuldet, das die „Piraten Kinder“ doch endlich mal den „Klügeren“ Altfordern in Form von Tauss, Jo „Menschenfreund“ und Pinnow folgen. Tun diese aber nicht. Darum dieses „Buch“ Es ist, in seiner Gesamtheit, ein Stück larmoyanter Pöbelei.

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#PiratinnenKon und Queer

8. April 2013

Ich freue mich, dass so viele Menschen in der Piratenpartei bereit waren, Zeit zu investieren, um einen Kongress wie die PiratinnenKon zu gestalten. Ich halte die bei dem Kongress besprochenen Themen für wichtig und bin überzeugt, dass die Ergebnisse die Beteiligten als Personen und die Piratenpartei als Ganzes weiterbringen werden.

Was ist „Queer“ eigentlich

Trotzdem kritisiere ich einzelnes an der #PiratinnenKon. Statt der expliziten Kritik jedoch etwas zu dem, was „Queer“ eigentlich ist. Denn daraus erschließt sich die Kritik dann von selbst, wie ich hoffe.

Was alle Lesenden verstehen sollte, ist, dass queer nicht nur für schwul, lesbisch oder ein modernes „gay“ steht, sondern für jede Ausgrenzung aus „normal“. Also auch bisexuelle oder andere Begehrensformen [1], die dem heteronormativen Normal widersprechen, der gesellschaftlichen Orientierung an heterosexuellen Beziehungen als Norm und Ideal. Lediglich Denkfaulheit oder falsch verstandene Hippness hat dazu geführt, dass sich „queer“ vor allem im deutschen Sprachraum als Synonym für „schwul/lesbisch“ durchgesetzt hat.

Erfunden wurde „queer“ in den 80er Jahren in den USA, von der Act-Up-Bewegung während der AIDS-Krise, als Kampfbegriff und als Verweigerung, sich auf eine eindeutige Identität festzulegen zu wollen. [2] Ins Deutsche lässt sich queer vielleicht am ehesten mit „schräg“ übersetzen. Nur dass hier niemand auf die Idee käme, von „schräger Theorie“ oder „schräger Politik“ zu sprechen. Einen politisch-kritischen Unterton besitzt der Begriff „queer“ nämlich nur selten, wenn er in der Subkultur auftaucht.

Aus Queer-Sicht ist die Vorstellung in Frage zu stellen, es gäbe naturgegeben genau zwei Geschlechter, die im „Normalfall“ durch ihr Begehren aufeinander bezogen sind. Aus dieser Norm wird auf gewisse Funktionen und Eignungen geschlossen (zum Beispiel Kinder zu bekommen und aufzuziehen). Und bei dieser Norm müssen wir fragen, welche Menschen sie ausgrenzt, an den Rand drängt und dabei ihre Körper und Psychen verletzt.

Gegenentwurf Queer

Queer geht über das tradierte Rollenverständnis hinaus. Queer begreift Geschlecht als Konstrukt, das Körper, Sexualität und soziale Geschlechterrollen miteinander verknüpft.

Die Komponenten „Mann“ und „Frau“, gesellschaftliche Orientierung an heterosexuellen Beziehungen als Norm und Ideal und Rollenverteilung gehören zusammen und haben sich in historisch-sozialen Prozessen zum Geschlechtsbegriff verdichtet, auch wenn in Deutschland die beiden letzten Punkte in den vergangenen Jahren rechtlich aufgeweicht wurden. Insgesamt sind diese Pole als Norm fest etabliert und haben sich tief in gesellschaftliche Verhältnisse, Denk- und Gefühlsstrukturen eingegraben.

Über diese Norm werden im Zusammenspiel z.B. mit einem Rasse- oder Volksbegriff Hierarchien hergestellt und reproduziert, die Einzelnen und Gruppen den Zugang zu gesellschaftlichen Möglichkeiten reguliert. Normabweichungen wurden und werden oftmals sozial nicht toleriert und als Krankheit dargestellt. Ganz zu schweigen von den vielfältigen Ausgrenzungen im sozialen Umfeld, auf der Straße, in der Arbeitswelt usw., die von unbewusst-versteckt bis offen gewalttätig reichen.

Queer stellt einen Gegenentwurf zur gesellschaftlichen Orientierung an heterosexuellen Beziehungen als Norm und Ideal, der Heteronormativität, dar. Das Infragestellen von Heteronormativität erfordert immer auch Kämpfe um die Sichtbarmachung nicht-heterosexueller Lebensentwürfe als auch die Organisation von Interessen.

Queer ist gelebte Normkritik

Im Gegensatz zu anderen, z.B. zu einzelnen feministischen Schulen, streitet Queer-Politik nicht für die Installation „besserer“ oder „neuerer“ hegemonialer Normen. Queer ist gelebte Normkritik.

Anders als frühere Emanzipationskämpfe, wie die der Frauen- oder der Schwulenbewegung, verweigert sich Queer einer Festschreibung auf einen Körper (Frau) oder eine sexuelle Identität (schwul). Neben den „klassischen“ Kämpfen, abweichende sexuelle Orientierungen vor Diskriminierung zu schützen und gleiche Rechte einzufordern, enthält Queer-Politik eine weitergehende Kritik an herrschenden Normalitäts- und Identitätszwängen. „Queer“ bedeutet nicht zwangsläufig Geschlecht auflösen zu wollen; doch ein weitergehender Anspruch, als nur Anerkennung für die eigene (geschlechtliche) Lebensform zu bekommen, sollte schon dabei sein.

Einigen sollte alle Queer das Streben nach einer Gesellschaft, die real post-gender ist.

Post-Gender und Cyborgmanifesto

„Post-Gender“ ist nicht, wie oft in der Piratenpartei gedacht, die Verneinung der Differenz von „Mann“ und „Frau“, sondern die Überwindung derselben. Wer akzeptiert, dass Geschlechter soziale Kategorien und Zuweisungen sind, kann darüber nachdenken, die kulturelle Prägung, die „Geschlecht“ ausmacht, zu überwinden.

Donna Haraway bringt die Bedeutung von „post-gender“ für Queer im Cyborgmanifesto (1995), das sie 1984 schrieb, schön auf den Punkt: „Einige Differenzen sind spielerisch; einige sind Pole von welthistorischen Systemen der Unterdrückung. ‚Erkenntnistheorie‘ handelt davon, den Unterschied zu kennen.“ [3] Das Cyborgmanifesto beschreibt die Vision einer Post-Gender-Gesellschaft als Überwindung des Rahmens von Sex und Gender.

Queer zu sein heißt, zuende gedacht, nicht mehr in die traditionellen Konzepte von Körper, Geschlecht und Begehren zu passen.

Diese Vorstellung wird im Cyborgmanifesto philosophisch untermauert. Das Cyborg ist das Geschöpf einer Post-Gender-Welt, Hybrid aus Mensch und Maschine, welche die Grenzen zwischen natürlich/künstlich, innen/außen, normal/pervers oder männlich/weiblich zusammenbrechen lässt. Das Cyborg verwischt diese scheinbaren Gegensätze, denn es befindet sich in einem Zustand, der jenseits dieser Gegensätze liegt.

An den Anfang des Cyborgmanifesto setzt Haraway die Frage: „Warum sollte unser Körper an unserer Haut enden?“ [3]

Queer offener und inklusiver

Daran anschließend stellt sich die Frage: Wieso sollen immer nur zwei Pole möglich sein? Erscheint nicht vielmehr eine Gesellschaft wünschenswert, die sich von Polen verabschiedet und für geschlechtliche Selbstbestimmung jenseits der zweigeschlechtlichen Logiken öffnet? Wenn Mensch diese Frage mit „Ja“ beantwortet, muss der nächste Schritt die Förderung der Idee des Erreichens einer Gesellschaft, die „post-gender“ ist, sein, und nicht der Beschluss, die Idee zu verwerfen, weil sich Deppen des Begriffs bemächtigt haben.

Queer ist gelebte Distanzierung vom Maskulinismus und solidarische Kritik an feministischen Projekten. Feminismus und Queer sind keine Gegensätze; in der Praxis gehen sie Hand in Hand.

Ich persönlich empfinde Queer als offener und inklusiver, weil feministische und LGBTQI-Themen und –Menschen Hand in Hand gehen.

Queer stellt den Versuch dar, die nominative Sicht von biologischem (sex) und sozialem (gender) Geschlecht zu überwinden und zu verflüssigen.

Beyond Gender oder eine postgender world, also ein Leben jenseits des Geschlechts ist für Queer eine erreichbar und erstrebenswert Perspektive. Mensch könnte auch sagen: Wir finden das gut. Wir streben das an.Wir wollen das. Wir kriegen das.

Ich danke @bastianhaas @t_bb_ @Panaschieren @ingwerbaer1 @acid23 @chaosrind und besonders @stoffeldearund @Ulan_ka für Korrektur, Kritik, Anregungen und Lektorat des Posts und eure Unendliche Geduls mit mir. Ihr seid Toll.

[1] sexuellem Begehren/desire

[2] Was ist Queer

[3] Cyborgmanifesto

Queer und Feministisch Denkende Menschen in der Piratenpartei

17. März 2013

Am 06/07. April findet die  #PiratinnenKon statt. Auf dieser Konferenz geht es um das Thema “Frauen in der Piratenpartei”.

#PiratinnenKon

Die Position zur „Frauenfrage“ soll sowohl für innerhalb als auch für die Außendarstellung bestimmt werden. Ich finde dies wichtig und glaube, dass die Ergebnisse der Konferenz für Teilnehmer und Partei ein Fortschritt sein werden.

Feministisch denkenden Menschen in der Partei stellen wichtige Fragen und die Partei muss sich damit beschäftigen, weil bereits in §1 Ihrer Satzung steht, dass sie Piraten ohne Ansehen des Geschlechts in sich vereint, die eine moderne freiheitliche Gesellschaft auf- und ausbauen wollen.

Darum müssen bei der PiratinnenKon Feministen auch mit Nicht-Feministen sprechen. Dieser, durch die Feministisch denkenden Menschen angestrebte Dialog wird der Piratenpartei zum Vorteil gereichen, da er sie nachhaltig verändern wird.

#QueerKon und #HäkelKon

Am 16/17. August findet in Dresden die #QueerKon gemeinsam mit der #HäkelKon statt.

Bei der #HäkelKon, die sich als Inklusions-Plenum versteht, sollen verschiedene Teilbereiche gesellschaftlichen Lebens diskutiert werden. Hierzu gehört auch die Genderthematik (u.a. Equalismus).

Die #QueerKon soll alle queeren Gruppen zu einem Gespräch zusammen bringen. Hier soll man über verschiedene Teilbereiche gesellschaftlichen Lebens sprechen, besonders über Themen, bei denen in der Sprache oder Rollenzuteilung mit dem Geschlecht begründet wird.

Auf der #QueerKon sollen die Teilnehmer politische Standpunkte erstellen, die nicht wie bisher der Mehrheit sondern auch dem der queeren Minderheiten entsprechen. Die Unterdrückung der Minderheiten in Politik und Gesellschaft soll einem Miteinander aller weichen.

Was jeder bei der QueerKon verstehen soll, ist, dass queer nicht nur für schwul, lesbisch oder ein modernes „gay“ steht, sondern für jede Ausgrenzung aus „Normal“. Also auch transsexuelle, bisexuelle oder andere dem heteronormativen Normal widersprechende Begehrensform.

Grundlagen von Queer

Für Queer ist folgendes, nach meiner Meinung, Existentiell:

1) Queer ist gelebte Kritik an Heteronormativität: Heterosexualität wird als Grundbedingung und Urform aller sozialen Beziehungen betrachtet. Es gehört zu den Grundlagen heterosexueller Herrschaft, dass sie Bereiche durchzieht, die auf den ersten Blick nichts miteinander und schon gar nichts mit Sexualität zu tun haben.

2) Queerpolitik ist der Versuch, mit allem Handeln die Verflüssigung der Geschlechterverhältnisse zu erreichen. Das beinhaltet das permanente Reflektieren der persönlichen Zuordnung zu einem Geschlecht.Das beinhaltet auch, das unser Politisches Handeln zielgerichtet die Hinterfragung von Geschlechterverhältnissen angeht.

3) Die Frage der Kritik an Zweigeschlechtlichkeit: Das war zwar von Anfang an Bestandteil Queerer Kritik.

Feminismus und Queer

Wenn wir die Zweigeschlechtlichkeit kritisieren und die Kategorie „Geschlecht“ zum Konstrukt erklären, zweifeln wir die gesamten Geschlechterverhältnisse an. Die Tatsache, dass es nach wie vor Geschlechterhierarchien gibt, die die konkreten Lebensrealitäten der einzelnen – gesellschaftlich als Männer, Frauen oder Transen geschlechtlich einsortierten – Menschen prägen und dass es diese Hierarchien zu überwinden gilt, wird dadurch nicht beseitigt. In dieser Geschlechterhierarchie stehen weibliche und geschlechtlich uneindeutige Menschen am unteren Ende des Gefälles.

Die richtige und wichtige Forderung nach Darstellung von Zweigeschlechtlichkeit und Heteronormativität als Ideologie und ihrer anschließenden Abschaffung kann bei den jetzigen Zuständen nicht heißen, dass im Namen von Queer angegriffen wird, wenn Frauen als geschlechtlich konstruierte Gruppe „Frauen“ politische Forderungen stellen. Trotz der Erkenntnis, dass es kein natürliches Geschlecht gibt, muss darstellbar sein, dass es unterschiedliche soziale und politische Identitäten gibt. Unterdrückungsverhältnisse nicht mehr zu kennzeichnen schadet in erster Linie den strukturell Unterlegenen.

Queer ist der Kampf gegen jegliche Normsetzungen in Auffassungen von Identität und Sexualität; darüber hinaus auch ansatzweise in der Analyse von „Rasse“. Queer ist auch der Versuch, einen emanzipatorischen Raum zu öffnen, in dem die Ausschlussmechanismen der Mehrheitsgesellschaft nicht reproduziert werden.Queer erweitert die klassisch feministischen Debatten gerade auf dem Gebiet der Sexualität. Queer thematisiert Sexualitäten aus einer nicht pseudoobjektiv Perspektive. Queer thematisiert und theoretisiert Heterosexualität und sogenannten „normalen Sex“ und nicht ausschließlich „das andere“. [3]

Unterschiedliche Unterdrückungserfahrungen

Queere Männer reden darüber, dass sie selber und andere Queere Männer homophob angemacht wurden. [3] Andere Menschen können nichts dazu sagen, weil sie ihre Diskriminierungserfahrungen nicht ohne weiteres damit gleichsetzen können. Denn während z.B. Frauen, auch als Queer, wie Freiwild angemacht bzw. herabgewürdigt werden, wird Transsexuellen  (queer) und Queeren Männern die Existenzberechtigung insgesamt abgesprochen. Hier wäre ein Ansatzpunkt für Solidarität: Empathie und Verständnis aufgrund einer geteilten Diskriminierungserfahrung.

Wir sollten auch hinterfragen, ob das verhalten von Queer gegenüber feministisch denkenden Menschen Fair ist, wenn ihnen vorgeworfen wird, das sie Schutzräume zur Ausgrenzung anderer nutzen wollen. Auch Queer beanspruchen Schutzräume. Hier legen sie aber andere Maststäbe an.

Letztendlich: Solange es noch Unterdrückung von Frauen als Frauen gibt, muss an queere Praxis der Anspruch des Antisexismus gestellt werden. Von queeren Personen ist das, ebenso wie von Frauen, Schwulen, Lesben, Männern, Tunten, Vulkanier und jedem anderen intelligenten Lebewesen einzufordern. Wir müssen die Potenziale von Queer kritisch nutzen und das bedeutet, zu reflektiert, dass außerhalb unserer Schutzräume Heteronormativität und Zweigeschlechtlichkeit immer noch bittere Realitäten sind. Wir müssen sehen, wo Queer und Feministisch denkende Menschen Überschneidungen und Berührungspunkte besitzen und darauf aufbauend gemeinsame Projekte anstoßen.

 [1] Bundessatzung der Piratenpartei

[2] Heteronormativität beschreibt eine Weltsicht, die Heterosexualität als soziale Norm postuliert. Damit einhergehend ist ein meist unhinterfragtes, ausschließlich binäres („zweiteiliges“) Geschlechtssystem, in welchem das biologische Geschlecht mit Geschlechtsidentität, Geschlechtsrolle und sexueller Orientierung für jeden gleichgesetzt

[3] Einer der interessantesten Punkte, das Streben nach einer Gesellschaft, die PosGender ist hat Donna Haraway in Ein Manifest für Cyborgs. Geschrieben

[4] Ich kann hier nur von „Männer“ Erfahrungen schreiben, da ich meine Erfahrungen in dieser Frage als Sozialer und Biologischer Mann gemacht haben.

Jede Jeck ist anders, aber das ist keine Entschuldigung

18. Dezember 2012

Die Koordinatoren der Queeraten haben die Relativierung der Leiden von Menschen in den Konzentrationslagern, KZ, KL oder wie auch immer des Nazi Regimes auf der ML der Kölner Piratenpartei nicht mehr ertragen.

Waren es in der Vergangenheit Homophobe Evangelikale Christen, die sich in NRW Lauthals Homophob zu Wort meldeten, sind es jetzt Relativerer, die die Queer in der Piratenpartei verzweifeln lassen.

Die Mitglieder der Ag haben die Koordinatoren der Queeraten beauftragt, die untenstehende Mail zu verfassen.

Ich bin kein Koordinator der Ag Queeraten, ich Dokumentiere die Mail:

Wir sind gerne Teile der Piratenpartei.

Es gibt aber Zeiten und Orte, an denen wir uns in unserer Partei nicht wohl fühlen.

Wir alle werden in unserem Leben mit Diskriminierung konfrontiert.

Dass uns das im alltäglichen Leben geschieht, ist für uns Normalität und Gewohnheit.

Wir werden mit Homophobie und anderen Formen von Diskriminierung, der Ablehnung durch andere Menschen konfrontiert, weil diese Gesellschaft nicht erkennt, was sie sich letztlich selber damit antut.

Das wissen und ertragen wir, weil wir als Minderheit alleine nicht wirkungsmächtig genug sind, diesen Zustand zu ändern.

Die Piratenpartei möchte an diesem Punkt anders sein. Sie möchte ein Ort sein, in dem wahre Inklusion herrscht, in der wir wir selbst sein können.

In den meisten Fällen unseres Erlebens und Wahrnehmens der Piratenpartei ist es auch so. Es gibt aber Ausnahmen die uns große Sorgen machen.

In Köln nehmen diese Vorkommnisse seit einiger Zeit zu.

Wir wünschen und kämpfen für wahre Inklusion, weil wir nur mit ihr wir selbst sein können. Aber wir unterstützen Inklusion nicht, wenn sie das Falsche will.

Wir Queeraten verwahren uns dagegen, dass uns von einzelnen Parteimitgliedern vorgeworfen wird, das wir, indem wir mit vielen Mitgliedern der AG in #Bongs gegen den PA048 automatisch für Exklusion gestimmt haben.

Indem auf Mailinglisten darüber diskutiert wird, ob bestimmte Orte im Nahen Osten als “prison camps”, also als Straflager oder gar als Konzentrationslager einzustufen sind, werden Grenzen überschritten, die uns an einzelnen Piraten zweifeln lassen.

Wir verwahren uns dagegen, dass die Leiden auch der 10.000 bis 15.000 in Konzentrationslager verschleppten schwulen Männer in der Zeit des Nationalsozialismus, von denen Tausende einen elendigen Tod starben, durch unangemessene Vergleiche herabgewürdigt werden.

Wir weisen darauf hin, das Orte wie Gaza für sexuelle Minderheiten zu den gefährlichsten Orten auf der Welt gehören. Dort werden z.B. Schwule, einfach nur weil sie sind was sie sind, von den Mördern der Hamas getötet. Einer der Gründe, warum die Hamas-Mörder und ihre Sympathisanten weltweit den Staat Israel hassen, ist auch die liberale Politik Israels Schwulen, Lesben und Transsexuellen gegenüber.

Wir wünschen uns, das wir zusammen eine Stimmung in der Piratenpartei schaffen, in der sich Betroffene von Diskriminierung, z.B. von homophoben und antisemitischen Äußerungen, ohne Scheu und ohne zu Zögern gegen solche Äußerungen zur Wehr setzen können und dass auch nicht direkt Betroffene sich aufgerufen fühlen, von sich aus diskriminierenden Äußerungen entgegen zu stehen.

Lasst uns allen Menschen klar machen, dass es viele Orte gibt, an denen Diskriminierung unwidersprochen bleibt. Die Piratenpartei gehört nicht dazu!

Lasst uns allen Menschen klar machen, dass Diskriminierung keinen Platz bei uns hat.

Lasst uns hiermit aussprechen und zeigen, dass jeder der sich gegen Diskriminierung wendet, unsere Unterstützung hat und sich unter Piraten wohl fühlen kann.

Die Koordinatoren der Bundes AG der Queeraten

Ali, Ralf, Roman, Mike“ [1]

[1] Stellungsnahme der Bundes AG Queeraten